Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Article
- Beilage zu Nr. 4
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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JudülT zum Allgemeinen zu erheben, aber dies C«iite au ihnen als eine Ausnahme hinzustellen Durch sein mutiges und entschlossenes Aul" treten lenkte Kicsscf die Blicke seiner Glaubens genossen in ganz Deutschland in Bewunder Stolz und Freude auf sich hin. und als et Jahre 1S:52 auf einer Reise nach Siiddeutsch in Prankfurt weilte, wurde ihm -zu, Ehren lestmahl bereitet und als Ehrengeschenk herrlicher silberner Pokal überreicht, zu dem Pro fessor < )|)penheim eigens die Zeichnung entworfen hatte. Das in gotischem Stil gehaltene Ki nst werk stellte einen-das Gefäss tragenden K tter dar. Dem zu seinen Pässen sich windenden Drachen hielt er abwehrend den Schild entgegen, auf dem die Worte: ..Licht und Liebe'" glänzten Den Deckel zierte ein knicender Engel, der zerbrochene Ketten in den Händen trug-und djink ,n.*1 im am ein jehi bar seinen Blick zum Himmel aul'hub. \ui einer kleinen Platte waren die Worte eingegraben: ,..I)em Dr. G. RicSser, dem Kampfer für Licht und Riecht, seine Freunde und Verehrer. Frankfurt a. M. 18:52." Auch die biblischen Juden brachten ihm einige Jahre .späterihre Huldigung dar. indem sie ihm. ein \'ön Professor ( 'ppenhcün gemaltes Bild überreichten. Im Jahre 1836 verlegte Ricsscr seinen Wohnsitz nach Bockenheim. Die unerquickliche f-age Idei I laniburger Juden, um deren Bessergostaltung man vcrgcblictr beim Senate Schritte getan, hlitte ihm seinen dortigen Aufenthalt verleidet, unu er wollte durch sein fortgehen zeigeil, (las's selbst eine ganze Familie aus Verhältnissen, die den meisten fesselnd erschienen, sich losrCtSscn könne, um Gehässigkeit und Gemeinheit nicht tagtäglich vor Augen zu haben. Der Ehtschlusä Ricssers r.ief bei seinem 15c kanntwenlen das grösste Bedauern hervor. .\ber wenn man ihn auch nicht umstimmen konnte, so Wollte man ihn doch vor seinem Scheiden die gegCJl ihn gehegte Anhänglichkeit und die hm schuldige Dankbarkeit bekunden. Am 27. April wurde ihm eine Abschiedsfeier veranstaltet, bei der ihm die goldene Denkmünze .überrecht wurde, deren bronzene Nachbildung unser Sitzungszimmer .ziert. Auf einem erhöhten Throne sitzt eine holde Frauengestalt, die zwei Kinder an ihren Brüften nährt. Fs ist der Genius der Liebe, der allen Menschen in gleicher Weise zugetan. Zu beiden Seiten befinden sich, als Prallen tiargestellt, das Judentum und das Christentum. F.rsteres ist gefesselt und hat den Blick lügend auf die Gestalt der Liebe gerichtet. Mit , der Rechten stützt es sich auf die Gesetzestafeln, die Linke, weist auf das stolze i hristentum. das auf dem Haupt die Krone und in der. Hand da-, Sccp.ter trägt. ■ . -";; 'V' "•.•* ••; Als Umschrift hat die Denkmünze" die W orte/des Propheten Maleacl.u: ..Halfen ' wir nicht alle eine,n Vater, hat uns /nicht' Ria .Gott erschaffen?" Und auf der Rückseito .Lefin'det sich die Inschrift: ..Dem Streiter ffir Recht und Freiheit, Dr. Gabriel Riess_<r, seine hamburgischen Glaubensgenossen.- ■1S.'}(>.'\ In Bockenheim und Fran'.fur.t >vti)di> Ricsscr mit offenen Armen' aufgenommen.- D.w' Leben wurde für ihn dort reich an seelischen Genüssen, Abwechslung und Ireude'.. Fr ntlcgte einen sehr geselligen und anregemlen . Vermehr undwurde bald auch mit den bedeutendsten -Dichtern jener Zeit, wie Gutzkow und Laube,' .bekannt: Dabei verfolgte er die litterarischen Frschermmgi n der französischen und englischen Litturatiir mit regster - geistiger Anteilnahme und unterlrfek'. ..eineiv lebhaften Briefwechsel mit zahlreichen -freunden- und Bekannten," insbesondere mit Herxn und Frau Dr. llallcr in Hamburg. Zeigen ' ihnuns seine :.">'«••,■•• •■• von ihm der < >e!lentlichkeit libergebe'iien "Schritten als wackeren Kämpen, mutigen'Stujiter und unerschrockenen Vertreter der Sache des Rechts, ■ ,i - der I reiheit und des Menschentums, . Ui ';eben uns diese Briete einen 'Einblick? irf. «.se;,u tiefes, reiches Gemüt, sein zartes Empfinden "i:;itl «ein für alles Schone und Gute 'erglühtes rierz'-;- , Für die Gleichstellung der Jii()eu w.ir';_cr in Bockenheim iii nicht gcmindcTtcrerWeis-' tätig. Besonders hervorgehoben zu werden \erdient-das dort von ihm verfasste Schri'ichenr in den) er seine Glaubensgenossen aufforderte, zur Errichtung eines Le.ssingdenkmals beizusteuern, irrtv dadurch eine Fhrenschuld ,an den Streiter für Licht und Freiheit gegen Finsternis und- Knecht.s.;hati abzutragen. Urtd in den von ihm .im'Jahre. 1810 und 1N42 veröffentlichten jüdischen Briden wendet , . . : *, er sich gegen die verleumde!'iseneh Schriftsteller und Kritiker, die die Juden für alle-unliebsamen und unschönen Erscheinungen in. irerM-.ittcratur ■ verantwortlich /u ,machen suchten' imd selbst ur germanische Autoren einlach zu Juderr.stempelten, um sie wirksamer angreifen zu ■kirnen.' Die Hoffnungen, die Ries'ser;mi seinen-Auf enthalt in Bockenheim geknüpft,"sollten, sich jedoch nicht verwirklichen. Fr hatfee vor allem