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Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-01-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 4 - Mai
Article
Beilage zu Nr. 4
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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f l*ni die einmal angebabirtc Sache stetig weiter vctYolgen zu können und seine Glaubcnsbrüdcr in lebendiger Teilnahme für sie zu erhalten, liess er im Jahre 1832 eine den jüdischen Interessen gewidmete Zeitschrift unter «lern Titel ..Der Jude" erscheinen! .Mit vollem Vorbedacht hatte er diesen Namen gewählt, denn solle man wohl. wenn ungerechter I lass am Namen ,'Jude" .klebe, diesen dann verleugnen, anstatt alle Kraft daran '\\ setzen, ihn zu Ehren zu bringen:! ..Glaubt .mir. der Hass weiss-meinen Mann zu finden, und K> ränge er ihn sucht, wfrd er ihn durch tausend begütigende N.r'.en hindurch erkennen." Die in' dieser Zeitschrift veröffentlichten 'Abhandlungen waren vornehmlich Betrachtungen uber die Verhältiiisse der Juden i i den verschiedensten Ländern. Die erste betraf die Juden in Baden, und er unter/i >g die im badischen Landtag! gegen ihre Gleichberechtigung geltend gemachten Einwendungen einer eingebenden um! scharfen Kritik. Denen, die die Moral der Juden als geringwertig hinzustellen versucht' hatten., schleudert er die Anklage ins Gesieht: ..Wenn Ihr Euere Religion, deren 1 lass Geschlechter -erwürgt und Jahrhunderte mit Blut uberschwemmt hat, eine Religion der Liebe nennt und leicht hinweggeht über jene Greuel, als über unbedeutende Auswüchse, errötet Ihr dicht, einem anderen Glauben, dessen Bekenner Jahrhunderte hindurch die hilllosen Opfer jener Witt waren, vorzuwerfen, dass er einst andere Lehren, als die der allgemeinen Menschenliebe ^'gelehrt;* War das Christentum immer so milde gegen seine Verfolger: Hat es nie die. Rache de- Himmels auf sie benabgerufen: Haben sich die V;iter -der Kirche nicht, geweidet an den Todesqualen solcher römischer Kaiser,- die harte Beschlüsse gegen die < bristen erlassen, weil sie darin die Strafgerichte des Himmels erkannten: l nd denen, die den luden die Gleichberecb.- tigung mit dem Hinweis auf ihren Wucher vorenthalten w issen «tollten, andererseits jedoch ihren Ucbertritt zum - Christcntümc . forderten, ruft er .die, besonders scharten /Cornesxvorte zu: ..Weil jene mit Pfennigen, wuchert Ihr mit Glauben und Uebefzeugung. Weil von zweien, die derselben Reiigions'partci angehören, der eine ein Scheh^i, der andere ein Ehrenmann, darum bietet Ihr beiden gleiche Rechte dafür, dass sie beide Euere Religion annehmen: .Kitve Handlung, vv durch sicherlich nicht der' Schelm zum Ehrenmann, vielleicht aber «1er Ehrenmann zum Schelmen geworden." , * Auch die \ erhandlungen der Ständever- " i Sammlungen in Hävern, Hannover, Hessen und Sachsen unterwarf er in seiner Zeitschrift einer eingehenden Beurteilung und Würdigung und manch treuliches Wort gegen Bosheit und Unduldsamkeit, Mass und Verleumdung, dns bei Freunden wie bei Gegnern des tiefen Kindrucks nicht verfehlte, wird hierbei von ihm geäussert. Ebenso wandte er sich den Verhältnissen der Juden in Preusscn zu und unterzog die in den beiden H.iusdrn <[o Landtages über ihre Besserung gepflogenen Verhandlung einer ausführlichen Bc; sprechung. Er führte seine diesbezüglichen Darlegungen stets qujf die Grundprinzipien des Rechts zurück, deckte die Schwächen der Gegner in schonungsloser Weise auf. und ging ihren nien- '4 ' , -# t sehen- und kulturfeindlichen Ansichten bis in die geheimsten Wurzeln nach, indem er ihren Hass und-ihre Bosheit in ihrer ganzen Hässliehkeit'ins hellste Licht stellte. Bei den Verhandlungen im badischen Landtag im Jahre 1883 hatte ein Freiherr von Andlavv geäussert, dass er in dem traurigen Zustand der luden einen Beweis für die Wahrheit des Christentums erblicke. Ihm ruft Riesser zu: ..Also Menschenungltick, Jammer. Leid — das ist der sprechendste Beweis für die Wahrheit Eures Glaubens. Das traurige Werkdes Hasses ist der stärkste Beleg für die Wahrheit Euerer Religion der Liebe.-- Aber nicht Mos, wenn es sich um die politische und staatsbürgerreclrtliche Gleichberechtigung der luden . handelte, stand Gabriel Riesser auf der Wacht. Wo immer, ein unberechtigter Angriff gegen sie erging, trat er als Fürsprecher und Sachwalter für sie ein. Ein Hamburger Lehrer, namens-Meyer, hatte eine Schrift gegen Börne v erlas-1, aber nicht Mos diesen, sondern in echt hamanitischer Weise alle Juden angegriffen und sie hässliche Asiaten genannt. Mit dem Ausruf: ,1 ..'Wer mir das Recht auf mein deutsches* Vaterland bestreitet, der bestreitet mip-» das Recht auf meine Gedanken, meine- Gelühle. die Sprache, diu ich rede, auf die Luft, die ich atme. Darum'muss ich mich gegeq ihn wehren, wie gegen einen Mörder." wandet sich Riesser mit aller Schärfe gegen das erbärmliche Gebühren, altes Tadelnswerte an den — U —

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