Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Article
- Beilage zu Nr. 4
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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v<->rentn. Da- Nachdruck geisseil: er auch <las Verfahren derer, die ihre Kinder in unmündigem Alter der ijörr sehenden Religion! zuführen, um ihnen 'für später alle Vorteile der vollen Gleichstellung zu sichern. ..l ud wie nun. wenn der Priester Eueren Kindern lehrt, dass alle, die nicht an den Heiland -glauben, ausgeschlossen sind von ejer ewigen Gnade Gottes. Wie, wenn diese Lehre, entsetzlich für jedes Gemüt, vor allem aber entsetzlich für Euere Kinder und fürViic Enkel Kuerer Kitern, die zarten Gemüter heftig erschüttert:" '■<■'• r ' ■ ■ ■ .. I. Im' Weiteren legt er dar, wie gerade jetzt, wo allerorts das" Streben nach voller politischer Freiheit sich entfalte, und wo man in Engla >d, Frankreich und Amerika den Juden volle Gleichberechtigung bereits gewahrt, der Zeitpunkt auch in Deutschland für sie gekommen sei, ihre gemeinsame Sache zu vertreten. Auch sie sollten sich jetzt Z.usammenttin und die ihnen baltenen Rechte* sich zu erkämpfen suchen rum ruft er ihnen am Schluss die Worte zu: „Lasst "njjfcticht ermüden, so lange ft'ir Kraft haben! ^fbr Glaube an die .Macht und an den endlichen Sieg des Rechten und Guten ist unser Messias-Glaube; lasst uns fest an i im halten!" Die Wirkung dieser Schrift war eine gewaltige.. Die Zaghaften und Leisetreter \yaren ti )cr di/; kühne Sprache erschreckt und fürchteten neue Ausbruche »U;r Volkswut. unter der rhan in den letzten Jahren an verschiedenen Orten zu leiden gehabt hatte. Die Kühnen und Tatkräftigen jubelten auf. dass endlich ein Mann erstanden war, der mit dem Mute siegesfroher Entschlossenheit auch ein hohes geistiges Kon len einte und mit Geschick und Kraft für die Sa:he seiner Glaubensbriider eintrat. Auch in christlichen Kreisen war die Wirkung der Schritt eine doppelte. Angesehene Zeitschriften' wiesen rühmend auf sie hin. und hervorragende Männer wurden auf Kiesser aufmerksam und suchten seine Bekanntschaft. Doch rief sie auch eine Gegenschrift aus der Reder des Heidelberger Kirchen- . rats Paulus hervor. Diese erschien gerade in der Zeit, a\s in dem badischen Landtage über 'die künftige Besserstellung der dortigen Juden verhandelt werden sollte, und von ihr war eine um so nachteiligere Wirkung zu befürchten, als mau Paulus zu den Liberalen zählte. Innerhalb weniger Tage schrieb Kiesser seine Entgegnung, in der er mit solcher Wucht und Schärfe den Gegner niederkämpfte, dass dieser kaum eine nennenswerte -Ftwidcrnug fand. Es würde uns zu weit führen, wctin w;ir auf Einzelheiten dieser ^weiten "Schrift, eingaben wollten. Nur einige Kraftstellen -/seien aus. ihr herausgehoben./ ' Der von .Paulus getroffenen dalSclle.n Beurteilung des Judentums stellt er die _ kijhne. aber völlig zutreffende Darlegung" gegenüber: .'".• „Ihr schmähet die Lehre von" einem auserwähltcn Volke! Könnt Ihr aber die Lehre von den auserwählten Seelen, von - der aüsschliessenden Gnade Gottes, die. die Seligkeit nach Willkür dem Minen' gewahrt, (fem-Andern versagt, auch aus der Geschichte'.verbannen. Könnt Ihr all die Ströme menschlichen Blutes, all die Scheiterhaufen aus der- Geschichte streichen, die davon zeugen/ das's. die- Lehre, der L'ngläüUige habe', kein .Recht "auf Le<>eii, Freiheit und Eigentum," als eine, christliche» gelehrt worden? Ihr zündet die Lackel bistßrischer Untersuchung an, um herauszubringen, ob einmal in finsteren Zeiten ein . finsterer Rabbi gelehrt, dass man. dem AnrlersglaubeiKlen weniger Treu und Glauben schuldig sei. als dem (ilaubensverwandten. SchL,'Ihr7nicht "den Scheiterhaufen durch die Geschichte leuchten, der es niit Flammenzügen niedergeschrieben, „dass dem Ketzer nicht Wort zu. halten:" Ich bitte Euch.' brechet die Rechnung ab mit der Vergangenheit: öffnet die Gräber dreht; lasset die Toten ruhen; sie würden fürchterlich gegen Euch zeugen!". . ..:;' ':. l ud er sehliesst mit den Worten: ..Wir wollen dem deutschen Vate/Iandange hören: wir werden ihm* aller Orten, angeboren. Fs kann und darf Und mag , \<>n uns alles fordern, was es von seinen Bürgen! -zu fordern berechtigt ist — nur Glauben und -Treue, Wahrheit und Fhre nicht: -denn •Deutschlands I leiden und Deutschlands Weise haben uns nicht gelehrt, dass man durch solche.; Opfer, ein Deutscher wird." Derartige Ausführungen konnten nicht unbeachtet bleiben und bei den späteren Verhandlungen im badischen Landtage w'ies man wieder; holt auf Riesser hin. Innerhalb derjudenheitklangen sie;>ber wie ein gewaltiger Weckruf, l'nd da die Frage der Gleichberechtigung der Juden tri fast allen Staaten in mehr oder wenigernaher Erörterung stand, so wandten sich diese. vielfach mit Petitionen an die Landesvertreturtgen. 13 —