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Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-01-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 4 - Mai
Article
Beilage zu Nr. 4
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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allen Staaten rücksichtslos zurück^estossen. Jet/t nun. wo Mm'der französischen Revolution angefacht, ein freiheitlicher Hauch durch die deutschen Lande welltehielt es Gabriel Kiesser an der Zeit.- negen die mehfhundertjährige Rcchtsentatisserung und Bedrückung mit der Ausstellt auf Erfolg aufzutreten^ und darum veröffentlichte er im'Jahre is:51. seine Schrift: ,.Leber die Stellung ' <ler Bekenner des mosaischen Glaubens in Deutscher V land. An .die Deutschen aller Kpnfessionen." . Er wölke, wie er in der .Vorrede bemerkt, die Frage der Emanzipation der Juden in l'luss •bringen,1 bedeutenderen .Männern Interesse für sie abgewinnen und die Juden seiher dazu führen, Bi gemeinsamer Wirksamkeit für ihre Glcjchhereclitigung einzutreten. Unerschütterlich fest stand ihm das Vertrauen auf die Güte der von ihm vertretenen Sache, und ihn belebte der Gcilanke. dass die blosse, reine Wahrheit auch -aus dem Munde des Unbedeutendsten nicht machtlos sei, und dass sie wohltätigen Sameii in die. Zukunft Streue, wenn auch kein "augenblicklicher Erfolg ihr bemühen kröne.. Rückhaltlos gesteht er ein, dass er bei dem Sieg des von ihm geführten Kampfes |>crsönlich beteiligt sei: — dadurch könne dieser nicht im ■geringste^ an innerem Wert verlieren und mit .Entschiedenheit verwahrt . er sich dagegen, dass " seine besondere Stellung, die die_ Folge seiner Ansicht sei, auf diese irgendwie; eingewirkt habe. _ Mit unerschrockenem Eifer macht er,'seine rDarlegungen, penn, wo es sich um die Sache handelt, die im endlich ernster selbst oifs Tod und Leben, v» i es ufn Freiheit und Unterdrückung, Recht- und Uurecht und das sittliche Sein und Nichtsein ivn-1 Ihinderttauscnden geht, da" dünkt ihm jede Rticksicht. jede Schonung als eine Versündigung gegen den heiligen (.eist der Wahrheit und der .Mensch lichkeit, ' '"„Zurückhaltung--, so ruft er aus. ..ge/iemt uns. iv,, r> ,|jc Geltendmachung unscicr Persönlichkeit, aber Kühnheit und trotziger Mut. . wo es die gemeinsame Sache unserer Glaubensbriider/gilt, r'.s gilt Iber nicht Rechte allein, es gilt auch, die Achtung aller Edleren zu gewinnen, penn rflan kann wohl den einzelnen Unterdrückten achten, nimmer aber den, der' sich dcrUnterd|räckutig feig und willig schmiegt.;' Bs war dies eine. Sprache, die man bislang aus jüdischen Kreisen noch nicht vernommen t. f hälfe. ("cbergrosse Aengstliehkeit und Bedcnklichkeit hatten dort bisher «b'c Gemüter gefangen gehalten. Darum grade musste sie um'so mächtiger wirken! Riesser hess sich garniebt auf Verteidigung der Juden und auf detf Nachweis ein, 'dass sie der geforderten Gleichberechtigung vollauf würdig seien. Kr verlangte diese als ein unveräusserliches Recht, «las ihnen wohl die Ge; walt vorenthalten könne, um das man aber nicht als um eine Gnadcnbewilligung bitten dürfe. ..Nichts von Rechtfertigung, nichts von 7fu- <^eständnis.sen", ruft er seinen Glaubensbrüdern' /u. cMan hat nicht das Recht, uns der Unfähigkeit und der Unwürdigkeit zu beschuldigen, Während man uns widerrechtlich hindert, unsere Fähigkeit und W ürdigkeit zu betätigen." ' .Mit tief sittlicher Entrüstung tritt ei*bcsonders der Zumutung entgegen, sich durch Glaübenswechsel clor bürgerlichen Gleichstellung würdig zu machen. Ks ist ihm vor allem der einfache, ewig unveränderliche Grundsatz der Wahrheit, dass die Lippen nicht bekennen sollen, .was'dem Merzen fremd' ist. was vor einem solchen Schritte abschrecken musste. i -r . ..Wir wol|en keine Abgabe erlassen haben, als die der religiösen Lüge: wir wollen nichts, als dass man uns rechtlich so behandle, wie c man uns behandeln würde, wenn wir einein Schritt getan hätten, gegen den sich unser Gewissen sträubt." l'hd an einer anderen Stelle ruft er aus: ,.Ks ist nicht mehr ein Kampf zwischen Glauben und Glauben, sondern zwischen Wahrheil und Trug, zwischen Redlichkeit und ' Falschheit, um den es sich handelt. Es ist die Frage, - w ob der Staat Junger auli die Lüge einen Preis setzen, ob er'einen Zustand der Dinge währen lassen soll, der der öffentlichen Moral 1 lohn spricht, der die entschiedene Tendenz hat, . Rechtlichkeit und Wahrheit nicht minder als Glaube und Gottesfurcht zum hohlen Wort zu' machen.-' I nd den etwa '(aufbereiten selber widmet er die bittere Spottrede: % ..Wie aber kann der erwachsene Mann ^_ Achtung .für einen Glauben haben, dessen Verehrer ihm wie schnöde Kuppler erscheinen « - ... . / müssen, die, wie Kuppler andrer Art, durch den Reiz des Gehles zu einem Bündnis ohne Liebe, so durchäussere Vorteile z*i einem Bekenntnis ohne Glauben locken." Das waren Worte, wie sie mutiger und schärfer gegen den staatlichen Bekehrungseiler nie geäussert worden waren. Mit nicht geringerem

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