Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Article
- Beilage zu Nr. 4
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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»'euren. Richte er ilim mit sejinerreichen •1. falmmg, seinem klaren Blick für dieKrschcinungen' »los Lebens und seinem festgegnündeten Gottvertrauen, das auch in widrigen Verhältnissen heile Lichtpunkte zu entdecken Wöaite, /um Berater und zum Führen zu werden. ' : Kr besprach mit ihm die wichtigsten Zeitereignisse, hielt ihn an. auf die Sorgfalt seiikes, Stils recht grosses Gewicht zii liegen, malinte ihn zu ordnendem Sinn, forderte unter anderem von ihm seine Ansicht über ein von" ilim selbst verfasstes Rechtsgutachten. da er auf sein! Urteil mehr.hielt, als aut das seiner Zünftigen Geflossen und webte seinen Briefen zuweilen auch manch treu Gemeinte, liebevolle Ermahnung! ein. Zu seinem |20. Geburtstage schenkte er jihin 'ein Perspjktiv, weil alle seine bisherigen Wünsche sich in dem Gedanken einten, ihnu die schopsien Perspektive f(i,r die Zukunft <|zu eröffnen,, ijnt" ntseine itmeh voll Zuversicht auf seine spätere günstige wjckelung, rief er ihm das \V6rt der Weisen zu Heil dem .Manne, dessen lugend v**-'"1 Autcj1 nicht belleckt Nach einem Jahr ging Gabriel Kiesser zur Vortsetzung seiner Studien nach Heidelberg, woselbst er fünf Semester verblieb. Mit Fleiss iJnd Ejfejf lag er dort seinem Studium ob. pflegte aber 'auch in ausgedehntem Masse die '-heitere Geselligkeit* verkehrte in mehreren-h' 'chgcbildcten ■Familien und erwarb sich durch seinen stets heiteren Sinn, sein klares l'rtei lassenden Kenntnisse, nicht minder aber sein in sittlicher Kraft gefestigtes Wesen s Zuneigung, dass manche der dort angeknüpften Beziehungen zu einem enteil. |-reunitschaftsbajn fürs Leben sich entwickelte. Im Jahre macht zwar mit dem, Prädikate magna cum laude mit nahte die Zeit, wo er an seine späterj, pr tische Betätigung und künftige Wirksamkeit denken niusste Sein Vater machte ihm auf Veranlassung Vk. . ■ ■>* » f.. | eines f reundes den Vorschlag.; sich in -'Hamburg als- Anwalt niederzulassen. . Denn wenn es auch' damals einem Juden noch nicht gestattet war. in Hamburg als Anwalt zu praktizieren, so hätte sich doch diese Schwierigkeit dadurch Hingehen lassen, dass er sich.mit einem christlichen Anwalt ässocierte oder unter der Firma eines solch|en tätig war. Auch hätte er als Notar in jüdischen ■ * t _ ■ j i ■ . j ' . . L Ehe- und Eroschansangelegenheiten phrte jegliche Beschränkung sich betätigen können. Doch in mannhafter Entschlossenheit lehnte es' Gabriel er sein' F.xamcn und I[)a tk- Kiesser ab, sich auf SchleicbwVgen zu verschaffen, was ihm ,Gewalt und Unrecht vorenthielt, und . auch den Vater erfüllte dies enrithlossene, kraftvolle .Verhalten seines Sohnes mit Stolz und Freude. Das Streben Kiessers ging zunächst daliin, »ich' der akademischen Laufbahn zu widmen. Nach mehrjähriger ernster Vorbereitung bewarb er sich um eine Priv.itdozentenstelle in Heidelberg, doch wurde er unter Scheingründenabgewiesen. Ein Versuch in Jena hatte keinen günstigeren Krfolg. Durch die Verhältnisse gezwungen, fasste ' er darum den Kntschluss. sich jetzt, doch -um eine Advokatur in Hamburg zu bewerben. Aber auch hieV sehnigen' seine Hoffnungen fehl. So niederdrückend auch diese Erfahrungen" für ihn waren, so h.itten sie doch sein-Augenmerk in erhöhtem Masse -auf die allgemeine Lage seiner Glaubensbrüder hingelenkt. ,,Kr wusste sich zurückge st >ssen, nicht weil er unwissender und schlechter, s' »ndern weil er gewissenhafterwar als aridere; weil er Jude sein und Jude bleiben -.und seinen Glauben nicht weltlicher Vorteile halber hingeben wollte." Denn es hätte ihn nur ein Wort gekostet, und alle sich ihm entgegenstellenden Schranken -wären' geschwunden. Aber er verschmähte es, sich durch eine Gewissenlosigkeit .zu' erkaufen. "auf was er nur bei strengster Gewissenhaftigkeit Anspruch1 erheben" zu dürfen glaubte. . . ■ f/:^, ■' Da kam im fähre' l!S.tt.> die französische fulircvolution, und I wenn sie auch an'der Grenze Deutschlands halt machte, sogriff sie. doch -tief in die Seelen deutscher,Männer ein!.'• Nruivglaubte auch Kiesser 'den Zeitpunkt für gekom'men." wo er mit der Sache seiner Glau'heusbi'üder seine .eigne Sache führen könne'. Zugleich aber war er von dem '.Gedanken tief durchdrungen., dass er dadurch auch der Freiheit. . den. lortschritt und dem edlen Menschentum schätzensw erte Dienste leiste. I )enri lür ihn trug die Frage der bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden keinen .andern bnhalt, w ie <ler allgemeine Kampf der L'jiterdrüchung gegen die Unterdrücker Und baute sich auf-den Grundsätzen auf, von denen alle VölkeKihr Heil erwarteten". 1 . . -. t\ ■ . ' Die Lage der Juden hatte sich in damaliger Zeit'nicht sehr wesentlich gegen . die 'menschenunwürdigen. Zustände früherer Jahrhunderte geändert. Und--'mochte sich bei ihnen" auch das immer wachsende Streben zeigen, sich mit gäuzem Herzen und voller Kraft dem moderne« Kulturleben anzuschliessen, s" wurden sie. -doch fa-st in