Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Article
- Beilage zu Nr. 4
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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mudischcn Wissenschaft ebenfalls sehr bewandert warf und sich nach und nach auch eine umfassende weltliche Bildung anzueignen wusstei neben ihm als Sekretär beim jüdischen (icrichtc in .Altona tätig. Als aber jener im Jahre 17'.»!t aus ' dem. bereits angedeuteten Grunde sein Amt aufgab, verzichtete auch dieser auf seine bisherige Stellung und verlegte seinen Wohnsitz von Altona nach Hamburg, um sich forthn geschält; liehen Unternehmungen zu widmen. Die wechselmlen politischen Zustände der damaligen Zeit blieben flu tan nicht ohne Einfluss auf'die Lebensgestaltung der T'amilie. Als im Jahre 1813 1 Limburg von ilen Küssen «bedroht •wurde, wanderte der \ ater Kressens aus und Hess '*; sich in Lübeck nieder, woselbst er die Pacht der dortigen Staatslotterie übernahm. Aber auch r dort, war sein Aufenthalt von verhältnismässig ' nur geringer Dauer. Auf die durch,die Lratrzosen I tür die luden im Werten Deutschlands herbei- ■ geführten glücklichen Zeiten folgte nach dem! -Wiener Kongress in fast allen Staaten die alte .Einengung und Bedrückung wieder, die aber , jetzt viel schmerzlicher als ehedem empfunden! wurde, dä man in/wischen die süsse Frucht der vollen bürgerliehen Gleichberechtigung genossen hatte. ' .!'••" ' Als man auch in"-Lübeck che Juden in ihre ehemalige niedrige Lage zurückzudrängen anfing. & verzichtete 'La/ärus Kiesscr im Jahre [1819 auf die Verlängerung seines Pachtkontrakts und. zog wieder nach Mamburg. Seinen Sohn Gabriel liess er jedoch in Lübeck im I lause eines Lehrers zurück, damit sein Unterricht im Gymnasium keine nachteilige Unterbrechung erleide.; Schon triih hatte der [Vater die tretllichon- \ Anlagen seines] Jüngsten erkannt. Kr selbst er- \< teilte ihm den ersten Unterricht, durch den er ihn vornehmlich in die Kenntnis der Bibel, und des \ 'l almud einzuführen s ichte. Vom elften Jahre 3n besuchte Gabriel das Gymnasium zu Lübeck : urtd verblieb daselbst bis zurrt Jahre 1S20. seinem vierzehnten Lebensjahre, um dann seinen Litern nach Hamburg nachzufolgen und dort die Schule : Weiter zu besuchen Weit entscheidender als der geordnete l nterrichl im Gymnasium: war die ' planvolle, einsichtige Erziehung in dem Eltcrn- \ -hause auf die Kntwickclung des geweckten Knaben und die Ausgestaltung seiner späteren Ligenart. V.< war ein wahrhaft patriarchalischer, von tieler,; religioserGemütsinnigkeitdurchdrungenes Iamilienleben, indem er aufwuchs. Zwischen Litern und Kindern: herrschte das denkbar traulichste Verhältnis, und in besonderer Zuneigung war «1er Vater seinem vielversprechenden Jüngsten zugetan. In ihm erblickte er das Ebenbild seines hochverehrten Schwiegervaters, und in seiner späteren Lebensgestaltung erhoffte er die Erfüllung dessen /u erfahren, was einst ihm selber als Sehnsucht erweckendes Jygendidcal vorgeschwebt hatte. Von Jugend auf brachte er darum seinem Gabriel das grösstc Vertrauen und die weitgespanntesten Hoffnungen entgegen. Er liess ihn sich ungebunden und frei entwickeln, und wochenlang, ja Monate hindurch durfte er die Schule versäumen, ohne class der Vater.'bessernd eingegriffen hätte. Denn dieser vertraute seinen Neigungen und w usste, dass nicht Trägheit oder Widerwillen gegen das Lernen ihn zu diesen! absonderlichen Tun veranlasse, sondurn vielmehr ilas t anurkennenswerte Streben: über, das Ziel der Schule hinaus sein Wissen zu bereichern. Im Jahre- 182-1 bezog Gabriel Kiesser Jnach erfolgreich beendeter Schulzeit die Universität * ' ■ ' ' Kiel, um sich dem Studium «ler Rechtswissenschaft zu widmen. EltcrSi u:ul Geschwister gaben ihm das Geleite, und ob auch allen der Abschied schwer wutde. so liess ihn der Vater, doch ohne bange Sorge um seijiie weitere Entwicklung in die Lerne ziehen, von der festen Zuversicht -beseelt, ihn einstmals -ebenso unverdorben an Seele und Körper wieder zu empfangen-, wie er ihn jetzt einlies-. Mit den -P-almw orten : Denn seine Engel w ird er Dir entbieten. Dich auf allen Deinen Wegen zu bewahren empfahl er ihn dem Schutz des Höchsten. Das innige, traute Verhältnis zwischen dem Solm'und den Litern, zwischen dem Bruder und den Geschwistern wurde durch die Lerne weder unterbrochen noch gelockert. Ein reger Briefvyechsel entspinnt sich zwischen ihnen, und gewöhnlich langten die Briefe am Sabbatmorgen in dem Liternhause an und trugen durch ihr Erscheinen nicht wenig zur Erhöhung der sabbatlichen Leier Stimmung bei. Nur die Briefe des Vaters sind uns erhalten geblieben, und sie muten uns durch ajhre Gemütsinnigkeit und Jlerzwärme noch heute gar wohltuend an. Wie ein Lrcünd stand er dein Sohne zur Seite, denn er hatte sich-volles Verständnis für das Streben und den Sinn der Jugend zu wahren gewusst. Ohne seinen Gabriel in kleinlicher Weise bevormunden zu wollen, olrfic eine auf dringliche und pedantische Belehrung hervorzu-