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Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-05-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 4 - Mai
Date
1906-05-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 50 — gehender mit der .Materie zu beschäftigen, und zu versuchen aus den Anschauungen und Handlungen der ihm bekannten ' Logenmitglieder Schlüsse auf sie selbst zu ziehen. Tatsächlich fällt ihm bald eine neue Eigenart auf. Während sonst in den Vereinen die gesamte Arbeitslast auf einigen Wenigen ruht, scheint der «>rden die Institution von nur zahlenden Mitgliedern nicht zu kennen; er kommt auf die Vermutung dass hier vom Einzelnen mehr als der jährliche Beitrag verlangt werde; und was noch eigentümlicher ist: dje beau sprucbte und geleistete Arbeit wird nicht als Last empfunden Hnd beklagt, im Gegenteil, sie wird freudig uud unverdrossen unternommen. Alle diese Wahrnehmungen regen unseren Kandidaten zum Nachdenken an: ..Bin ich auch" imstande mich derart in eine Idee einzuleben, dass ich ihr Zeit und Kraft opfern würde? Soll ich, dessen Interessen bisher nur die Sorge um die eigene Existenz und die Familie gebildet haben, auch fähig werden mich für die verschiedenartigsten Ideale zu begeistern 'i* Wir sehen ein: der Zeitraum zwischen Bewerbung und Aufnahme ist hochwichtig für den neuen Binder, weil er einen be ieutsamen Entwicklungsgang in ihm bewirkt: war er bisher ein Jude wie 100 andere auch, durch den Zufall der Gebort, jetzt erst wird er Jude mit Bewu>stseiu und Willen - Das Judentum, das bei ihm bisher nur iu die Er scheinuug trat für kurze Andachtsstuuden, oder, in der Abwein• i'Mifessionelier Befehdung, beginnt sein Deuken positiv zu bellen sehen; der Name Israel bisher ein leerer Begriff bekommt Inhalt. Maa wird zugeben müssen, dass die geschilderte, mittelbare oder Fernwirkung der Loge aut das Interesse des Eintretenden stark und doch natürlich ist. Dementsprechend nachhaltig wird auch 4er Eindruck der EtnfÜhrOng sein, wem: Wurde und Weihe auch nur halbwegs beachtet werden; und wer könnte bestreiten, dass die Form uiiseier Aufnahme in hohem Masse geeignet ist auf Gefühl uud Verstand gleichmäsajg eiuzuwhkeu? Ich rinde zur Charakteristik der Eiufühi ungsfeierlichkeit keinen passenderen Vergleich als mit' dem Gottesdienste am Vorabend des Versöhnung-stages, Wie hier im Herzen des gläubigen' Juden ein Chaos von Andacht, Demut und Begeisterung wogt, wie die Festesstimmung der versammelten Gemeinde jeden Einzelnen wundersam ergreift und durchbeißt, wie tausend ungesprochene Eile die Seele durchzittern, wie dag Sehnen nach Versöhnung mit dem Höchsten den Wunsch nach Vei brüderung miteinander wachruft, so oder, ähnlich empfaud ich, so oder ähnlich wird wohl jeder empfinden müssen, der nur halbwegs für Stimmung^empfänglich ist. JVon starker Wirkung ist gleich anfangs der Einzag in die von Brüdern erfüllte Halle. Eigenartige Erregung ergreift uuseren jungen Kandidaten, da ihm der Eintritt in den Bund unmittelbar bevorsteht. Ist's nicht Gottesdienst? Sind's nicht Psalmen, die, von unsichtbaren Sängern gesungen, den Raum erfüllen? Ein Lob Gottes, ein Preis der Welt im Grossen, wohl auch dieser Welt im Kleinen..... Und nun die Begrüssung jener Persönlichkeit unter dem Baldachin, die uns kündet von Ziel und Zweck des Ordens, von Pflicht und Recht des Bruders. So stark und mächtig hat wohl noch nie ein Redner gewirkt, wie hier der Präsident auf die Eingeführten. Keine Pose, kein Pathos, tiefer, tiefer Ernst, hohe, heilige Begeisterung und Liebe, Bruderliebe.; I ' ,: . Endlich erfahren wir alles. Ja die Arbeit ist der Kern der ..Söhne des Bundes," Arbeit und Hülfe; hier ist nicht Raum für beschauliche Ruhe, in dem Dienste des bedrängten, verwaisten, verarmten Israel, in der Pflicht für Kranke und Leidende, Obdachlose und Trostbedürftige giebt es kein Säumen und Zögern; das hohe Lied der Arbeit wird hier angestimmt, und die es singen freuen sich ihrer, ist sie ihuen doch das Köstlichste ihrer Gemeinschaft..... „Hier sollst Du mittun, als unser ßrudei", so sagt jener ernste stille und doch so beredte Manu, „dazu bist Du uns willkommen als wackerer K impfer in uuseren Reihen, Hier sollst Du lernen Dich selbst zu zwiugeu. allen Eigennutz zu bannen, jedes Eigeninteresse zu vergessen; Dich sollst Du erziehen, damit Du fällig werdest zur Erziehung der Söhne Deines Glaubens, lud wie die eigene Ehre Dir heilig, so sei Dir heilig der Bund, in den Du trittst, heiliger Boden sei er Dir, ein Segen allen, die in ihm leben und wirken, für die er lebt und wirkt, ein Segen für gauz Israel, für alle Menschen. . . Ich glaube nicht, dass jemand kalt bleiben kaun, wo solche Worte ge-prochen werden. Man darf ruhig behaupten, es gibt keinen fruchtbareren Boden für unsere Ziele und die Mitarbeit an ihnen, als das Herz des Eingeführten. In ihm feiert die Fonn. in der der Orden sich bewegt, ihre Auferstehung im geistigen Sinne. Sie wird ihm zum inneren Erlebnis, das etwas besagt uud seine Wirkung nicht verfehlt. Ie klarer und eindringlicher die Erklärung unserer Zeremonien erfolgt, desto wertvoller werden sie für das Einleben des neuen Bruders in unsere Ideen. Ich darf hier vielleicht die eigene Wahrnehmung sprechen lassen. Mir schien die vom hochwütdigen Grosspräsidenten gegebene Zeichenerklärung das Fleisch am Gerippe der vom würdigen Präsidenten vorgetragenen Ordeusbestrebuugen. — ..Immer sollst Du eingedenk sein Deiuer Zugehörigkeit zum Bruderbuude, immer seiner Ziele, seiner Absichten. Hören, sollst Du. wenu ein Jude Dich ruit und Deiuer bedarf, infeit nur hören, selbst gehen, ob Du nicht helfen kannst, auch wenn Du nicht selbst gerufen wirst, und einstehen immer, mit mannhaftem Worte ür die Ehre des Ordens, ganz Israels. Mit allen Sinnen sei bei uns uud stets betrachte unsere Tagung als ein heiliges Fest, in das man sich nicht stürzt mit Gedanken des Alltags, wie zur Andacht gestimmt betrete unsere Halleu. . . Ist die ganze Feierlichkeit an unserem nunmehr wiiklich zum Bruder Gewordenen vorübergerauscht, für manchen besonders stark Empfindenden wie ein herrlicher Traum, so lernt er bei fröhlichem Brudermahle im neuen Verwandtenkreise unsere Geselligkeit kennen. Und wieder sieht er Neues; eine ganz andere Art von Freude, als die sonst au Festtafeln gewohnte Ein Thema nur scheint es zu geben, und doch immer interessant dem ältesten Gründer des Ordens wie dem jüngsten Mitgliede. In ungezählten Variationen wird die Loge besprochen und verherrlicht, aus vielen Städten sind die Vertreter der Schwesterlogen herbeigeeilt wie zu freudigem Familienereignis, und alles sagt und singt vom Bruderbunde, und was er will, und rühmt voll Stolz, was er bisher geleistet und gelobt voll tatkräftiger Begeisterung, nicht zu ermatten in der Arbeit. '„Ja, lieber neuer Bruder, nun begreifst Du's und dem Leuchten Deiner Augen merkt man's'an: Du fühlst, was Du geworden: einer wie wir, fähig für die Arbeit, fähig; für unser Ideal ... sei uns willkommen!" Sdg.

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