Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 2 - März
- Date
- 1906-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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- 33 — von Handwerkszeug, die Abführung grösserer Summen an einen interkonfessionellen Charitasverband, die weitere Fürsorge für den von uns ins Luben gerufenen Verein für Ferienkolonien und Aehnliches mehr als eigenes Gebiet reserviert, in gewohnter Weise weiter kultiviert und auch Z lfrudenheit dabei geerntet. Unsere Wanderbibliothek ist in bester Weiterent- Wickelung begiiüen, in der Regel sind ls Serieuköibe a 27 bis 30 Bücher unterwegs. Fortwährend melden sich neue Gemeinden, meikwürdigerweise haben sich aber auch 2 Gemeinden weitere Sendungen verbeten. Leider ist die geeignet«* Literatur nicht sehr umfangreich, manche Bücher sind doppelt angeschafft worden. Klassiker komrtien fast tegelmässig ungelesen zurück, dagegen werden Erzählungen und Geschichtcheu verschlungen. Die Deutung dieser Beobachtungen wird für die weitere Richtung, die Vir der Wanderbibliothek zu geben beabsichtigen, nicht ohne Weit sein. Die Frage nach der Ausbildung eiuer eigenen Krankenschwester beschädigt uns seit vielen Jahren, doch konnten wir bisher, trotz eifrigsten Suchens, noch keine geeignete Person ausfindig machen. Die Schaffung eines Jüngling\vereius, d.*nu einer Tuvnbeehalle in engerem oder weiterem Sinne stand oft auf unserer Tagesordnung. Die Schwierigk, das Menschenobjektmaterial dafür zu finden und die Angst vor dem Nichtgelingen, vielleicht auch die finanzielle Frage und mancherseits etwas unvollkommenes Verstädniss von innen heraus, haben diese Angelegenheiten wieder in den Hintergrund gedrängt. Dagegen hat die Schaffung eine» Mädchenheimes, au der sich auch der Frauenbund und weitere Kreise zu beteiligen gedenken, begründetere Aussicht auf demiiächstige Verwirklichung; unabhängig davon versucht ' auch unser Frauenbund, Erholungsabende für junge Mädchen einzurichten. Wenn diese Versuche geeignet sind, den Keim für umfassendere Tätigkeit in der skizzierten Richtung zu bilden, wird uns dies mit grosser Genugtuung erfüllen. Es wäre müssig, an dieser Stelle über unsere östlichen Glaubensgenossen und ihr Schicksal Worte zu verlieren. Das Gefühl der Solidarität hat un% zu denselben Bewegungen und Entschlüssen geführt wie die Schwesterlogen und die Allgemeinheit. Uns wie ihnen verbleibt das beklemmende Gefühl: was wird noch werden? wie wird es weitergehen? Eine Reihe von Spezialkomitees wird bei uns jedes Jahr -ernannt, doch wird ihre Tätigkeit meist in die Logensitzungen verlegt. Es wird sich fragen, ob unter diesen Umständen nicht eine andere Art der Arbeitsteilung Platz zu greifen haben wird. Das gesellige Leben hat sich innerhalb der Loge nicht sehr stark entwickelt. Für gemeinsame Ausflüge und Brudermahle war die Mehrzahl der Btüder nicht zu haben und die Stiftungsfeste standen unter demselben Zeichen. Ob sich diese Formen der Geselligkeit überlebt haben? Ob in unserer Stadt sonst noch zu viel los ist? Man wagt nicht, zu - entscheiden. Viele liebe Gäste aus allen Gauen des Reichs haben uns besucht. Die Beamten dieses Termins hatten das Glück, vom hochwürdigen Grosspräs, in einer Sitzung installiert zu werden, die nicht nur die bestbesuchte war, sondern auch einen tiefen und andauernden Eindruck bei allen Brüdern hinterlassen hat. Frau Fürth aus Franklin! sprach vor vielköpfigem Publikum beiderlei Geschlechts über „die Frau an der sozialen Mitaibeit* und Rabbiner Günzburger aus Sulz über ..Cerf Baer und seine Zeit." Zahlreiche *"'?'* ' *- *" «" * " kleinere Referate über besonders aktuelle Themata wurden innerhalb der Logen gehalten, - wobei unser Marschall Dr. Grombacher die meisten Kosten bestritt. Nicht zu vergessen ist eine sehr sorgfältige und umfassende Dailegung über die Tätigkeit des Hilf*Vereins, diä uns Br. Grossschatzmeister Bei-gel gab, wodurch, er manches Vorurteil zerstreute. Der vorstehende Beiieht erhebt keinerlei Ansprach auf erschöpfende Vollständigkeit, denn es kann unmöglich jede kleinste Aeusssruüg die Allgemeinheit in den Logen interessieren. Uns lag lediglich daran, über unser Tun und unser Wollen wieder einmal einen kleinen Ueberblick iu die L)genönentlichkeit gelangen zu lassen. Friedrich-Loge in Heidelberg. Dieser Berieht umfasst unsere Tätigkeit im .Jahre 1905.~. .Am ersten Tage dieses Jahres konnten wir bei der Feier unseres lOjäkiigen Stiftungsfestes, wie der w. Piäs. Br. Dr. Pinkuss in einer sehr übersichtlichen und eindrucksvollen, die wichtigsten Ereignisse unseres Werdeganges enthaltenden Darstellung nachwies, mit Befriedigung auf eine mühevolle, aber nicht erfolglose Aibeitszeit zurückblicken. Die Festrede des inzwischen aus dem Orden ausgeschiedenen Herrn Regierungsbaumeisters Alfons Blum über „Gemeinwirtschaftliche Bestrebungen im Judentum", die mit recht mangelhafter Beweisführung zu einem unklaren Vorschlage, zu einer Art Assimilation gelangte, fand sofortige Zurückweisung ihrer Tendenz, indem der w. Präs., da eine Diskussion in Anwesenheit der Damen sich von selbst verbot, unserer abweichenden Meinung in seinem Schlussworte Ausdruck gab. In der Folge hat auch unsere Loge sich nach einer anregenden Debatte dieser Auffassung angeschlossen. Bei unserem Stiftungsfeste hatten wir das Vergnügen, Delegierte aller unserer benachbarten Logen und den w. Expiäs. Dr. Raff (Karlsbad) für die hochw. österr. Grossloge ihre Glückwünsche aussprechen zu hören. Als besondere Aufmerksamkeit empfanden wir die Entsendung eines Delegierten durch den mitteldeutschen Logenbund. Das darauf folgende Festmahl, dem ein Tanzvergnügen sich anschloss, nahmeinen anregenden .Ve> lauf und hielt uns mit unseren Gästen lange zusammen. * Dieses Jahr hat uns endlich die neuen Gesetze gebracht, unter deren wohlerwogenen Bestimmungen unsere Loge hoffentlich immer neuen Impuls zu segensreicher Arbeit brhält. Wenn auch die jeder Loge zu ihrem Gedeihen erforderliche Aufnahme neuer BBr. uns beinahe ganz gefehlt hat, so herrschte doch reges geistiges und. soziales. Leben. Die Greuel in Russland gaben sowohl am Anfang als am Ende dieses. Jahres die leider so unsäglich traurige Veranlassung, den Opfern dieser unerhörten Vorgänge sowohl aus Logenmitteln als durch eine allgemeine Sammlung, an der sich alle BBr. beteiligten, erhebliche Unterstützungen zu verschaffen. Hier mag hervorgehoben werden,, mit welch dankbarem Interesse wir den Bericht über das mannhafte nnd echt brüderliche Eintreten unseres Ordenspräsidenten für die verfolgten Glaubensbrüder in Russland beim Grafen Witte vernahmen, was