Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 2 - März
- Date
- 1906-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Nichtbrüdern erfreuten. Das Komitee für geistige Interessen entwickelte ebenfalls grossen Eifer. Es hielten sowoü Brüder unserer Loge, als auch auswärtige Brüder öffentliche Vorträge.- Ferner wurde auf Veranlassung des Vorsitzenden gen. Komitees Br. Rabb. Dr. Münz die Einrichtung einer Jugendbibliothek/beschlossen. Die nötigen Werke sind bestellt und werden wir über die Erfolge z. Z. berichten. Auch wurde für die grosse Bibliothek eine Reihe von Xeuanschaf fangen beschlossen. ' " Wenn am 25. d. Mts. die Veritas Loge in Zabrze installiert wird, so kann wohl die Humanitas-Loge für sich das Recht in Anspruch, nehmen, dieses Werk mit allen Kräften gefördert zu haben. Unsere Loge verliert - durch diese Gründung zwar 15 Prozent der Brüder, jedoch hat uns dieses nicht abgehalten, der neuen Loge die Wege zu ebnen und dem Orden eine grosse Anzahl neuer Brüder zuzuführen Wir wollen bestrebt seift, diesen unseren Verlust wieder wett zu machen und haben wir bereits in den letzten Monaten einige Brüder einführen können Dass anch die anderen Komitees in hervorragender Weise ihren Pflichten nach gekommen sind, wollen wir nur beiläufig erwähnen. Und so wünschen wir, dass es der Humanitas-Loge auch weiterhin gelingen möge, in jeder Beziehung der Ordens-Devise gerecht -zu werdeD. Lessing - Loge Breslau. Die Woh 1 f ahr t s-Einrichtungen, die der Lessing-Loge ihre Entstehung verdanken, zeugen von der sozialen Gesinnung, die unsere Brüder in den ersten beiden Decennieu des Bestehens der Lessing-Loge beseelt hat. Der Frauenverein der Lessing-Loge, der über seine Leistungen in diesen Blättern jüngst berichtet hat, wirktneben seiner sonstigen geselligen und humanitären Tätigkeit besonders segensreich durch die Ferienkolonie», die er Jahr aus Jahr ein aussendet. Bei der Begründung des hiesigen israelitischen Mädchenheims, sowie bei der des jüdischen Sehnest eVn heims hat die Lessing-Loge Pate gestanden; diese Institute werden noch jetzt mit grösseren Beiträgen von der Loge subventioniert, und eine grosse Anzahl von Brüdern gehört ihnen als Mitglied an. Mit der wachsenden Entwickelang unserer Loge stellte sich die Notwendigkeit ein, ein eigenes würdiges Heim für unsere Arbeiten zu errichten; seit Jahren erfreuen wir uns unseres imposanten Logenhauses, dessen monumentaler Aufbau nicht geringe Anforderungen an die Opferwilligkeit unserer Brüder gestellt hat. So ist es denn nicht zu verwundern, dass in den letzten Jahren die soziale Betätigung unserer Loge nach aussen hin ein etwas langsameres Tempo einschlagen musste; denn nach den Ausführungen unsere? jetzigen w. Präs. Br. S. M. Meyer: ,.müssen die Logen entsprechend den Grundprinzipien unseres Ordens selbstverständlich möglichst viel Wohltätigkeit üben, gegebenenfalls geschlossen gemeinnützige Unternehmungen unterstützen oder schatten, oder mit anderen gemeinsam gründen, also mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln eingreifen, sie sollen aber nicht den Ehrgeiz besitzen, an möglichst vielen Unternehmungen auf diesem Gebiet sich beteiligen oder solche ins Leben rufen zu wollen, sondern sie sollen vorsichtig und mit weitem Blick ihre Kräfte und Mittel abwägen, und über den Umfang derselben nicht hinausgehen, damit nicht, was sonst unausbleiblich, die einzelnen Brüder über ihr Können hinaus belästigt werden". So haben die w, Präs. der letzten Jahrgänge ihr Augenmeik darauf gerichtet, die Loge durch Vertiefung und Verinnerlichung unserer Arbeiten und durch den Ausbau unserer inneren Organisation zu fördern. Br. Präs. Dr. Goldschmidt betonte in seiner Amtsperiode 1903/1904 die Notwendigkeit des Zusammenschlusses und der Organisation der deutschen Juden. Unter den Brüdern unseres Ordens musste ja in erster Linie der Gedanke, dass gegenüber der mächtigen antisemitischen Agitation nur ein in sich geschlossener und gefestigter alle deutschen Juden umspannender Verband wirkliche Erfolge erzielen kann, feste Wurzel fassen. Dieses konnte betont werden unbeschadet des strikt durchgeführten Grundsatzes, jegliche politische Diskussion in unseren Sitzungen zu vermeiden. In diesen Termin fällt die Einberufung des Ostdeutschen Logen-Tages, der in zwei Sitzungen an einem heissen Sommertäge ein grosses Arbeitspensum erledigte; seine Verhandlungen sind den würdigen Schwesterlogen zugegangen. Eine wiederholte Einberufung war mangels aktueller und dringlicher gemeinsamer Beratungsgegenstände bisher nicht erforderlich. Im Jahre 1904 begründeten wir auch einen Altersversorguhgsfonds, welcher durch freiwillige Beiträge und Spenden der Mitglieder unterhalten wird. Br. Präs. B i 1 e w s k i (Termin 1904/05) nahm wiederholt Veranlassung zu betonen, dass innerhalb des Ordens" keine einzelne religiöse Richtung für sich ein Uebergewicht beanspruchen kann, dass das Festhalten au unserem angestammten Glauben die vornehmste PflichC jede3 Bruders ist, neben unbedingter Toleranz gegenüber allen konfessionellen Strömungen. — Unser Berichtsjahr 1905 wurde sehr festlich eingeleitet durch die Feier unseres 20. Stiftungsfestes am 15. Januar, das wir in Gegenwart des hoch würdigen Delegierten der Gross-Loge, Br. B e r g e 1, einer grossen Anzahl von Delegierten der würdigen Schwesterlogen aus Schlesien, Posen, Sachsen, Oesterreich zu begehen die Freude hatten. Vier neue Brüder wurden an diesem Tage durch den Präs. Br. B i 1 e w s k y in unseren Orden eingeführt. Der hochw. delegierte der Grossloge, Br. Bergel, hatte die Freundlichkeit, im Anschluss an die Einführungsrede des w. Präsidenten die Zeichenerklärung zu geben: Ausgehend von der Notwendigkeit der Formen für unser gewöhnliches Leben, deutete er in geistreicher Weise jedes einzelne Zeichen als Symbol für bedeutungsvolle Vorgänge in unserer altjüdischen Geschichte. Dann behandelte der 'räs. Br. Bilewsky die Bedeutung des Namens Lessings als Gegenstand seiner Festrede: „Bedeutet der Name Lessing schon für jedermann den lervorragenden Vorkämpfer der Toleranz in Wort und Tat, so hat er für die deutschen Juden ein ganz besonderes Gewicht. Umfasste sein edles Herz zwar die ganze Menschheit mit unerschöpflicher Liebe, so gaben das grössere Leid 4er Juden und. der tiefer gewurzelte Hass gegen sie uns Juden ein Vorrecht auf seine Wirksamkeit, und manche seiner edelsten Gedanken waren den in ans verkannten Rechten der lenschheit gewidmet. Zu einer Zeit, als noch die finstersten Vorurteile der Massen gegen uns herrschten, stellte er in seinen Werken die Duldung, Menschenliebe und Versöhnung der Religionen als Ideal menschlichen Strebens auf. Die Tendenz seines Lustspiels „Die Juden* schildert er selbst wie folgt: „Es war das Resultat einer sehr ernsthaften Be-