Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 2 - März
- Date
- 1906-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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-4 24 — Der hiesige Verein für Arbeitsnachweis hat im Monat Januar 1006 dauernd 400 und vorübergehend 45 Personen untergebracht, im Monat Februar 273 und 77 Personen. Bei der Propaganda für Errichtung neuer Logen wird nur zu häufig die Befürchtung geäussert, dass es unseren Glaubensgenossen verargt werden würde, wenn sie sich einer .jüdischen Vereinigung-* anschliessen. die Andersgläubigen könnten darin eine absichtliche Absonderung erblicken, die soziale Stellung der Begründer neuer Logen müsste Schaden erleiden. Wenn schon in den Propagandaversammlungen nachgewiesen wird, wie derartige Bedenken noch nirgends wo Logen gegründet worden, eine Bestätigung gefunden haben, so erscheint es dennoch angebracht, des weiteren darzutun, wie wenig berechtigt derart geäusserte Bedenken sind. Am besten wird das wohl dadurch bewiesen, dass des öfteren Mitglieder unseres Ordens eine ehrenvolle Auszeichnung erfahren. Demgemäss^wollen wir, soweit darüber Informationen an uns gelangen, derartige Auszeichnungen zur Kenntnis der Brüder bringen. Im Laufe weniger Monate sind dw ,Ex-Präs. Benjamin Hirsch-Halberstadt und Julius Wagner von der Deutschen Reichs-Loge Kommerzienräte geworden, Br. Wagner erhielt kurz vorher das Persische Konsulat;Expräsident Br. Jacob söhn von der Ostpreussischen Loge in Osterode wurde zum Stadtrat erwählt, eine Auszeichnurg. die in der dortigen Gemeinde seit einer langen Reibe, von Jahren keinem Juden zuteil geworden ist und dem Landtagsabgeordneten Justizrat B r. W o 1 f f - L i s s a, Präsident der Raphael Kosch-Loge daselbst ist der Rote Adlerorden verliehen worden. Xeben dem Zweckr den wir mit der Veröffentlichung derartiger Mitteilungen wie vorstehend skizziert verfolgen, sind wir gewiss, dass alle unsere Mitglieder durch die Auszeichnungen, die den namhaft gemachten Brüdern zuteil geworden, erfreut sein werden, besonders wo es sich um Mitglieder des Ordens handelt, die sich um denselben besondere Verdienste erworben haben. Mehr Leben! Ein offenes Woxt. Zu den mancherlei Dir gen in unserem Ordenswesen, die meines Erachtens einer durchgreifenden zeilgemässen Umgestaltung bedürfen, um das Interesse der jüngeren Generation am Orden wachzuhalten und zu stärken, rechne ich zuvörderst unsere Monatsberichte. Dass diese in ihrer jetzigen Verfassung wenig befriedigen, dürfte kaum zu bestreiten sein. Liegt sonach eine zwingende Notwendigkeit zu einer Reform vor, so dürfte es auch nicht schwer fallen, die geeigneten Mittel zu ihrer Verwirklichung zu finden. Welche Bestimmung haben denn die Monatsberichte? Offenbar eine doppelte: nämlich als deutsches Zentral-Organ des Ordens einen Ueberblick über die Tätigkeit des Ordens in seinen verschiedenen Verfassungsweisen zu geben; sodann aber — und hierin erblicke ich ihre vornehmste Aufgabe — durch den Abdruck gehaltvoller Aufsätze fortdauernd einen geistigen Connex unter den Brüdern des Distrikts herzustellen. Bisher ist meines Erachtens wohl ganz überwiegend der ersteren rein referierenden Aufgab" Rechnung getragen worden, während die zweite Zweckbestimmung nicht die genügende Beachtung gefunden hat. Deshalb wird das Interesse an den Monatsblättern reger werden, wenn der refeiierende Teil verkürzt, der literarische'Teil erweitert wird. Im einzelnen erlaube ich mir folgende Vorschläge der öffentlichen Diskussion zu unterbreiten : 1. Die Monatsberichte — deren Drucklegung In deutschen Lettern vorzuziehen wäre — werden äusserlich in zwei Teile gesondert. In dem ersten — offiziellen — Teil werden wiedergegeben die Berichte der Grossloge und der Einzellogen, in möglichst gedrängter Fassung, zumal bei Festberichten und ähnlichen häufig wiederkehrenden Anlässen. Der zweite — literarische — Teil soll bestimmt sein für Fabrikationen seitens aller Brüder, welche hierzu berufen sind. Jede einzelne Veröffentlichung möge einen gewissen Umfang nicht überschreiten, sodass möglichst in jeder Nummer mehrere Aufsätze abgedruckt werden können. 2. Zur Entlastung des Redaktions - Komitees und zur Beschaffung reichlichen Materials soll es den Präsidenten der einzelnen Logen obliegen, mit geeigneten Brüdern der Loge in Fühlung zu treten und sie zur Einsendung der Aufsätze zu veranfassen. Ich glaube zuversichtlich, dass dadurch der Kreis der Mitarbeiter wie es durchaus wünschenswert ist, erheblich vergrössert werden und der Inhalt der Beiträge abwechslungsreicher werden wird. ' - Auf dem vorgeschlagenen Wege dürfte es vielleicht auch gelingen, einzelne Nummern der Monatsberichte nur mit Beiträgen von Brüdern einer Loge zu versorgen, sodass gegebenenfalls ein ganzes Heft als Publikation der betreffenden Loge bezeichnet werden könnte. Auf diese Weise , wäre es möglich, einen gewissen geistigen Wettbewerb unter den einzelnen, zumal den grösseren Logen hervorzurufen. 3. Die in dem literarischen Teil veröffentlichten Aufsätze sollen lediglich die privaten Ansichten der betr. Verfasser zum Ausdruck bringen, so dass also die Grossloge keinerlei Verantwortung übernimmt unbeschadet natürlich der pressgesetzlichen Haftung des Redaktions-Komitees. M. a. W.,.es soll dieser literarische Teil eine Art Sprechsaal bilden für den Austausch der einzelnen Meinungen. Damit soll auch eine grössere Freiheit gewährleistet werden in der Besprechung der uns beschäftigenden Fragen. Gerade im Hinblick auf einen neuerlichen, viel besprochenen Fall erscheint es mir angebracht, darauf hinzuweisen, dass in unserem Orden die verschiedensten Geistesrichtungen vertreten sind. Nun kann man billigerweise von einem Br. der einer freien Anschauung huldigt, nicht verlangen, dass er diese bei einer Veröffentlichung in diesen Blättern verleugne. Darum darf wohl eine grössere Toleranz auch gegenüber freieren Anschauungen erwartet werden unbeschadet der selbstverständlichen Norm, dass durch die Beiträge kein Aergernis gegeben werden darf! . [ Zeigten die Berichte in ihrer bisheriger Form eine gewisse ermüdende Gleichförmigkeit, so ist zu hoffen, dass unser Zentralblatt in seiner neuen Gestalt unter Beihilfe weiter Kreise von Brüdern durch regen Austausch von Meinungen und Gegenmeinungen von einem frischeren Zuge in unserem Ordensleben Kunde gegeben wird.