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Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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weil wir hier die Zeit, bis zu welcher sie wieder genesen sind, nicht übersehen können. . . loh glaube, dass ich ziemlich erschöpfend alle die Einwendungen, die gemacht worden sind, vorgebracht habe. Ich weiss allerdings nicht, ob es mir gelangen ist, alle Einwände, so, kritisch ich sie beleuchtet nabe, Ihrem Ermessen nach richtig darzustellen. Eine Anzahl Logen beschäftigt sich mit dem Jubiläumsgedanken dahin, dass noch andere Dinge einzurichten wären, die ebenfalls auf dem Boden unserer Tendenz erwachsen. So kommt wieder einmal die alte Tendenz zum Vorschein, die wohl noch eine ganze Reihe von Jahren durchgehen wird: Wozu in die Ferne schweifen, sieh, das Elend liegt so nah. Immer ist die Sorge vorhanden, was soll aus unseren alten Brüdern werden. Ich teile diese Sorge vollkommen, und wenn irgend einer durchdrungen ist von der Idee, dass wir eine schwere Sünde begehen, wenn wir nicht für unsere alten Brüder sorgen, dass es notwendig ist, für sie einzutreten, so bin ich es. Ja, ich gehe soweit, dass wir für die alten Brüder einstmals werden sorgen müssen, um dann nachher mit desto grösserem Gewicht an Wohlfahrtseinrichtungen für die Allgemeinheit zu gehen, dass wir dann mit einem freieren Kopfe für die Allgemeinheit herantreten können. Aber sollen wir noch einmal das Auf und Nieder der Meinungen durchkämpfen, einen Riss in unserem Distrikt schaffen — und dass ist garnicht zu vermeiden — wenn wir auf die Durchführung eines derartigen Planes stark dringen? Es war schon sehr schwer zuvermeiden, dass vor 2 Jahren eine Spaltung eingetreten wäre. Vor allem müssen wir das berücksichtigen, dass wir die Einheit unseres Distriktes nicht durchbrechen lassen, und dass mag die Zukunft unseres Distriktes immer beherzigen, wenn es mir nicht mehr vergönnt sein sollte, von dieser Stelle aus zu Ihnen zu reden. Wenn wir also auch mit schwerem Herzen davon abstehen müssen, für unsere Brüder zu sorgen, so müssen wir allmählich die anders Denkenden zu überzeugen suchen, dass wir auch mit unserer Idee eine brüderliche Pflicht erfüllen. Hier muss uns also die Zeit helfen, und sie wird uns auch helfen. Andere Anträge beschäftigen sich damit, dass sie sagen, wir sollen an diesem Tage grössere Institutionen mit grösseren Summen unterstützen, so alle die Institutionen, die bereits etabliert sind, und vor allen Dingen diejenigen, die sich mit der Behandlung Nervöser befassen, so die Heilstätten in Sayn, in Ems u. s. w. Ich meine, das können wir tun, heute, morgen, ein anderes Mal mit Summen, die uns zur Verfügung stehen, die wir abstossen können. Aber das gerade am Jubiläumstage zu machen, das halte ich für zu kleinlich. Nun ist auch der Deutsch-Israelitische Gemeindebund an uns herangetreten, ihn zu subventionieren. Wir werden das sehr gerne tun mit den Mitteln, die wir haben, und wenn uns das probabel erscheint. Ein anderes, was sehr wohl zu beachten ist, ist von Köln ausgegangen, dahingehend, dass wir ein Krüppelheim schaffen sollen. Nun wissen Sie ja auch aus der Statistik, dass die Gebrechen bei den Juden im Verhältnis zu ihrer Gesamtzahl stärker sind als bei den Nichtjuden. Wir haben mehr Taubstumme, wir haben mehr Blinde; es ist aber zweifelhaft, ob eine so grosse Zahl von Krüppeln in den mittleren und armen Schichten der jüdischen Bevölkerung vorhanden ist, dass dafür ein eigenes Gebäude . errichtet werden soll. .Das Krüppelheim in Nowawes ist auch nicht beständig voll, obgleich es sich rekrutiert aus der ganzen Provinz Brandenburg. Es müsste in der Tat darüber erst eine Enquete angestellt werden, ob so viele jüdische Gebrechliche vorbanden sind. In diesem Jahre hat ja eine Volkszählung stattgefunden, und es ist auch eine Rubrik Aber die Gebrechlichen auf den Zählformularen vorhanden. Ich werde es mir angelegen sein lassen, den Verband für Statistik der Juden für diese Frage zu interessieren. Aber gestatten Sie mir einen Einwand. Die jüdische Familie hängt mit ihren Kindern innig zusammen/ und gerade die Kranken, gerade die Schwachen, gerade die Gebrechlichen werden ganz besonders gern in der Familie behalten. Man umgibt sie mit grösserer Zärtlichkeit, mit viel grösserer Liebe, das werden Sie überall sehen, wo Sie dergleichen Dinge zu sehen bekommen. Man trennt sich sehr schwer von diesen Kindern und fürchtet, dass man ihnen nicht so zur Hand gehen würde in einer Anstalt wie in der Familie. Und nun bedenken Sie noch weiter, dass die neuere Tendenz über Kindespflege und Waisenpflege dahin gehl, die Kinder nicht, in öffentliche Waisenhäuser zu~ stecken, sondern vielmehr in die Familien unterzubringen. Und das ist natürlich, denn das Kind ist ein natürliches Produkt der Familie, es ist mit der Familie eng verwachsen, ist auch in der Familie sehr leicht lenkbar gegenüber einem Waisenhause, wo die Kinder aus den verschiedensten Elementen zusammengebracht werden und schädlichen Einfluss auf einander auszuüben vermögen. Die Individualität des Kindes wird auch in der Familie besser gewahrt, es kann nach seinen Anlagen, nach seinen Eigenschaften, nach seiner Gesündheifin der Familie besser erzogen und verwertet werden als in dem Waisenhause. Daher die neuere Richtung in der Verwaltung der städtischen Gemeinden, die Kinder in die Familien hineinzugeben. Wenn die Kölner Loge dies erfahren haben wird, wird sie wohl auch davon abstehen, das Krüppelheim als Jubiläumsstiftung zu empfehlen. Es ist ferner der Wunsch geäussert worden, der' Orden möchte als Jubiläumsstiftung ein Waisenhaus für die Kinder verstorbener Brüder schaffen. Sie sehen, es geht immer wieder darauf hinaus, die Versorgung der eigenen Brüder und ihrer Angehörigen zu veranlassen. Das wäre so ungefähr .das, was bisher über die Jubiläumsstiftung diskutiert worden ist. Ueber die Aufbringung der Mittel war man. sehr skepfisch und zwar aus zwei Gründen. Einmal glaubt .man nicht, dass diese Mittel so rasch da sein' werden, dass man vielleicht schon am Jubiläumslage mit der Grundsteinlegung vorgehen könnte. Indessen sind doch einige Optimisten da, welche glauben, an das gute Herz der Brüder nicht vergeblich zu appellieren. Aber ein weit wichtigerer Grund zum Skeptizismus liegt in den augenblicklichen Zeitverhältnissen. Wir alle stehen unter dem Drucke der traurigen und entsetzlichen Ereignisse, die sieh in Russland gegen die Juden abgespielt haben, und ich glaube mit Recht annehmen zu können, dass das Interesse für die russischen Juden noch so gross ist, dass daneben eine andere Sache, mag sie noch so gut sein, schwer Eingang finden dürfte. Die Mittel, die von, Deutschland nach Russland geflossen sind, sind so grossartige, so herrliche Erscheinungen, und ich glaube, dass diese Anspannung der Kräfte für die Russen noch nicht nachgelassen hat, dass

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