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Bericht der Großloge für Deutschland · 1906-01-01 · Nr. 1 - Januar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1906
Issue
Nr. 1 - Januar
Date
1906-01-01
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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— 3 1 Ein anderer allgemeiner Gesichtspunkt geht dahin, dass die Brüder sich sagen, wozu wollen wir uns heute den Kopf zerbrechen, sammeln wir erst Gelder, und, wenn das geschehen, wollen wir sehen, was wir damit anfangen. Das ist sehr schön gedacht, und die Logen, die das beschliessen, mögen von dem besten Willen beseelt sein, und würden sicher nicht zurückstehen, wenn nun diese Ansicht zum Beschluss erhoben würde. Man sammelt aber nicht gerne auf etwas Ungewisses hin. Jeder will eine Unterlage haben für das, wozu er geben soll. Also ich meine, auf dergleichen! vage Dinge dürfen und können wir uns nicht einlassen. Wir würden mindestens dieselben Einwände dagegen haben, wie wir sie jetzt dagegen haben, dass etwas Bestimmtes ins Werk gesetzt werden soll. Eine Loge versteigt sich sogar zu der wahrhaft grotesken Idee, wir sollen 25 Jahre blos sammeln und am 5G. Stiftungstage^ wenn wir erst die Million haben, wollen wir beschliessen. Ich weiss nicht, ob der Vorschlag ernst zu nehmen ist. Das heisst, eine Vertagung der Sache ad calendai graecas, und ich möchte kein schlechter Prophet sein, wenn ich sage, dass im dritten Jahre die BBr. sagen werden, es ist genug gesammelt, wir wollen nun endlich Taten sehen. Eine dritte Richtung geht dahin, dass man sagt, wir allein sind zu schwach, um so etwas zu errichten. Die Dinge erfordern viel Geld, grosse Summen, die wir nicht allein aufbringen können. Wir müssten uns deshalb mit anderen grossen Verbänden vereinigen und dieses zusammenleisten. Das ist sehr schön gedacht, aber keine von den Logen sagt uns, mit wem wir uns verbinden sollen. Ich möchte doch diejenigen fragen, die auf dem Gebiete der Wohlfahrtspflege bewandert sind, dass sie mir frank und .frei sagen, mit wem wir uns vereinigen sollen. Eine einzige Loge weist auf den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund hin, indem sie sagt, -der Gemeindebund ist auch in manchen Dingen an uns herangetreten. Er hat jetzt einen Plan ausgearbeitet, wir sollen ihm eine Subvention geben zur Errichtung eines Heims für jüdische schwachsinnige Kinder. Wenn dieses einzige Institut, an das wir uns halten sollen, uns angeht mit einer Subvention, wie würde das aussehen, wenn wir nun unsererseits an den Gemeindebund herantreten und sagen; wir beide wollen uns verbinden. Ausserdem fristet, aufrichtig gesagt, der Deutsch- Israelitische' Gemeindebund ein ziemlich kärgliches Dasein trotz seiner mehreren Tausend Mark, die er in seiner Kasse hat. Diese darf er auch nicht ausgeben, sondern muss sie sich halten als Grundstock für die Leistungen, die er zu erfüllen hat. Nun erlaube ich mir zu bemerken, dass wir vielleicht an die Gemeinden selbst herangehen. Es gibt ja grosse, reiche Gemeinden, ich erinnere nur an Berlin selber, an Frankfurt a. M., Hamburg, Köln, München und andere wohlsituierte Gemeinden. Nun möchte ich aber die Gemeinde kennen lernen, die auf ein blosses Projekt, auf einen blossen Bauplan hin, und wenn er noch so planmässig ist, von vornherein sagt, das gefällt uns und da beteiligen wir uns. Vielleicht würde manche Gemeinde uns helfen, indem sie sich sagen würde, wir stossen dadurch viele Kranke von unserer Gemeinde ab, die wir sonst von Gemeinde wegen verpflegen müssten. Das würde aber bald durchsichtig werden. Ganz anders würde sich die Sache gestalten, wenn wir erst den Bau hätten, wenn die Einrichtung gut funktioniert und die Erfolge da wären. Dann würde es auch kein Fehler sein, wenn wir uns an die Gemeinden wenden. Und jetzt der ideale Gesichtspunkt! Sollen wir, die wir stolz darauf sind, 25 Jahre lang aus kleinen Anfängen heraus, aus geringem Ursprung das zu sein, was,wir sind, die wir einen herrlichen Bau aufgebaut haben, dass unser Name in allen Weltteilen diesseits und jenseits des1. Meeres'einen guten Klang hat, sollen wir nun an diesem Ehrentage quasi betteln gehen? Schickt sich das für uns? Entwürdigen wir uns nicht selber und werden wir deswegen nicht ausgelacht werden? Wird man uns nicht fragen, wo, ist eure Kraft, eure Macht? Können wir den Plan nicht allein ausführen — und das müssen wir prüfen — nicht mit der nötigen Begeisterung, nicht mit idealer Tatkraft an die Sache herangehen, dann lassen wir die Hand davon, dann müssen wir schweigen. Aber wenn wir es können, wenn wir die erforderlichen Mittel aus unserer eigenen Kraft aufbringen können, dann sollen wir nicht Hilfe suchen. — Eine andere Richtung geht dahin,-dass gewünscht'wird, dass die Anstalt nur für Unbemittelte sein soll. Es hat das eine gewisse Berechtigung. Mancher glaubt, dass das dem guten Herzen der Logen mehr entspricht, indem sie sagen, eö entspricht nicht dem Idealismus unserer Anschauungen, das wir für unsere Wohltaten Geld nehmen und, wenn wir es nicht können, wollen wir es lassen. Nun, das können wir noch nicht, das dürfen wir auch nicht angesichts der Elemente, die ich mir erlaubt habe, vorhin zu skizzieren. Wo haben Sie auch eine Wohlfahrlseinrichtung, wo irgend ein Heim, Krankenhaus öder Genesungsheim, wo alles unentgeltlich geliefert Iwird? In Berlin gibt es das nirgends. Zu einer sogenannten Armeninstitution wollen wir auch die Anstalt nicht machen und wir schalten dadurch diejenigen Elemente aus, denen es vielleicht — und ich lege darauf einen grossen Nachdruch .— not wendiger tut und wo wirklich bessere Erfolge erzielt werden wie bei den ganz Armen. Denn wenn ein ganz Armer vier Wochen lang in einer Genesungsstätte gewesen ist, was wird aus ihm, wenn er die Anstalt wieder verlässt? Er kommtin dieselbe Misere wieder iiinein, die er verlassen hat, und nicht vier- ■# * ''*'■_,.■• zehn Tage vergehen, und der ganze Rückfall in voller Stärke ist wieder eingetreten.. Bei den anderen Kranken ist das nicht zu befürchten; die Erkenntnis, das er nun wieder imstande ist, für seine Familie zu sorgen, wird ihn heben und anspornen. Diesef Art Leute sind auch in der Tat etwas intelligenter. Sie verstehen die Massnahmen, die iq solchen Heilstätten geübt werden, sie verstehen das für später, wenn, sie frei sind, zu benutzen. Das sehen wir auch jetzt an allen Kranken, welche aus diesen oder noch besseren Familien stammen und in solche Anstalten kommen, dass sie das eine gelernt haben, dass es nicht schlimm steht mit diesen Krankheiten; sie haben dort gelernt, dass es nervöse Krankheilen sind, , da'ss diese Krankheiten durch ihren Willen wohl zu überwinden sind, und lernen. dort den Wiljen stärken. — Dann;'ist eine-Loge resp. ein Bruder' auf die Idee gekommen, dass er sagt, den Nervenkranken wollen wir helfen, das ist notwendig, und eine Heilstättenbehandlung ist absolut notwendig, aber wozu ein eigenes Haus bauen? Belegen wir doch in irgend einem der jüdischen Krankenhäuser ein Bett oder ein paar Betten und reservieren sie für unsere Kranken. Zunächst wird ein

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