Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1906
- Issue
- Nr. 1 - Januar
- Date
- 1906-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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•2 richten. Der Betrieb darf aber niemals auf variable Beiträge gegründet sein. Ein gewisser grosser Teil der Betriebskosten muss durch die Verzinsung eines Kapitals gedeckt werden denn es Ist nichts unangenehmer als das ewige Betteln um Beiträge. Wie bei allen Unternehmungen ist im ersten Moment der Feuereifer für die Idee so mächtig, dass die Beiträge sehr gut fliessen. Aber die Erfahrung lehrt, dass von Jahr zu Jahr die Beiträge abnehmen, und mar* kann bereits bald übersehen, in welchem Jahre das D«fizitv eintreten wird. Dem muss man vorbeugen: denn eine solche Angst inbezug auf die Betriebskosten lähmt den ganzen Betrieb. Es verliert der Arzt die Lust, die Wärter die Lust, es verliert das Kuratorium die Lust, und dem muss man vorbeugen. Das Komitee ist sich dahin schlüssig ge< worden, dass es ein Grundkapital von 300 000 Mark haben muss. Die Zinsen dieses Kapitals würden aber noch nicht ausreichen, doch glaubt das Komitee, dass einmal durch die Beiträge, und zweitens durch die Rückerstattungen der Pflegegelder die Unkosten gedeckt werden würden. Wir sind der Meinung, dass eine solche Anstalt nicht nur für Unbe , mittelte allein gegründet werden sollte. Ich glaube noch einmal betonen zu müssen, dass es wirklich heutzutage keine Not mehr um die Armen wie vor •20—25 Jahren ist, dass aber die kleinen Leute des Mittelstandes in ausserordentlich schwerer Bedrängnis leben und dass sie nicht gewillt a sind, sich aus öffentlichen oder privaten Mitteln unterhalten zu lassen. Sie sind aber nicht imstande, die grossen Kosten, welche eine Unterbringung und Verpflegung in der Anstalt erfordert, die sich ja immerhin auf einige Zeit ausdehnt, zu leisten. Es ist eine Notwendigkeit, diesem Mittelstande aufzuhelfen, ihnen zu sagen, dass man nur die Selbstkosten von ihnen will. Das sind Dinge, die sie gerne aufbringen, und es schafft ihnen doch die Befriedigung, selbst etwas für die Familie tun zu können. Der Arme wird mit der Zeit indolent gegen diese Art der Selbsttätigkeit. Aber der Mittelstand will das nicht; er ist noch nicht herabgesunken, er hält noch viel auf Selbständigkeit, er hat noch einen gewissen Stolz, und den muss man nicht unterdrücken. Man muss ihnen das Gefühl lassen, dass sie, soweit sie können, irgend einen Beitrag für ihre Familie leisten. Unsere höchste soziale Idee, der wir nachgehen müssen, liegt doch in dem Grundsatz, den Wankenden und Schwachen so durch irgend eine Wohlfahrt zu stützen, durch irgend eine Guttat, dass er aus eigener Kraft sich weiter forthelfen kann. Damit erheben wir ihn zu einer idealen Höhe der Menschheit, und das Schlimmste, was wir in sozialer Beziehung tun können, ist, ihn in seinem inneren Halt herunterzudrücken, ihn in eine Sphäre zu bringen, wo er am Boden liegend alles über sich ergehen lassen muss. Aus diesem sozialen Gesichtspunkt müssen wir darauf halten, dass gewisse Kreise, die etwas leisten können, auch zur Leistung herangezogen werden. Und dann vergessen wir nicht: jede Wohltat, jede Guttat, die man den Menschen erweist, hat Wert, wenn sie entgeltet wird, wenn man sich darum bemühen, wenn man ein Aequivalent für eine Leistung geben muss. Wer aber gewohnt ist, immer nur Geschenke anzunehmen, würdigt die Geschenke auch gar nicht darnach und glaubt, es liege nicht viel daran. Wie hat sich nun das Komitee die Aufbringung der Mittel vorgestellt? Es wird ein für alle Mal davon abgesehen werden, dass zur Aufbringung der Bausumme und des Grunderwerbs irgendwie eine Besteuerung der Logenmitglieder stattfinden soll. Das Komitee ist der Ansicht, dass die Besteuerung einzelner Mitglieder pro Kopf und Jahr auszuschließen sei. Wir sind zu der Idee gekommen, dass es sich wohl verlohnt und dass es wohl gangbar ist, den Weg einzuschlagen, dass Logen, die über eine grosse Anzahl von Mitgliedern verfügen, wo eine grosse Anzahl vermögender Mitglieder vorhanden ist, oder aber auch potente Logen mit .kleinerer Mitgliederzahl ein Freibett stiften. Ein solches Freibett würde sich ungefähr auf 12—15003 Mark stellen. Dafür würden also die Logen oder die Verbände von Logen, wenn mehrere zusammengehen, dass Recht haben, dieses Freibett mit Patienten nach ihren Vorschlägen zu belegen. Kleineren Logen, die nicht gerne mit anderen Logen zusammengehen möchten, die gerne ihr eigenes Scherflein beitragen und auch dafür angesehen sein wollen, soll es gestattet sein, ein halbes oder ein viertel Freibett zu stiften mit derselben Berechtigung, für ein halb oder ein viertel Jahr einen Patienten dortbin zu legen. So denken wir, dass es wohl möglich sein wird, die 300000 Mark als feste, dauernde Grundlage aufzubringen. Die übrige Summe würde sich leicht durch Beiträge, Stenden, Geschenke und durch Rückzahlung der Pflegekosten aufbringen lassen. Das ist das Rückgrat, der Rahmen des Projektes, das ich Ihnen als einen Extrakt aus der Sitzung vorbringe. Aber ich würde eine Unterlassungssünde begehen, wollte ich nicht alles das hier mitteilen, was für und gegen diesen Plan vorgebracht worden ist. Vielleicht ist es dadurch möglich, die Diskussion auf eine Basis zu bringen, dass nicht fortwährend dieselben Dinge vorgebracht werden. Ich will die Einwände nach allgemeinen und nach speziellen Gesichtspunkten klassifizieren. So ist ein Bruder bemüht, mit grossem Aufwand vipn Gründen offene Türen einzustossen, indem er sagt, es existiert gar kein Beschluss, dass eine Jubiläums-Stiftung stattfinden soll. Er stützt sich dabei auf die Beschlüsse vor 2 Jahren, wonach alle derartigen Beschlüsse abgelehnt worden sind, und glaubt, dass wir kein Recht haben, noch einmal auf die Jubiläumsstiftung zurückzugehen. Nun, das wissen wir Alle, dass der Beschluss, jede Errichtung von Jubiläumsstiftungen zu unterlassen, gefasst worden ist. Das schliesst jedoch nicht aus, dass man nach 2 Jahren auf derselben Basis eine neue Idee fassen kann. Ich kann mir nicht denken, dass irgend ein Beschluss jetzt gefasst werden soll zur Ausführung eines Planes, der nicht mit dem Jubiläum zusammenhängt. Wir würden uns geradezu lächerlich machen, wenn wir diese Dinge so nebenbei behandeln. Wir würden uns zurücksetzen in unserer eigenen Achtung, in unserem eigenen Denken über unseren Orden, wenn wir nun etwas gründen wollen und sagen, das Jubiläum geht uns gar nichts an. Ich sehe auch nicht ein, weshalb eine solche Idee nicht von einem weniger informierten Forum an ein besser inormiertes gebracht werden soll. Wir sehen es ja in der Öffentlichkeit ebenfalls, dass Gesetze, welche die Billigung der gesetzgebenden Körperschaften nicht erlargen, nach kürzerer odet längerer Zeit noch einmal an die Oberfläche kommen mit Veränderungen und unter Berücksichtigung derjenigen Wünsche, die früher geäussert worden sind.