Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 9 - Dezember
- Date
- 1905-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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der wttrd. Gross-Präs, in der 94. Sitzung des General- Comites, dass 50 Logen mit 4752 Brüd. Stellung genommen haben. An der Abstimmung seien 1753 Br. betheiligt, dafür 1125, dagegen 572 — Ein gutes Drittel der Abstimmenden war demnach dagegen; man kann nach diesen Zahlen getrost' sagen, dass der Antrag auf Gründung eines Jubliläum Fonds nicht gerade mit elementarer Begeisterung aufgenommen worden ist. Das kam in noch weit Überraschenderer Weise zum Ausdruck in der Grosslogen-Tagung vom 4. Mai 1902 Dort waren 52 Logen mit 72 Repräsentanten vertreten — es darf also als sicher gelten, dass hier die Meinung des gesamten 8. Distrikts voll zum Ausdruck kam. Die höchst beachtenswerten Vorgänge auf dieser Tagung schildere ich nach dem Grosslogenbericht vom Juni 1902 (Seite 68): „Den hauptsächlichsten Gegenstand in der reichhaltigen Tagesordnung bildete zweifellos die Frage der Jubiläums-Stiftung; die Verhandlungen wählten von 9V2 bis l1/» Uhr etc. etc. Doch ergaben die Abstimmungen ein völlig negati ves Resultat. . „Die Frage: „Soll ein Jubiläums-Fond gegründet werden?", wird mit 38 gegen 24 Stimmen bejaht, die zweite Frage aber, ^ob der Jubiläums-Foud der Allgemeinheit dienen soll", mit 34 gegen 34 Stimmen abgelehnt. Da sich eine Majorität für den Zweck des Jubiläum-Fonds nicht gefunden hatte, wurde der Beschluss auf Schaffung eines Jubiläum-Fonds mit grosser Majorität in Wiedererwägung gezogen und der erneut zur Abstimmung gestellte Antrag auf Bildung eines Jubiläum-Fonds mit 68 gegen 3 Stimmen abgelehnt." i ' Xicti dieser in mehr als , einer' Beziehung denk- und merkwürdigen Ablehnung des Jutiläum-Fonds tritt tiefe Ruhe ein. Eine Grabesstille herrscht in der Angelegenheit, die vorher durch 11 Monate Gegenstand eifriger Controverse war. Selbst der Grosslogentag, der am 6. und 7. Febr. 1902 in Berlin zusammentritt, gedenkt ihrer mit keiner Silbe. Der Staub der Vergessenheit liegt auf ihr durch dreieinhalb'Jahre, bis plötzlich im September 1905 die Grossloge die einzelnen Logen auffordert, sich an der Hand zweier Referate mit der Frage der Errichtung einer Heilanstalt für jüdische Nervenkranke als Jubiläum-Stiftung zu beschäftigen. Aus dieser Darlegung geht klar hervor, dass ein Beschluss auf Schaffung einer Jubiläum-Stiftung nicht besteht. Auch dass die hochw. Grossloge nicht legitimiert ist, die Zustimmung der Logen zur Errichtung eines Jubiläum-Fonds als gegeben anzunehmen, ist unbestreitbar. Muss darum schon aus formalen Gründen ein neuer Beschlüss zur Sache herbeigeführt werden, so fällt ausserdem in die Wagschale, dass seit Mai 1902 ca. zwanzig neue Logen gegründet worden sind, die sich zu dieser Frage überhaupt noch nie geäussert haben. Zu berücksichtigen ist ferner, dass auch die alten Logen ein Recht haben, in dieser Frage wieder gehört zu werden, denn vor Jahren haben sich nur 20 °/o der 5600 Br., die der Orden jetzt in Deutschland zählt, für den Fonds ausgesprochen. Man könnte nun einwenden, damals sei vielen Brüdern der Zweck des Fonds nicht sympathisch gewesen. Darauf lässt sich erwidern, dass die Abstimmung am 4. Mai 1902 mit ihren 3 Phasen deutlich zeigt, wie wenig Wärme überhaupt für eiuen Jubiläumsfonds vorhanden war. Ich glaube auf objectivem Böden zu bleiben, wejjin ich weiter anführe, dass die Aufwendungen für soziale Zwecke im Budget vieler Brüder eine solche Höhe erreicht haben, dass sie in Anbetracht der bedeutenden Summen,- die gerade in den letzen 2 Jahren für Russland aufzubringen waren (die Br. der Karl-Friedrich-Loge_sind bei der letzten Sammlung mit 9000 Mark beteiligt) nicht gewillt sein dürften, irgend ein neues Unternehmen zu begründen, das für Jahre hinaus eine bedeutende finanzielle Anspannung der Logen zur Folge haben würde. Aus all diesen Gründen muss zunächst den Logen Gelegenheit gegeben werden; darüber abzustimmen, ob und in welchem Umfange Mittel für, einen Jubiläums-Fonds bewilligt werden sollen. Dann, erst kann über deren beste Vei Wendung nach den Vorschlägen .faß General-Comites beschlossen werden. Dieses hier empfohlene klare Vorgehen wird - dem General-Comite viel Mühe und Arbeit sparen, und ich stelle darum nochmals anheim, diese Anregung der Karl-Friedi ich- Loge bei den Beratungen zu. berücksichtigen. >"' ■! * -'' ■ ' f Zur Frage der Errichtung einer jüdischen Irrenanstalt. Von Br. Dr. Kalmus-Hamburg. Bei meinem Vortrage [in Bremenj versuchte ich, meine irrenärztlichen Erfahrungen,.• soweit;.sie jüdische Kranke betreffen, gemeinverständlichydarzustellefn; ich fand wertvolle Unterstützung für meine Forderung u. a. bevdem anwesenden Präsidenten der Esra-Loge, Br,;Dr. Adler,feinem ärztlich hervorragenden Praktiker, Vie - bei. dem Br. Rabb. Dr.% Rosenack, der in seiner umfassenden Fürsorgetätigkeit seit Jahren den Mangel einer jüdischen].Irrenanstalt beklagt und für eine solche gewirkt hat. Ich ahnte nicht, dass von ärztlicher Seite dagegen Einwände^erhoben werden könnten. Br. Dr. Maretzki bekämpft den Vorschlages äusseren und aus iuneren Gründen. Vor allem _meint_er, jlass tdie Logen nicht „reich genug" sind, „um jeUt schon grosse umfangreiche Anstalten zu begründen". -Dem stimme ich bei, soweit der Antrag der Frankfurt Loge gemeint ist, die sowohl eine Nervenwie eine Irrenheilanstalt fördei t, also eine Kombination des Maretzkischen Vorschlagesrnit dem meinigen. Das würde allerdings den Bau zweier, mit völlig verschiedenen Einrichtungen ausgestatteter, nur räumlich bei einander gelegenen Institute bedeuten, wofür, fast die doppelten Kosten aufzuwenden wären. Anders ist der " zweite Einwand des t^r. Maretzki zu-beurteilen, der darin gipfelt, dass „wir doch etwas aus eigener Kraft schaffen sollen ' und j „das.schliefst doch vollkommen aus, dass wir uns an andere, ausserhalb des Ordens stehende Behörden üud Vereinigungen zur Begiündnng einer solchen^ Anstalt* wenden". Wie ich den Logengedanken erfasse, erscheint mir dieser zum „Piinzip" erhobene Standpunkt bedenklich. Ich meine, dass der Orden in erster Linie das zaj berüksichtigen hat. was unseren Stammesbrüdern am meisten Not tut. Der Wert einer Jubiläumsstiftung wird nicht beeinträchtigt, sondern erhöht, - wenn der Orden den Grundsteck schafft für ein neues und bedeutsames Unternehmen Und. für djessen Durchführung noch andere jüdische Kreise zur Mitarbeit anregt. . s Ein jedes Ki aukeninstitut — .und ein solches scheint doch für die Jubiläumsstiftung nur jn Frage zu kommen —