Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 9 - Dezember
- Date
- 1905-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 110 — Von einzelnen Logen war uns angegeben worden, wie viel Tausende von Mark ihre Mitglieder gespendet haben, indessen diese Angahen können wir doch nur für die Veröffentlichungen in unserem Organ verwenden, während die Aussenwelt nur diejenigen Spenden unserer Logen zu Gesicht bekommt, die w i r dem Hüfsverein zuführen und worüber letzterer in den Zeitungen quittiert. Wo wir rechtzeitig benachrichtigt worden, sind wir bei den betr. Logen vorstellig geworden, sie möchten dafür wirken, dass aus den allgemeinen Sammlungen, die unter ihrer Mitwirkunginszeniert wurden, mindestens ein Theil derselben uns zugeführt werde, und wir erkennen es dankbar an, dass auf Veranlassung einiger dieser Logen uns namhafte Beträge aus den allgemeinen Sammlungen doch noch zugr flössen sind. Es ist charakteristisch, dass unter "den fehlenden Logen eine grosse Anzahl zu zählen ist, an deren Domizilen Zweigcomites des Hilfsvereins der Deutschen Juden bestehen. Diese Zweigcomi'.es haben überall, w o Logen existieren, in diesen das Rückgrat .gefunden. Wenn nun gerade diese Logen unserer Aufforderung nicht gefolgt sind, so bildet das keineswegs einen Lohn für die Hilfsbereitschaft, die der Orden dem H.lfs -Verein der Deutschen Juden nach allen Richtungen gewährt. Auch haben wir die Erfahrung gemacht, dass überall da, wo die Logen sich bei früheren Sammlungen führend an die Spitze gestellt, ihnen überall in den Gemeinden Gefolgschaft geleistet wurde, und niemand daian Anstoss genommen, selbst wenn das ganze Ergebniss der Sammlungen an die Grossloge abgeführt worden. Im Gegentheil, die Logen haben dadurch an Anerkennung und Werthschätzung gewonnen, man erachtet sie seitdem in den Gemeinden als berechtigte Führer auf den Wohlthätigkeiisgebieten. Beispielsweise hat eine kleine Loge lO(KX) Mark in ihrer Gemeinde gesammelt und diesen Betrag uns zugeführt. Demgegenüber ist es zu bedauern, dass nun so viele Logen mit ihren Leistungen in dem grossen .allgemeinen Sammelbecken untergehen^ und der Nachweis fehlt, wie gross wirklich die < »pfer sind, die seitens unserer Brüder für die unglücklichen Glaubensgenossen in Russland gebracht worden. Nach den uns gewordenen Angaben zu urtheilen, sind bei der jetzigen Sammlung in Logenkreisen ca. 250000 Mark aufgebracht worden: wir erhielten hiervon nur 70000 Mark. Ist auch an der Thatsache nichts mehr zu ändern, so haben wir doch geglaubt, uns, wie vorstehend geschehen, äussern zu sollen, um herbeizuführen, dass in ähnlichen Fällen alle Logen uns Gefolgschaft leisten. „Jubiläum-Stiftung?" von Ex.-Präs. Br. Dr. Max Rosenberg-Karlsruhe. Im Protokoll der 101. Sitzung des Generalcomites is Nov.-Xu. 1005 der Grosslogenberichte) findet sich bei der Besprechung des Br. Maretzki'schen Projekts der Errichtung einer Nervenheilanstalt folgender Passus: -Dass sich keine einzige Loge gegen die Errichtung eines Jubiläumfonds geäusseit hat, constatiert Br. Timendörfer ganz besonders.'' Diese Wendung muss Befremden erregen; nicht minder die Worte, mit deuen die Grossloge (Sept.-No. 1905). ihre Aufforderung an die Logen, sich mit dem Marelzki'schen Projekte zu beschäftigen, schliesst:, ,,Dass die Anstalt als Jubiläums-Stiftung anlässlich des 25 jährigen Bestehens des Ordens in Deutschland gedacht ist, verleiht dem Antrag besondere Wichtigkeit." Es ist unbestreitbar, dass nach diesem Satze jeder Leser den Eindruck haben muss, dass ein genereller Beschluss der Grossloge des 8. Distrikts besteht, aus Anlass der 25jährigen Existenz des Ordens in Deutschland eine Jubiläums-Stiftung zu gründen. Ein solcher Beschluss liegt nicht vor, oder richtiger ausgedrückt, liegt nicht mehr vor. Die Karl-Friedrich Loge hat, als sie s. Zt. aus rein sachlichen Gründen das Maretzki'sche Projektablehnte, dem General-Comite einen Beschluss zur Berücksichtigung unterbreitet, der jedoch, wenigstens nach dem offiziellen Protokoll in der Nov.-No. 1905, keine Beachtung gefunden zu haben scheint. Dieser Beschluss lautet: Das General- Comite möge der hochw. Grossloge vorschlagen, zuvörderst die prinzipielle Stellung der einzelnen Logen zu einer Jubiläum-Stiftung durch Umfrage zu erkunden, bevor denselben fertige Projekte, die mit der Jubiläum - Stiftung finanziell verquickt sind, zur Beratung; vorgelegt werden. Dem Beschlüsse war eine kurze Begründung angefügt, die ich hier ausführlicher nach meinem Referat in der Karl Friedrich-Loge wiedergebe. Zunächst etwas Logengeschichte, ' geschöpft aus den offiziellen Protokollen der Grassloge: In der No. 9 von 1901 äussert sich als Erster zum Jubiläum-Fonds Br. Maretzki in einem Bericht an das General-Comite. Er macht den Vorschlag, ein Altersheim für bedürftige und iuvalide Brüder zu gründen (ursprünglich Plan der P.ommerania Loge). Die Mittel sollten durch eine jährliche Kopfsteuer von 5 Mark aufgebracht werden. In der Grosslogen-Tagung vom 20. Oktober 1901 vertritt bei der Beratung über diesen Plan Br. Joachim den Standpunkt, es müsse eine Institution geschaffen werden, welche die Ziele und Aufgaben de3 Ordens für die Aussenwelt kennzeichne, ein Werk, das nicht den Brüdern, sondern der Allgemeinheit zu gute kommen solle. Es wird ein Comite gebildet, das sich zunächst übet das Prinzip verständigen soll. Dieses Comite tagt am 20. November 1901: nach langen — nebenbei bemerkt, im1 Hinblick auf'die allerletzte Sitzung des General-Comites auch jetzt sehr lehrreichen — Debatten, die ich in den Giosslogen-Berichten nachzulesen bitte, wird ein Antrag Wiesloch angenommen, dass anlässlich des Jubiläum ein Fonds in Verwaltung der Grossloge geschaffen werde zu Gunsten alter oder bedürftiger Brüder resp. deren Angehöriger. In der Grosslogen-Sitzung vom 19. Februar 1102 wendet sich Br. Joachim scharf gegen dieses Projekt und Br. L i e b h o 1 d weist darauf hin, dass sich der Fond nicht viel Freunde erwerben werde, zumal wenn eine wesentliche Besteuerung des einzelnen Bruders auf Jahre hinaus dadurch bedingt sei. Br. B e e r möchte festgestellt wissen, in welchem Stimmen-Verhältnis der Beschluss auf Errichtung des Fonds zustande gekommen sei. Falls die Minorität irgendwie bedeutend sei, müsse unbedingt Rücksicht auf sie genommen werden. Ueber die Einzelheiten der Abstimmung berichtet