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Bericht der Großloge für Deutschland · 1905-11-01 · Nr. 8 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1905
Issue
Nr. 8 - November
Date
1905-11-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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— 108 - russischen Juden zugefügten Greuel ein Schrei der Entrüstung durch die ganze civilisierte Welt geht, uns auf die bisherigen Leistungen beschränken? Wir bitten dringend, dass jeder unserer Brüder nach Kräften durch eine Spende an dem Hilfswerk theilnehme, das in Anbetracht der Verhältnisse leider ein dauerndes wird sein müssen, und wir sind, der sicheren Erwartung, dass wir durch den Beistand' unserer Brüder in der -Lage sein werden, anTdiesem Hilfswerk regen Antheil zu nehmen. Sofort haben wir aus dem Russenfonds M. 15000,— zur augenblicklichen Linderung der vNoth dem Hilfsverein der Deutschen Juden überwiesen. Was aber will dieser Betrag gegenüber dem Elende und de/c^Noth bedeuten, die unter den Juden Russlands herrsche*! Daher, liebe Brüder, zögern Sie nicht mit Ihren Spenden, um deren schleunige Zusendung an uns wir dringend bitten Ob Sie die Spenden aus Logenmitteln leisten' oder durch Sammlungen unter Ihren Mifgliedern aufbringen mögen, -überlassen wir Ihrem eigenen Ermessen. Schon im Voraus sei Ihnen der Dank namens jener unglücklichen Glaubensgenossen. - Tn unserem Bericht vom August dieses Jahres warnten wir vor der sogenannten .,Sinai-Loge U. O. B. B." und deren Mitglieder in Craiova in Rumänien. Wie sehr diese Warnung berechtigt gewesen, bestätigt uns die Grossloge für Rumänien auf unsere Beschwerde an dieselbe. Sie erklärt das ganze Unternehmen in Craiova als^ einen Schwindel, dem sie indessen nicht beikommen kann, da die Verhältnisse der Juden in Rumänien es erheischen, öffentlichen Skandal zu vermeiden. Wie aus dem Zwei-Monatsbericht der österreichischen Logen ersichtlich, hatte unsere Warnung vom August doch schon einen Erfolg, denn der famose Herr Dr. Robescu hatte die etfle Dreistigkeit, eine Loge in Wien zu besuchen, wurde aber auf Grund unserer Warnung einfach ausgewiesen. Br. Dr. Albert Rosenau, Mitglied der München- Loge praktiziert im Winter in MonteCarlo und erklärt sicli bereit, den dort zur Kur weilenden Mitgliedern des_,Ordens jede gewünschte Auskunft zu ertheilen. Aus den Logen des VIII. Distrikts. Fraternltas Loge In Dresden. Der Mitgliederstand der Loge erfuhr durch Austritt von 2 Brüdern, 1 Verlast durch Tod, Neuaufnahme von 7 Brüdern eine Vermehrung von 79 auf "83 Bruder. Die Sitzungen waren im Durchschnitt von 26 Brüdern besucht, das Minimum betrug 13, das Maximum 53. In den ordentlichen Sitzungen hatten wir das Vergnügen, 10 Gäste begrüssen zu können, die der Deutschen Reichsloge, Montefiore-, Lessing-, München-, Maimonides-, Amicitia-, Viktoria- und Sax>nia-Loge angehörten. Wir erfuhren durch diese Besuche manche werthvolle Anregung und Belebung unserer Verhandlungen und hoffen, dass auch weiterhin nach Dresden kommende Brüder recht oft uns besuchen. Beide Theile werden davon Vortheile haben. Eine besondere Freude wurde uns durch den Besuch des hochw. Grossschatzmeisters Br. Ber gel zuTheil, der am 13. März einer Arbeitssitzung beiwohnte. Den Hauptgegenstand der Berathungen dieses Abends bildete die gewiss allseitig interessierende Frage, wie am besten das Interesse neuer Kreise für die :^> I v i .\ i Loge geweckt, und wie die Lauheit vieler Brüder bekämpft werden könne. Br. Bergel bezeichnete als ein Hauptmittel die Betonung sozialer Fragen; die Beteiligung an sozialen Hüfszwecken müsse in den Vordergrund gestellt werden. Nan hat gerade die Fraternitasloge diesen Zweig der Ordensthätigkeit stets besonders gepflegt, hat z. B. in den Ferienkolonien, in dem jetzt von über 50 Kindern besuchten Kinderhort, in dem Heimabend für weibliche Angestellte Einrichtungen geschaffen, die das Interesse und die Anerkennung weitester Kreise der jüdischen Gemeinde erregt haben, ohne dass dadurch ein erkennbarer Einfluss auf das Wachsthum der Loge bewirkt worden wäre. In dieser Beziehung liegen die Verhältnisse in Dresden leider sehr ungünstig, und die Ursache hierzu sind die Fehler, die bei der Gründung der Loge gemacht wurden, Fehler wie sie auch anderswo gemacht wurden. Man hat damals die Eitelkeit einflussreicher Kreise verletzt, indem man ohne/ihre Mitwirkung die Gründung bewirkte, und noch heute, vO Jahre später, halten sich diese Kreise grollend abseits. Es" wird noch vieler Jahre Arbeit bedürfen, diese Hindernisse zu überwinden, aber die Vorgänge der letzten Jahre in anderen Städten zeigen, dass diese Arbeit aussichtsreich ist. So dürfen wir hoffen, dass auch für die Fra/ternitasloge, wenn sie fortfährt, durch ihre Leistungen sich > die Anerkennung und Achtung auch der noch fern stehenden Kreise zu erobern, einst die Zeit der Ernte kommen wird. In den Sitzungen der Loge wurden grössere Referate erstattet von Br. Cantor Hofstein über die Bestrebungen des D. J. G» B, Br. Dr. Eger über den Verein zur Förderung der Wissenschaft des Judenthums und über den Jahresbericht der Frankfurtloge, Br. Abeles über die Verhandlungen der Grossloge, Br. Dr. Cohn über den Jahresbericht des Kuratoriums für jüdische Krankenpflege in Dortmund, Br. Dr. Schleich über den Hilfsverein der Deutschen Juden. An den Diskussionsabenden sprachen Br. Dr. Schleich: Einiges aus der deutschen Reichsverfassung; Br. Dr. Cohn: Krankheiten der Juden (nach dem gleichnamigen Werke von Dr. Singer), Br. Fritz Mehrländer: Ueber Arbeitsnachweise. Im Anschluss an letzteren Vortrag wurde eine Kommission gewählt, die auch für Dresden die Einrichtung eines Arbeitsnachweises vorbereiten soll. Vor den Brüdern und ihren Angehörigen, sowie geladenen Gasten sprachen: Privatdoz. Dr. Huth-Berlin: Die Juden in Turkestan (mit Lichtbildern); Hofr. Dr. von Rosenberg - Dresden: Reiseeindrücke aus Oberalbanien (mit Lichtbildern); Schwester Julie Salinger-Dresden: Zu welchen Zielen führt die moderne Frauenbewegung-'; Br. Dr. Stein-Dresden: Namen der Juden. Ferner veranstaltete der Schwesternverein zum Besten seiner Bestrebungen ein reich besuchtes Konzert unter Mitwirkung hervorragender _ Kräfte. Im Januar fand die alljährlich veranstaltete Gedächtnisloge in Gegenwart vieler Angehöriger verstorbener Brüder statt. Einen bedeutenden Platz in den Verhandlungen der Loge nahm die Beratung der neuen Satzungen ein, die einer vollkommenen' Neuredaktion unterzogen wurden, um sie dem Königl. Amtsgericht behufs Erlangung der Rechte einer juristischen Persönlichkeit vorzulegen. Nachdem schon früher die Loge beschlossen hatte, keinesfalls durch Zweitheilung der Satzungen die Beziehungen zur Grossloge aus dem den Behörden vorzulegenden Teile wegzulassen, wurde von Br. Rechts-

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