Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 8 - November
- Date
- 1905-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 107 - Aus dem Bureau der Grosslog t. Der Ordens - Präsident Br. Adolf Kraus- Chicago dankte für unsern Glückwunsch, den wir ihm anlässlich seiner Wahl übermittelten und hebt derselbe dabei hervor, dass er gerne die Gelegenheit wahrnehmen wolle, den deutschen Distrikt zu besuchen. Für seine Thätigkeit, die er anlässlich der Anwesenheit des Herrn Witte in Amerika benutzte, um für eine bessere Lage der Juden in Russland zu wirken, haben wir gleichfalls Veranlassung genommen, Br. Kraus den Dank der deutschen Brüder abzustatten, und wir glauben uns hierbei in völliger Uebereinstimmung mit allen unseren Brüdern. lieber die Person des Ordenspräsidenten ging uns folgende Mittheilung zu: .Adolf Kraus ist gegenwärtig 56 Jahre alt. Er kam im Alter von 15 Jahren aus Böhmen nach Amerika, widmete sich tagsüber verschiedenen Beschäftigungen unA benutzte seine Mussezeit zum Studium. Im Alter von'26 Jahren bestand er die Advokatenprüfung: er wurde zur Praxis zugelassen, und übt den Beruf als Anwalt noch jetzt aus, indem er an der Spitze einer der angesehensten Advokaten-Firmen Chicagos steht. Im Jahr« 18'J4 war er auch Eigenthümer und Redakteur einer grossen englischen Zeitung in Chicago, der „Times";i er benutzte aber eine günstige Gelegenheit, die sich ihm zum Verkaufe darbot, um sich von der Journalistik zurückzuziehen, da ihm die Bürden als Advokat und Redakteur zu schwer waren. Infolge des ihm aus seiner Berufsthätigkeit flfessenden Einkommens ist er materiell unabhängig; er besitzt auch ein Haus in der elegantesten Strasse Chicagos. Dem öffentlichen Leben blieb er nicht fremd. Er bekleidete zu verschiedenen Zeiten die Stellen eines Präsidenten der Kultus- und Schulbehörde, dann der Zivildienst- Kommission, endlich war er Korporationsanwalt der Stadt Chicago, Stellungen, die vorher ein Jude nicht inne halte. Er ist ein thätiges Mitglied des „Isaiah Temple seit dessen Gründung und. wurde in den letzten acht Jahren alljährlich zum Präsidenten der Gemeinde gewählt. Er ist auch Präsident des österreichisch-ungarischen Unterstützungsvereins in Chicago. m , Dem Orden trat er im Jahre 1876 bei und war in den Jahren 1884 und 1!»04 Präsident der Grossloge des Distrikts No. VI. Durch zwanzig Jahre gehörte er dem Appellationshofe des Ordens als Mitglied an und wurde endlich im laufenden Jahre President des Exekutiv-ComiieV'. Der hiesige Verein für Arbeitsnachweis hat im September er. 203 Personen dauernd und 03 Personen vorüber-, gehend in Stellen untergebracht; im Oktober 240 resp 44 Personen. Zur Haltung von Vorträgen erklären sich noch folgende Biüder bereit: Rabbiner Dr. B.E 1 s a s s-La n d sberga. W. über die Themen: „Shylock", „Karl Emil Franzos als Dichter des podolischen Ghetto-, „Die Juden als Soldaten", „Das jüdische Familienleben mit Lichtbildern nach den ,,Oppenheim sehen Gemä'den"; E v p r ä s. Dr. Freund-Ostrowo ausser den im'vorigen Jahre angegebenen Themata über die Themen: „Essen und Trinken im Spiegel der Culturgeschichte". ..Die sozialistische Strömung in der zeitger.össischen jüdischen Jargon^Litteratur." Br. Siegfried Freund-Dortmund über die Themen: . „ Aron Bernstein", ,.Karl Emil Franzos", „Jüdische Statistik'1. „Moderne jüdisffie Litteratur". „Moderne jüdische Autoren"., * , Alles weitere unterliegt Vereinbarungen mit den hier, genannten Brüdern. Aus den Verhandlungen des geschäftsfuhrenden Ausschusses dürften folgende Gegenstände unsere Brüder besonders interessieren: Im vergangenen Jahre ist der\grösste Theil unserer^ Logen durch Mitglieder, des Generai-Comites b e s u *rhA worden in der Absicht,'die Logen -zu fördexrt,"xiann aber auch die Wahrnehmung der Delegierten zum Nutzen anderer Logen zur Kenntnrss derselben, zu bringen. Bedauerlicherweise witd diese Etnjichtung des öfteren so beurtheilt, als ob der Delegierte ein Aufsichtsbeamter sei. wovon doch aber keineswegs die Rede sein kann. Namentlich die kleineren Logen haben liach den erstatteten Berichten manchen Erfolg aus den. Besuchen der delegierten Brüder zu verzeichnen, und sollen die Besuche auch weiter fortgesetzt werden. Die Mitglieder des General-Comites Sind dementsprechend ersucht worden, und wollen diejen'gen^Logen, denen mit dem Besuche der Delegierten gedient ist, sich diesbezüglich an uns wenden; wir erklären uns bereit alles Weitere alsdann zu veranlassen. Auch aut unser Kundschreiben die Vorträge in den Logen betreffend wollenwir hier noch einmal hinweisen und uns wiederholt bereit erklären, die geeigneten Redner zu gewinnen, denn wir sind nach wie vor auf Grund uns gewordener Mutheilungeu der. Ansicht, dass eine Anzahl Logen durch öffentliche "propagandistische Vorträge in ihren Bestrebungen gefördert werden. Unsere Jugend s~chr i f t'e.n - Commission wird binnen kurzem schon in der Lage sein, ein eigenes Werk., und zwar eine Anthologie von Gedichten etc. herauszugeben, dem recht bald weitere Wfrke'. folgen dürften. Die überaus traurige Lage-"unserer russischen Glaubensgenossen macht es uns zur dringenden Pflicht, wiederum an die Opferwilligkeit unserer Brüder zu appellieren, und wir sind überzeugt, dassin Anbetracht der entsetzlichen Noth unter den Juden Russlands jeder unserer Brüjder bereit sein wird, nach Krähen zur Linderung dieser Notjh beizusteuern, wenngleich unsere Brüder schon oft geniug für die osteuropäischen Glaubensgenossen namhafte Opfer gebracht haben." Unser diesbezüglicher Aufruf an die Logen hat (olgenden . Wortlaut: Unbeschreiblich ist daä Elend, das über unsere ' Glaubensgenossen in Russland.her*ingebrochen ist. Die Existenzen lausender unserer-Glaubensgenossen wurden zerstört, schlimmer als im Mittelalter sind an vielen Orten die Juden geschändet und getötet worden. Gegenüber solchen Greuelthaten, deren Schilderungen das -Herz jedes fühlenden Menschen'erbeben macht, werden unsere Logen und Brüder ganz gewiss bereit sein, neue Opler zu bringen un> Hilfe zu leisten. , wo überhaupt noch geholfen werden kann. Wir sind uns wohl bewusst. und erkennen es dankbar an, dass schon sehr Vieles aus unsern Kreisen für die Juden Russlands geleistet worden, auch wissen wir,; dass mancherlei sonstige Ansprüche art-jeden: Einzelnen herantreten. Aber, liebe Brüder, sollen und kühnen wir, wo um der den