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Bericht der Großloge für Deutschland · 1905-11-01 · Nr. 8 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1905
Issue
Nr. 8 - November
Date
1905-11-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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— .103 — gefasst worden; es sei mir daher gestattet, sie hier mit einigen Bemerkungen zu interpretieren. . Was zunächst die Heilanstalt für Nervenkranke als Jubiläum-Stiftung angeht, so scheint es,'als ob eine grössere Anzahl Logen dem diesbezüglichen Antrag des Expräs. M a r e t z k i nicht zustimmen. Die Montefiore-Loge, die sich auf den gleichen Standpunkt stellt, fügt nur npch hinzu, dass der Versuch gemacht werden sollte, die ausserordentlich erstrebenswerte Anstalt gemeinschaftlich mit dem deutsch-israelitischen Gemeindebund zu begründen. Der Prospekt des D. J. G. B. denkt sich die von ihm vorgeschlagene Anstalt ohnedies als eine gemeinsame Schöpfung verschiedener philantropischer und humanitärer Vereinigungen. Da gerade Expräs. M a r e t z k i auf anderen Gebieten für ein Zusammenwirken des Ordens mit anderen grossen Vereinigungen (Hilfsverein der Deutschen Juden) eingetreten ist, dürfte er, wenn die Errichtung einer jüdischen Heilanstalt als Jubiläum-Stiftung fallen sollte, kaum etwas dagegen haben, das gemeinsam mit dem D. J. G. B. versucht werde, das geforderte Institut zu verwirklichen. Dem Antrage der Montefiore-Loge nun, dass als Jubiläum-Stiftung des Ordens eine soziale Institution zu wünschen sei, die vorwiegend den Ordensangehörigen und deren Hinter bliebenen zugute kommen soll, wird in Logenkreisen entgegen gehalten, dass der Orden sich bisher grundsätzlich auf den entgegengesetzten Standpunkt gestellt hätte; es sei mit der Würde des Ordens schlechterdings nicht zu vereinen, in egoistischer Weise für die eigenen Mitglieder des Ordens sorgen zu wollen. Hierauf erwidere ich: die Kämpfe, die früher im Orden in dieser Beziehung stattgefunden haben und auf die nunmehr mehrfach hingewiesen wird, beschäftigten sich seiner Zeit wesentlich mit der „Sterbekasse". Es sollte strikt vermieden werden, dass irgend wer Mitglied des Ordens zu werden strebt, gewisser Vortheile wegen, die er bei uns findet. Die Montefiore-Loge hat den Ruhm, an jenen alten Kämpfen intensiv teilgenommen' und damals entscheidend dazu beigetragen zu haben, dass die „Sterbekasse" d. h. jeder vermögensrechtliche Anspruch eines Bruders auf irgendwelche Sterbe- oder andere Unterstützungsgelder in Fortfall kam. Auf diesem Standpunkt steht sicherlich die Montefiore-Loge und mit ihr der Verfasser dieser Zeilen auch heute. Allein dies hindert keineswegs, dass, wenn ein Bruder stirbt, die Loge, der er angehört, sich unverzüglich den Hinterbliebenen zur Verfügung zu stellen und wo nöthig, Unterstützung anzubieten und zu leisten hat. Die Sorge um Wittwen und Waisen ist auch ohne Sterbekasse vornehmste und heiligste Logenpflicht geblieben, wie ja überhaupt die Fürsorge für die; Logenzugehörigen und besonders für deren Hinterbliebenen auf alle Fälle zu den unwandelbaren Pflichten der Loge gehört. Selbstredend nur in moralischer und ethischer, nicht in rechtlicher Beziehung. Hier liegt das Missverständniss gegenüber der Resolution unserer Montefiore-Loge. Auch die Montefiore-Loge beharrt dabei, dass kein Anspruch eines Logenmitgheds auf etwaige Unterstützung für sich und seine Angehörigen zugelassen werde, schon damit Niemand bei seinem Eintritt in den Orden mit der Aussicht auf materielle Vortheile rechne. Wir besitzen darum auch in den Fragebogen, die wir bei der Aufnahme neuer Mitglieder von diesen vollziehen lassen, die feierliche Versicherung und das Gelöbniss, dass der Kandidat keinerlei eigennützige Vortheile in der Loge sucht. Das ganze Aufnahmeverfahren bei unseren Logen sieht überdies vor, dass Niemand aufgenommen werde, der nicht finanziell unabhängig ist und in geordneten wirtschaftlichen Verhältnissen lebt, so dass bei der Aufnahme eines neuen Bruders nicht zu befürchten steht, dass derselbe für absehbare Zeit der Loge zur Last fallen könnte. Es Hesse sich zwar noch darüber streiten, ob dieses Abweisen finanziell schwacher, aber sonst höchst ehren werther und vielfach geistig hochstehender Elemente richtig ist. Die Montefioreloge ist aber, wie ich glaube, für die Beibehaltung dieser etwas rigorosen Praxis, nicht zum wenigsten mit Rücksicht auf die Kandidaten selbst, um ■ diesen keinerlei Verpflichtungen und Abgaben aufzuerlegen, die ihnen unter Umständen lästig werden könnten. Wenn nun aber trotz alledem im Laufe der Zeit, in unberechenbaren Wendungen des Schicksals unvorhergesehenerweise Brüder bedürftig werden, wenn bei Ihrem Tode Wittwen und Waisen unversorgt zurückbleiben, ohne dass die Einzelloge die volle Sorge für die Hinterbliebenen in dem nothwendig ausgedehnten Masse auf sich nehmen kann, wäre es alsdann für diese Umstände nicht wünschenswerth, dass der Orden über eigene Institutionen, wie z. B. über ein eigenes Waisenhaus verfügt,, die in erster Reihe den Ordenszugehörigen zu gute zu kommen hätten, ohne dass Aussen stehende, d. h. nicht Ordenszugehorige grundsätzlich auszuschliessen wären? Wie erhebend wäre den Ordensbrüdern das Bewusstseln, dass es eigene Ordensinstitutionen . giebt, die im Nothfalle den Hinterbliebenen oder den sonst durch Ungunst der Verhältnisse bedürftig gewordenen Brüdern eine letzte Zuflucht, einen verlässlichen Rückhalt zu bieten vermögen. Wenn der Orden alle Zeit mit Recht bereit ist. allen Glaubensgenossen Hülfe zu bringen, warum soll es da ,,Ordensegoismus'' heissen, wenn auch an eine organisierte Hilfe für die uns am nächsten stehenden Ordensbrüder gedacht und hierfür plaidirt wird. Dabei spricht unsere Resolution ausdrücklich und vorsätzlich nur von sozialen Ordensinstitutionen, die zwar' zum überwiegenden Theil, aber die dennoch nicht ausschliesslich'für Ordensangehörige da sein sollen. Es hiesse sich einer Selbsttäuschung hingeben, wenn man die Notwendigkeit sozialer Fürsorge auch für eigene Ordensmitglieder leugnen will. Wir sind die Letzten, die auch nur der allergeringsten und aller entferntesten Einschränkung der allgemeinen humanitären Betätigung des Ordens das Wort reden. Im Gegen theil, wir sind durchaus der Ansicht, dass der Orden in dieser Richtung noch lange nicht erschöpfend Initiativen ergreift. Aber ..Charity begins at home!" Die Humanität beginnt zu Hause, sagen die Engländer. Die; Humanität verliert sich ins Ungemessene, Weite, wenn die allernächsten Rücksichten bei Seile gelassen werden. Die Montefioreloge hat niemals gefehlt, wo es galt für Notstände und' philantropische Bedürfnisse innerhalb unserer' Glaubensgemeinschaft in der ganzen Welt einzutreten; die Montefioreloge gerade hat stets in vorderster Reihe gestanden, wenn es hiess, diese Interessen zu verfechten und eifrigst zu betätigen. Diesen allgemein menschlichen und allgemein jüdischen Interessen vergeben wir aber nicht im geringsten, wenn wir aus Anlass der Begründung einer J u b i 1 ä u ms - Stiftung des Ordens J

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