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Bericht der Großloge für Deutschland · 1905-11-01 · Nr. 8 - November · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1905
Issue
Nr. 8 - November
Date
1905-11-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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alle schädlichen von ihm fernhalten. Dann hoffen wir mit Gottes Hülfe Segen stiften; zu können. Jubil^iim-StifffunQ. Zu der Frage der Errichtung einer Heilanstalt erstatte! B r. Dr. L i 1 i e n s t e i n in Bad Nauheim, Mitglied der Frankfurt:Loge, folgendes Referat: Audiatur et altera pars. Im Grossfogenberic.it No; 7 vom Sepu mber a. c. ist ein Antrag Reitens der Frankfurt-Loge an das OJereralcomite zur Diskussion gestellt worden, der in der That geeignet ist, das weitgehendste Interesse aller Logen und Brüder -in Anspruch zunehmen; handelt es sich doch um die r Aermsten der Armen", um die Fürsorge für die armen und g*?i-tesodcr nervenkranken Juden. Zunächst muss betont werder, dass der Antrag in der „Frankfurt-Loge-* nicht eingehend discutlert worden ist, so dass die ihm entgegenstehenden Stimmen in der Loge selbst nicht gehört werden konnten. Die anderen Logen, die, veranlasst durch die Referate im Bericht No. 7, über die Frage berathen haben, sind also von der falschen Prämisse ausgegangen, dass die ,.Frankfurt-Loge" bei diesem Antrag einig gewesen sei. Meine eigene bescheidene und unmassgebliche Meinung habe ich in einem Briefe schon vor längerer Zeit niedergelegt, un5 da im Grosslogenbericht die dem Plan entgegenstehenden Thatsachen nicht genügend gewürdig' worden sind, so sehe ich mich veranlasst, sie im Nachstehenden nochmals klarzulegen. Hoffentlich gelingt es mir hierdurch, übereilte Massnahmen in dieser wichtigen Angelegenheit zu verhindern i Wenn :;ur der Antrag des Er. Dr. Marelzki (Grosslogenbericht No. 7 p. Hü) zur Discussion stünde, so würde ich keine Veranlassung genommen haben, hier das Wort zu ergreifen. Was mich hierzu veranlasst, ist im wesentlichen der im Antrag der Frankfurt-Loge enthaltene Plan, für die jüdischen Geisteskranke n j eine eigene Anstalt aus Loger.mitteln zu gründen. Beide Referenten, sowohl Br. I >t. Maretzki als auch Br. Dr. Hanauer haben mit Recht die Schwierigkeil der Beschaffung der Geldmittel für den idealen (bisher noch von keiner Seite genau eindeutig fixierten) Zweck hervorgehoben. Die Beurtheilung dieses Hindernisses ist mir, der ich in diesen Dingen ebensowenig wie Br. Dr. Maretzki ein Fachmann bin, ebenfalls unmöglich. Auf alle Fälle wäre cie zu übernehmende Last eine ungeheuere, ständig wachsende, falls nur eimgermassen dem Bedürfniss entsprochen werden sollte. Ich halte es aber auch für unnöthig, ja direkt für unzweckmässig, die Fürsorge für arme Geisteskranke dem Staat und den Gemeinden abzunehmen. Wir sind als deutsche Staatebürger und als Gemeindemitglieder berechtige, die weitgehendste FÜTSorge für unsere unbemittelten Mitbürger, die geistig erkrankten, zu verlangen und müssten eine Zurücksetzung von Juden in öffentlichen Irrenanstalten — wenn eine solche vorkäme — energisch bekämpfen. Davon ist aber garnicht die Rede: Auch die beiden Referenten haben in dieser Hinsicht ebensowenig Positives vorgebracht, wie die Br. Br. Dr. Weingarten und Dr. Lichtenstein (cf. Grosslogenbericht Januar 05). Die *) Die Errichtung einer Volksnervenheüanstalt für Juden ist eine andere Frage und erscheint mir eher discutabel. antisemitischen Hänseleien, denen die jüdischen Geisteskranken in Irrenanstalten ausgesetzt sein sollen, sind von niemand berichtet, der den inneren Betrieb einer gut geleiteten öffentlichen Irrenanstalt vor Augen hatte. Aber selbst angenommei., es fiele einmal eine antisemitische Acu,sserung seitens eines Mnkrankeh, ohne ..dass der leitende Arzt entsprechende Massnahmen treffen könnte, um eine Wiederholung vorzubeugen, so wäre, dir immer noch kein G.'und, nun auf einmal alle jüdischen Geisteskranken, die in öffentlich«, n Anstalten aulnahmeberechtigt sind, zu sammeln und in eine gemeinsame jüdische Irrenanstalt , zu verbringen. Mit demselben Reiht könnte , einer vors-hlagen, die Yor- »tösse des Antisemitismus im bürgerlichen Leben Jamit zu beantworten, dass sich die Juden wieder im Ghetto sammeln. Kin einigeimassen von mitteleuropäischer Kultur beleckter Jude ist diesen Hänsileitn; nicht ausgesetz;. und diese Kultur unter den Juden zu .ordern, ist ja doch wohl eine der ersten Aufgaben unseres Ordens.- ' In Wirklichkeit sind in gut geleitet:.» Kr^ikenamtalien solihe Vorkommnisse, die offenbar mehr in der Theorie angenommen ais in der 'Praxis 'beobachtet werden, recLt selten. Die psychischen Schädigungen, die dadurch hervorgerufen worden sein sollen, dürften sich ebenfalls kaum nachweisei. lassen. Der weniger erfahrene Beobachter und besonders der Lak wird ,l)ier sehr, leicht geneigt sein, Ursache und Wirkung zu.'verwechseln: Den me.fite». chronischen Q?istiskr^.kli.rlei> gtht'oin S aüum erhöhter Erregbarkeit voraus, die Kranken zeigen sich jeder Anstrengung und jeder Aufregung 1 gegenüber weniger wid«.- standifähig, sie sind „nervenschwach'-. Kommt nun zufällig neben anderen Erregungen' auch eirr..:äi eine solche dtircu eine antisemitische AeusserUrig ,in diesem Stadium der Krankheit vor, dann liciss; es später,, dieser oder jener Pitient ist durch die Aufregung krank geworden bezw. . eine Heilung sei durch dieselbe verhindert worden» In Wirklichkeit sind Geisteskrankheiten zum giössten Theil in der Veranlagung des Getirns/ oder durch Erkrankungen ganz greifbarer Art (Ent2ündürig. Geschwulst.' Entartung u. s, w.) verursachte Stoiun^<-n der Gehürnfünktion, und werden nicht durch Schreck, Trauer, Aufregung uv.'-s. w. verursach:, wie map in Läienkreisen meist annimmt. >< Als ein weiterer Grund für die Errichtung einer jüdischen Irren-iistall wurde die-Nothwendigkeit der rituellen Verpflegung für jüdische' Geisteskranke angeführt. Eigentlich brauchte ich garr.J/ht auf di*\ien Punkt einzugehen, da er bereits von Br. Dr .Matetzki fallen eelassen wurde j - ß' ■; * . . . * '• und da sogar religiöse Mörijente angelünrt worden sind; die ihn zum mindesten 'zweifelhaft erscheinen .lassen. In Wirklichkeit ist die Zahl der Juden, die i:..'einer Krankenanstalt aut rituelle Verpflegung — diese ist übrigens in jeder Anstalt dem Einzelnen möglich — dringen, sehr gering. Selbst i.. der stäcnschen IrrenansUirt iji Frankfurt a. M., in der naturgemäss sehr viele jüdische Patiei.te:; verpflegt werden (Frankfurt hat ca. .10",,, ca. 25000 Juden: die Anstalt hat ca. 350 Betten uail einen Zugang von ca. 1000 Patienten pro Jahr), habe ich in den zwei Jahren meiner Beobachtung nur ganz vereinzelte Patienten kennen gelernt, die rituelle Verpflegung gewünscht und natürlich auch bekommen haben. Mitden, ^Gewissensbissen", die eine dauernde psychische Verstimmung hervorgerufen haben

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