Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 8 - November
- Date
- 1905-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4864325-6028966-6074121--0933-4865095- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Monatsberichte 1904. pag. 94) kam von allen Seiten immer wieder dh Klage zum Ausdruck, dasS eine Jugendliteratur, wie wir sie für die jüdische Jugend wünschen und brauchen, bisher nicht existiert; die vorhandenen einschlägigen Bü'her lassen an Inhalt oder Form, au Darstellung oder Ausstattung, oft an. Allem, viel zu wünschen übrig. Den Forderungen, welche moderne Bewegungen auf diesem Gebiete aufgestellt habe?;, genügt kaum eine der vorhandenen Jugendschriften. Diesem lebel abzuhelfen, ist die Kommis-ion eingesetzt; dieselbe war sich von vornherein darüber klar, dass sie nicht selbst die Literatur schaffen oder durch Preisausschreiben ins Da.»ein rufen .kann, sie erkannte vielmehr den Umfang ihrer Aufgäbe in rollender Richtung. Die Kommission betrachtet es als ihre Aufgabe, den Weg anzuzeigen. auf dem eine brauchbare jüdische Jugendliteratur sich zu bewegen hätte; sie will die Mittel angeben, die zur Verbesserung der Jugendliteratur führen können,. Zu diesem Zwecke soll die alte vorhandene Literatur geprüft, es sollen ihre Vorzüge und ihre Mängel hervorgehoben werden, so dass diese Prüfungen die wiiu-ichenswerthe Methode einer guten Jugendliteratur angeben Neu erscheinend«- Jugendschtitten sollen ebenfalls einer Besprechung r,t,terzoge:i weiden, damit die guten empfohlen, die schleehten aU solche gekennzeichnet werden, aber nicht durch kategorisches, verwertendes Urt heil, sondern durch Klarlegung ihrer Mündel und der Abhilfe dagegen. Zu diesem Zwecke wui'le ein besonderes < »rgan für npthwendig gehalten, das. im Sinne der ...Tugendscniiftenwarte" des Allgemeinen Deutschen Leiter Vereins zu wirken hätte-. Durch dieses Organ sollte das Mittel zur Besprechung und Verbesserung der JugendgehriftenUteratm geschaffen werden. Indem dieses Organ allen Logenbrüdern «nd deu betheiligten Fachkreisen gratis zusehen sollte, sollte den Ideen der Kommission auch die O nötliige Verbreitung gegeben werden. Es war dadurch ferner für gute Jugendschriftsteller auch die" u<>thige Ermuthigung gegeben. Autoren und Verleger konnten damit rechnen, dass die im 1 H-gane der Konimission empfohlenen Schriften einem gros-eii Kleine daran interessierter Personen bekannt „ und dadurch auch gekauft werden. . ,. Dartber hinaus beschloss die Kommission Jugendschriften deren Verbreitung ihr wichtig erscheint, durch Subventionen /.ü unterMützen. Aus ihrer eigenen Mitte beschloss• sie zu. nä< h-;t zwei Publikationen zu veranstalten, eine Anthologie von Poesien jüdischen Inhalts, deren Redaktion' dem Br. Dr. Karpeles übet tragen wur de, und eine zweite von Prosasttkken. ' die Bt. Dr. Heineraann herauszugeben übernahm. Die Redaktion de< Ve>einsorgans wurde Br. Dr. Spanier anvertraut Nachdem die Grossloge den Beschlüssen der Konimission b* getreten war und die notwendigen Ausgaben bewilligt hatte, wurde an die Ausführung der Beschlüsse vom Januar geg uigen Das nächste war die Begründung lies Organs. Dasselbe erschien zum ersten Ma*e zusammen mit dem Monatsbericht für April und erhielt den Namen: .,Wegweiser für die Jugendliteratur". Seitdem sind fünf Nummern von je einem Blatt (8 Spalten) erschienen. Die Begründung eines solchen Organs verursacht, auch wo die Mittel völlig zur Ve'fügung stehen, ausserordentliche Schwierigkeiten, und der ,.Wegweiser" hati zum Theil noch heute damit zu kämpfen. Die wichtigste und zugleich, wie die Erfahrung bisher lehrt, schwerste Aufgabe ist die, den notwendigen Stab von Mit> arbeitern heranzuziehen. Die Fachkreise haben sich, wie das leider bei jüdischen Bewegungen öfter za beklagen ist, zunächst abwartend verhalten und sich mit sehr kühler Neutralität dem Unternehmen gegenübergestellt. Nichtsdestoweniger darf ohne Ueberhebung behauptet werden, dass die bisher erschienenen Blätter des „Wegweiser" ihrer Aufgabe völlig entsprechen. Sie enthalten allgemeine Artikel über die Bedürfnisse der Jugendliteratur nach Inhalt und Darstellungsweise, daneben Besprechungen. von Jugendschriften, tbeils älteren Datums, theils neueren Erscheinungen. Schon jetzt i<t klar, dass der ..Wegweiser" das Organ ist und in Zukunft noch mehr werden wird, in dem Schriftsteller und Erzieher zur Frage der Jngendschi ifteu Stellung nehmen. Auch die Aufnahme des ..\Vegweiser" ist eine befriedigende. Soweit aus Fachkreisen und aus Logenkreiseh L'rtheile darüber bekannt werden, lauten sie übereinstimmend günstig; es mag genügen, hier hervorzuheben, dass ein kompetenter Beurtheiler wie der Redakteur der ..Jugendschriftenwarte", Herr H. Wolgast, unser Blatt „»in löbliches Unternehmen" nennt. Auch einen sehr schönen konkreten Erfolg hat der „Wegweiser" bereits zu verzeichnen, indem nach dem Erscheinen des ersten Blattes Frau Mar y Rosenbaum in Tigru-Neamtu (Rumänien) unserer Kommission einen Preis voi 200 Mk. für indische Märchen überwies fvergl.'Nr. 5 des .,Wegweiser"). Aityh die Zahl der Mitarbeiter bat shh vei mehrt, ihre Interessen werden vielseitiger, und damit ist auch der Inhalt des „Wegweiser" bunter geworden; die Zeit ist nicht fern, wo auch sein l mf.ing wird erweitert werden müssen. Auch ilie Verbreitung des .,AVegwe:ser" ist mit der Zeit eine giössere geworden. Während die betheiligten Fachkreise trotz wiederholter öffentlicher Aufforderung zunächst nur in geringe- Anzahl das Blatt verlangten, hat sich der Kieis der Besteller zusehends vermehrt. Es wird Aufgabe der Logen sein, d.'s Interesse für <'ie Verbreitung des Blattes rege zu machen und wach zu halten. i Für die beiden anderen l'utern"bmungen der Kommission sind umfassende Vorarbeiten erforderlich, deren Beendigung in we iigen Monaten Niem-nd erwartet hat. Ausser den beiden erwähnten Sitzungen hat die Kommission eine Zusammenkunft nicht veranstaltet, wohl aber hat ein reger schriftlicher Gedankenaustausch stattgefunden. Der Präsident nahm wiederholt Gelegenheit, mit den BerHner Mitgliedern in persönliche Verbindung zu treten, ebenso hatte er zwei Konferenzen in Magdeburg mit Br. Dr. Spanier, fm Laufe des Jahres sind auch so viele Kragen aufgetaucht, dasis demnach t wieder eine Vollversammlung einberufen werden soll Zur Prüfung bei der Kommission gingen ein: eine .Tugendschrift, die zurückgewiesen werden musste. eine andere, die jetzt cirkuliert Ob die Hoffnungen, die an die Einsetzung der Kommission geknüpft wurden, sich erfüllt haben, mag ich nicht beurtheilen.. Hervorgehoben ronss aber werden, dass es ein Irrthum wäre, zu meinen, eine Kommission von Fachmännern könnte, wenn ihr Geld zur Verfügung stände, ohne Weiteres eine Literatur schaffen. Auch geistige Produkte verlangen, dass der Boden für sie sorgfältig vorbereitet und dass ihnen die nötbige Zeit zum Reifen gelassen werde Allzu eifriges Antreiben wirkt ebenso verhängnissvoll auf sie ein, wie Hagelschläge auf die Früchte des Feldes. Wir wollen für unser Unternehmen alle fördernden Kräfte verweisen,