Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 6 - August
- Date
- 1905-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Loge selbst hat auch in diesem Jahre vorzugsweise nur solche Gesuche berücksichtigt, die einen socialen ^Zweck der Bittsteller anstrebten^ * - * _ Wir beteiligten uns an der Ausbildung einer Dame zur Sängerin. Für diesen Zweck hat die Loge während vier Jahren M. 1<KH— ausgegeben: wir hoffen, dass die Dame für die Folge befähigt isj. ihr Fortkommen allein zu finden.'. J Stipendien bewilligten wir an drei Theologen, einen Schriftsteller, einen Lehrer, einen 'Zahntechniker, einen Jungen, der sich zum PfTotographen ausbildet, und einen Texiiiarbeiter. Im Verein mit der Starkenbürg - Loge in Darmstadt liessen wir ein Mädchen zur Kindergärtnerin ausbilden. Von Anstalten, welche den Zielen und Zwecken unseres Ordens entsprechen, haben wir'unterstützt Den Iltlfsverein für jüd. Taubstummen in Berlin. Isr Kir.derheiistätte in Bad Kissingen. Isr. Krankenheim m Neuenahr. Naphtali Eppstein Verein.; Verein für arme isr Nerven- -und Geisteskranke in - . Coblenz. Friedrichsheim in Gaiiinpen. Isr. Cen'.ral-Waisen- und Mädchenheim in Dietz, Gesellschaft zur ' F •rderur.e der Wissenschaft des Judenthum«. .1 - ' *. Ilausrathverein hier.. Ferner bewilligten wir der Grossloge M. "_'00 -- als. Gabe für die russische Hülfiacticn. An Chanukkah beschenkten und bew-inheten wir iöö arme Kinder und gaben hierfür M. ltiäj. aus. Im Ganzen hat die Löge dieses Jahr für -Wohlthätigkeiiszwecke M. — ausgegeben. Der Ir r a u e n b u n d ..Caritas'" hat auch im letzten Geschäftsjahr darnach gestrebt, seinen Schützlingen in erster Linie durch Beschaffarg von Arbeitsgelegenheit zu helfen. Isr kann jt jr.ch nicht von grossen Erfolgen auf diesem Gebiet sprechen, was hauptsächlich auf die mangelnde Vorbildung der jüdischen Armen zurückzuführen ist. Gerne aber sei gesagt, dass die seit längerer Zeit hier ansässigen Leu'e sich bei der Berufswahl ihrer Söhne mit Freuden berathen lassen: bei der Berufswahl der Töchter sind sie abwehrender aüe Versuche, wenigstens ein Mädchen dem Dienstbojenstar, d zuzuweisen, waren erfolglos. In vollständiger Verkenmir.g der,gebotenen Existenzmöglichkeit werden die meisten Maichen zu Ladnerinnen gemacht; einzelne lernen nähen. Aas seinem ursprünglichen Arbeitsgebiet ist der Frauenbund „Caritas" zum ersten Mal durch die in diesem Jahre erfolgte Gründung eines Mädchenclubs herausgetreten. An 2 Abenden versammeln sich im Logenhaus schulentlassene Mädchen. insbesondere Ladnerinnen und Lehrmädchen. Sie -.den im Logenhause ein gemüihliches Zimmer, in dem ihnen ■ unter Aufsicht einiger Damen Gelegenheit zu geistiger Arbeit und zu frohem Spiel gegeben wird Die Mädchen können deutschen und französischen Unterricht erhalten; sie mögen Handarbeiten machen oder Schönschreiben lernen oder vorlesen. Etwa alle 4—0 Wochen finden sich die Mädchen Sonntag Nachmittags ein; es wird gemeinsam <Thee getrunken und nach dem Alltag und seinen Lasten kommt des Feiertags schönes Vorrecht zur Geltung^. An der Arbeit im Mädchenclub betheiligen sich etwa zehn Damen, theils Mitglieder des Frauenbundes ,.Caritasli, theils Töchter von Logenbrüdern Der Ausbau dieser Institution wird vorerst — neben den Arbeiten auf gewohntem Gebiete Hauptaufgabe der rCaritas" sein. , . ■ ' / Es sei noch der Thatsache gedacht, dass bei einem im März d. J. dahier veranstalteten interconfessionellen „Kinderhülfstag" dem Frauenbund ..Caritas-' 5 pCt. des Reingewinnes — M 1750.— — zur Verfügung gestellt wurden. Hierdurch ist uns Gelegenheit gegeben, einer Reihe von Kindern zueinem hoffentlich Genesung bringenden Sommeraufenthalt zu Verhelfen. Die ..Caritas1' hat im vergangenen Jahre insgesammt M. 224o\— für Unterstützungen ausgegeben. Aus dem Bericht unseres Krankenschwesternausschusses ist zu erwähnen, dass der Betrag von H, '2~<Q. i welchen, die Loge als Zuschuss bewilligt hatte, nicht abgehobenwerden musste. Die Unterhaltungskosten konnten vielmehr aus den Einnahmen gedeckt werden. In dem verflossenen Jahre pflegte die Schwester '228' 2 Tage, abgesehen von kleineren Hülfsleistungen und Ersatzptlege im hiesigen israelitischen Krankenhause für eine erkrankte .Schwester. Von den l?2b1 Pfiegetagen fielen 20 Tage auf Armenplle'ge: Brüder oder deren Angehörige beanspruchten die Schwester an 12 Tagen. Wir hoffen, diese Institution weiter ausbauen zu können, um späterhin den Bedürftigen jeder Confession ohne Entgelt Pflege durch jüdische Krankenschwestern gewähren zu können. Der Geselligkeits- Au sschass unserer Loge hatte im vergangenen Jahre wenig Gelegenheit, grössere Aufgaben zu erfüllen. Er sah in der Erkenntniss, dass wir im kommenden Jahre die Feier unseres zehnjährigen Bestehens ganz besonders festlich begehen wollen, davon ab. dieses Jahr grössere Summen für die Pflege der Geselligkeit anzufordern. Die Beschenkung der Kinder an ChanukkaH war. ausser den Arrangements bei Einführungen, die erste grössere Arbeit des Ausschusses. Dann folgte im Januar ein Familienabend, der durch äusserst werthvolle musikalische und deklamatorische Darbietungen unserer Mitglieder sich auszeichnete.' Wie alljährlich war unsere carnevalistische Damensitzung am Fastnachtmontag ein Hauptereigniss für unsere Brüder und deren Angehörigen, die in selten fröhlicher Stimmung den weit über das Maass der Mittelmässigkeit hinausgehenden Vorträgen lauschten. Bei dem diesjährigen Stiftungsfest folgte der Festloge ein wohlgelungenes Brudermahl. München-Loge, München. Der Festredner unseres vorjährigen VII. Stiftungsfestes glaubte damals bemerken zu müssen, dass bei einer Rückschau auf das seiner Zeit beendigte Arbeitsjafir 1903 1!»04 wenig an positiven, namentlich socialen Erfolgen zu verzeichnen gewesen sei. Dieses