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Bericht der Großloge für Deutschland · 1905-08-01 · Nr. 6 - August · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1905
Issue
Nr. 6 - August
Date
1905-08-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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kann aber schon um deswillen nicht richtig gewesen sein. weil der Enthusiasmus, welcher aus seiner Rede — siehe J Beilage zum Grosslogenberiqht Nr. 5. November 1904 — sprach, zur Genüge bereits bewies, dass viel Schönes und Keiles zu berichten war. welches denn auch dem damaligen Redner zu .seinen begeisternden und begeisterten Worten Anlass gab. Wenn wir run bei Beendigung-des eben abgelaufenen VII. Termines 1904/1905 diesen Rückblick wiederholen, so haben wir dieses Jahr ganz gewiss hinreichende Ursache, uns grosser Erfolge zu rühmen. Diese guten Resultate waren aber auch unserem geliebten Orden und unserer München- Loge dringend" noth'wendig. denn nur auf diese Weise konnte der Riss geheilt werden, der im Orden und in der Loge durch den Heimgang hochverdienter Brüder entstanden war und ist. Beklagt doch unser deutscher Distrikt u. A. den Verlust zweier allerersten Grössen; der eine. Br. Justizrath Dr. Hermann Staub in Berlin, einer der berühmtesten deutschen Juristen aus den letzten 50 Jahren, stellte, sein unvergleichliches Wissen und seine bezaubernde Persönlichkeit in leitender Stellung dem < >rden zur Verfügung. Der andere, Br. Konsul M. A. Simon in Hannover, war der Erste, welcher auf dem Gebiete der socialen Fürsorge in unserem Orden ein geradezu monumentales Werk .errichtete, indem er die Ackerbauschule' in Ahlem und jpäter das Mädchenheim daselbst gründete, gründete mit Hand und Herz und leitete mit Hingebung und Hoffnungsfreudigkeit. in dem sicheren Bewusstsein. dass der Erfolg nicht ausbleiben werde. Wahrlich unersetzlich erscheint uns der Verlust dieser einzigartigen Männer, deren Zugehörigkeit zu uns, deren Arbeiten an unseren Ideen so unendlich viel werbende Kraft für uns besass. und uns mit berechtigtem Stolze auf die Bedeutung des Ordens erfüllte. Aber auch in den eigenen Reihen unserer Loge blieben wir von schweren Verlusten "nicht verschoß. Br. Direktor Mathias Wa h n, ein in profaner und jüdischer Wissenschaft gleich gebildeter Lehrer, vereinigte in sich die edelsten Eigenschaften, welche diesen Beruf von jeher auszeichnen. Br. David Fromm, ein Mann, dem Wnhlthun Bedürfniss war und höchste Befriedigung gewährte, ist uns aus dem vollen Wirkungskreise entrissen worden, während wir noch Jahre lang auf seine Mitwirkung bei allen humanitären Bestrebungen rechneten. Und die Erfolge, die bestimmt sein sollen die schweren Verluste auszugleichen? Nun, der geliebte Orden wächst zu einem gewaltigen Machtfactor im öffentlichen Leben der deutschen Judenheit im Allgemeinen und der einzelnen Gemeinden im Besonderen heran. Immer neue Glieder reihen sich der grossen iJCette an. Zwei Arbeitsstätten in den entferntesten Ost- und Westmarkgrenzen, in Lissa und Metz, bereits im gemischten Sprachgebiete, wurden erobert", ebenso wurde die erste Loge auf Schweizer Boden gegründet und kann der Erfolg gar nicht vorausgesehen werden, wann durch diese Gründungen neue Länder unserem Orden erschlossen werden. ' Und unsere eigene Loge? Ich könnte heute lange berichten, wenn ich eine wahrheitsgetreue Chronik geben wollte Uber unsere Arbeiten auf geistigem, socialem, charitativem und propagandistischem Gebiete. Nicht weniger als 14 Brüder wurden in diesem Termine neu dem Orden hier zugeführt, 2 weitere auswärtige Brüder traten bei uns ein. Interessante, bedeutende Referate und Vorträge wurden gehalten, unter Anderem . besonders von den BBr. Rabbiner Dr. Werner. Felix F e u-c h t w.a n g e r , ) Vice-Grosspräsident J o s e p h W i.s 1 o-c h'. L ü h c z aus Jerusalem. Ober-Cantor Kirschne r i Dr. B 1 umenstein und Dr. August Feuchtwa'nger; ' Letzteres Referat, den Ausbau unseres segensreich ■ wirkenden und stark beschäftigten Schwesternheims '.betreffend, gab und giebt Ahlass zur Lösung einer wichtigenpraktischen Aufgabe, nämlich zur Gründung eines jüdischen Krankenhauses in München. Der sociale Ausschuss bearbeitete die mannigfachsten Ge: biete der. socialen Fürsorge. Sein hervorragendes Werk, das unter der Leitung des Hr. Ex.pWi?'. Adolph Fraenkel organisiert wurde, war die Begründungder Frauer.hilfe. des Kindergartens, des Kinderhorts und der. Unierhaltungsabende ' für hier angestellte jüdische Damen. Die Ausarbeitung der socialen und geistigen Probleme in den Ausschüssen und im Plenum zeitigten auch'einen gegen frühere Jahre bedeutend zahlreicheren Logenbesuch. -Im Zusammenhange mit unseren Neuaufnahmen "kam auch die Geselligkeit zu ihrem Rechte, weit mehr als; in den letzten Jahren: haben wir doch die seltene Freude etlebt, dass bei einem Brudermahle mehr als die Hälfte aller Brüder, zugegen war. Auch der Unterstützung«-AusschusV'-'hat. seines Amtfs mit ■ Herz und Gemüth. mit Vorsicht jijaä Umsicht 'gewaltet. .Alle . wahrhaft der Unterstützung Würdigen; Vereine. Stiftungen und Anstalten wurden mit namhaften $penden bedacht und auch einzelnen bedürftigen Studierenden und Gelehrt'-n wiederholt durch entsprechend*" Zuschüsse die Fortsetzung der Studien 'ermöglicht "oder erleichtert. Ziehen wir das *'•-■..*.'"• * Fach! AUes in Allem-, ein gesegnetes Jahr, ein Jahr, in dem die Biiider sich Ott freuten, den -Sitzungen angewohnt zu haben, in «lern Anregungen verschiedenster Art auf fruchtbaren Boden fielen." •;• v - " 1 Wir stohen nun' am Ausgange des alten, am Beginne / des neuen Termins. Wenn der jüdisch« Hausvater am Ausgange des Sabbaths von dem weihevollen Ruhetage sich verabschiedet und zugleich die kommende Woche beg^rüsst. dann spricht er einen dreifachen Segensspruch und zwar über den Wein, das Licht und 'duftendes Gewürze. Lassen Sie mich diesen Segensspruch zum Aus-.und I'ingange des Logenjahres symbolisch deuten. Der Wein macht die Pulse höher schlagen, .erweckt neUes Leben. Das Licht ist der Gegensatz zur Finsterniss und bedeute! Emancipation, Unabhängigkeit, Freiheit. Das duttende Gewürz ist als Gegenstand des feinsten durchkörperliche Sinnesorgane.uns vermittelten Genusses zugleich das Symbol \des menschlichen Geistes und der ästhetischen,5<fhönheit. Und so möge denn im kommenden Termine, .-die Loge ihre Kräfte weiter entfalten! Ein frisch pulsierendes Leben führe sie zur Entwicklung und zum Fortschritt, der toitschritt führe sie zur Emancipation unser selbst,'.all' unserer' Glaubensgenossen und des gesammten Menschengeschlechts zu den Höhen der Toleranz und Humanität, und die Emancipation lasse uns aut allen Gebieten des Wissens'und K nnens, in der Welt des Geistes und der Schönheit vorwärts streben, damit allen unseren Logenidealen die'ersehnte Erfüllung zu I'heil werde! ♦) Waren in Ihren M<>jrat<ht>riohtrji veröffentlicht.

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