Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 6 - August
- Date
- 1905-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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*-J 81 In dem Referate der Rhenus-Loge über ihre Thätigkeit in den letzten zwei Jahren in der letzten Nummer dieser Berichte wird auch meines im Winter 1903 gestellten Antrages erwähnt. Ich möchte hier einen kleinen Irrthüm des Referenten richtig stellen. Er spricht von meinen die Assimilation der Juden betreffenden Anträgen. Mein Antrag indess spricht nur von der äusseren Assimilation der Jaden. Da das Wort Assimilation zweideutig ist und für weite jüdische Kreise eine odiose Bedeutung hat, liegt mir daran, diesen kleinen Irrthum zu berichtigen. Am besten wird der Sinn meines am 17. November 1903 von der Rhenus-Loge angenommenen Antrags aus seinem Wortlaut zu erkenne sein. Ich lasse daher den Antrag hier folgen, um so mehr, da er auch lür manche Leser von Interesse sein dürfte. „Die Grossloge möge beschliessen: Für die B. B.-Loge muss eine vornehme Aufgabe sein, die Bekämpfung der durch den Druck der Jahrhunderte entstandenen ästhetischen Eigentümlichkeiten und Schwächen vieler Juden, die sich in Benehmen, Sprache, übertriebenem Luxus u. s. w. äussern, die Schuld sind, dass viele Juden im öffentlichen Leben, auf der Strasse, in "Öffentlichen Lokalen, in Badeorten u s. w. auf alle Gebildeten einen unästhetischen Eindruck machen, die zum Theil " j auch Schuld sind, dass die Juden noch sehr oft als fremdes Element angesehen werden, und die mithin auch eine der -hauptsächlichen Ursachen des weit verbreiteten Antisemitismus sind. ' ' i ' Jede der B. B.-Logen soll in ihrem Wirkungskreis die oben genannten Eigenthümlichkeiten und Schwächen zu bekämpfen suchen: durch Anregung,der Selbsterziehung, durch persönliche Belehrung, durch Einwirken auf Eltern. Rabbiner und Lehrer, durch Unterstützung der Entsendung von Wanderrednern, vor Allem durch Unterstützung und Förderung einer alljährlichen Massenverbreitung geeigneter Druckschriften." ) Eine ausführliche Begründung dieses Antrags, die ich seiner Zeit der Redaktion dieser Zeitung einsandte, hat die Imprimatur nicht erlangt. Mainz, den 19. Juli 1905, Dr. Mechanik. August Lamey-Loge In Mannheim berichtet über ihre Thätigkeit im Jahre 1904 05: Das Stiftungsfest am 17. April vorigen Jahres bildete gleichzeitig mit dem Schluss des alten den Anfang des neuen Logenjahres. Durch den w. Expr. Dr. L ö b aus Mainz fand damals die Einsetzung der neuen Beamten statt. In den :>0 Sitzungen des abgelaufenen Jahres wickelte sich folgende Arbeit ab: Vorträge'und Referate wurden gehalten von: Br. B r u n h i 1 d : Ueber „Höflichkeit und Grussformen", Br. Expr. Bensheimer: Ueber den ..Verband deutscher Juden" und über „Buddhismus", Br. D r. F e 1 s e n t h a 1: „Zur Geschichte der Klassenkämpfe im alten Israel", *) In der von mir fOrgc» Magmen' Fassung liiess es ,.zum giossen Theil-'. **) Die letzten Linien lauten in der von mir vorgeschlagenen Fassung: ,,.V. . . Durch Einwirken auf die Kitern und Lehre) als Krzieher der Jugend, auf die jüdischen Geistlichi n als Prediger, durch B. \ influ-.snng der jüdischen Fachpresse, dureh alljährliche Entsendung von Wanderndnerif untei die jüdische Landbevölkerung, vor AMcm durch all jährlich in Masse tu verbreitende geeignete Druckschriften.*' Br. Leop. F r i e d m a n n: Ueber' ..Arbeitsnachweis und Arbeitsstätte". Br. Expr. Dr. Uoses: Ueber „Das Studium unter den Juden". Br. M. R o l h s c h i 1 d :..,-Der Kaufmarfnsstand von heute". Br. I. Hartbg: Ueber ..Joseph Israels", und über „Den Arbeitsnachweis in Berlin und den Verein zur Förderung ' i der Bodenkultur unter den Juden an Hand der letzten Jahresberichte". Br. Dr. J. Straüss: Ueber die Schrift von Fab. Schach; „Die Zukunft Israels". Br.'Gernsheimer: ,,Mairnonides'\ f Br. Dr. F. Fulda: „Die Gesundheitsverhältnisse der Juden". Br. Consul S i m ö n: Ueber „Den Ferndruckapparat mit Demonstration desselben". Am 28. Dezember fand die Kinführung zweier Kandidaten statt. Auch zwei Traüerlogen, — zu Ehren der Heimgegangenen BBr. Expr. .Jacob: Liebmann und Max Mann — führten die Brüder zusammen. ..'Ein mehrfacher Bestich des Vertreters der Grossloge, des Expr._-Br. Ferd. L i e b h o td jaus Heidelberg, veranlasste Debatten über das Ritual, die ■ 'Krankenschwesterfrage und die Enquete über die Lage "der Juden in Hessen. Anlässlich der Tagung der israelitischen Landessynode veranlasste die Loge, den w. Präs. in seiner Eigenschaft als Synodalen, eine Resplution betreffs „Förderung des jüdischen Gemeinschaftssinnes »ei der heranwachsenden Jugend" einzubringen. Ueber die beifällige Aufnahme dieser Resolution und den sonstigen Verlaur>de.r Tagung erstattete der w. Präs. Bericht. Gleichzeitig fand damals in Karlsruhe auch eine Sitzung der „Vereinigung badischer Israeliten" statt, zu welcher" Br. Expr. Dr.'J e s e 1 s o h ri als Vertreter der Loge delegiert würde. Derselbe nahm die Gelegenheit wahr, eine Aussprache über die Tendenzen dieser Vereinigung in der Loge herbeizuführen.. Die auf Initiative des verstorbenen Br. Consul S-i m o n aus Hannover erfolgte Regelung der Auswanderung der Juden aus den östlichen Ländern und eine zu diesem Zu ecke einberufenejKonferenz nach Frankfurt a. M., an" welcher aüch unser Br. Expr. Dr. Möses theilnahm, hat wiederholt die Loge beschäftigt, einmal in Anwesenheit des Br. Consul .Simon aus Hannover. Auf Wunsch der Loge nahrhen mehrere BBrr. an deivGeneralvertammlungen des Vereins zur Förderung des Handwerks und der Passantenkasse dahier - theil-_-und brachten unsere Anregungen zum Ausdruck. . Diese fänden geeignetes Gebot. Je ein Bruder trat in den Vprstand beider Vereine ein. Auch bei der in "diesem Winter hier gegründeten Filiale des Hilfsvereiijs der deutschen Juden waren hauptsächlich Brüder unserer Loge mitwirkend., Unsere Bibliothek würde theils durch Anschauung jieüer ßücher,, theils durch freundliche Zuwendungen seitens unseres Br. Exp. J. Bensheimer bereichert. Auch wurde, auf die neue Zeitschrift der Statistik der Juden abonniert. Eine Arbeit, die uns den ganzen Termin hindurch in Anspruch nahm, war die Revision unserer Statuten.- In zahlreichen Kommissionssitzungen, die theilweise auch während der Ferien stattfanden, und in acht Plenarsitzungen wurde die Angelegenheit — durch den w. Präs. Br..Dr. Staadecker energisch gefördert — nach eingehender Berathung zu Ende geführt. Die W o h 11 h ä t i g k-e i 1 s b est* e b u n g e n unserer Loge werden theils durch unseren Frauenbund „Caritas", theils durch unseren Unterstützungsausschuss erledigt. » -•' . tt I •/