Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 6 - August
- Date
- 1905-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 77 — Anschauungen zu erläutern, auf ein Beispiel hinweisen, dass nämlich in einen mir vor Augen stehenden Falle erst scharfe Debatte und Abstimmung darüber stattfinden musste, um Frauen zu den s< nst öffentlichen Discussionsabenden eines jüdischen — Litteratui Vereins zuzulassen. Und selbst dieser Erfolg war nur Zu fallsmajorität. . . ■« V ''■■*» Aber aucli unser OrdeD, der freilich zu einer Zeit ge gründet wurde, als eine Frauenbewegung noch nicht zu existieren schier, der Orden, der jeden edeldenkenden Is raeliten einladet zur Mitarbeit an den wichtigsten Cultur gutem und den Pflichten der Sitte und des Glaubens, wie verhält er sicli gegenüber den Frauen? Heute, da die Frau politisch ihr R< cht fordert, da sie in Bildungsstätten, im Cömmunalwesen, in tausend praktischen und theoretischen Fächern ihre geistige Fähigkeit, ja Ebenbürtigkeit bewiesen hat, da sie eir gedrungen ist in den freiwilligen Armen-, Fürsorge-, Sam« riterdienst, da sie sich im Krieg und Frieden', in Leid und Noi h als die treue Mithelferin des Mannes erwiesen hat — wird sie vom-Orden-LL 0. B. B., einem der edelsten Institut i der Welt — ich muss es otten aussprechen — i als nebensächlicl betrachtet und ihr je nach, Lust und Belieben der Bräler ein Arbeitsfeld gelassen und bewilligt. Ja, von vielen ] St iidern wird sie wegen verschiedener Eigen arten ihres Geschlechts mit Misstrauen betrachtet und absichtlich von Loj;engebieten fern gehalten, da man von ihrem Eingreifen Störungen befürchtet! Gewiss haben Frauen Felder, die in ihrer Nf tur, in ihrer bisherigen Zurücksetzung begründet sind, u ld man sagt speciell der modernen jüdischen Frau nach, dass sie Vieles von den Vorzügen ihrer Vorfahren eingebüsst, und vieles Naclitheilige von der modernen Flachheit und Blasiutlieit und < »beiflächlichkeit zugelernt habe. Soll aber darum das .Erziehungswerk, das wir mit vollen) i.Recht und eifrigem Bemühen bei den jüdischen Mänueru anstreben, vor dei Frauen Halt machen, muss es nicht um so eher in Angriff genommen werden, weil sie es mehr bedürfen? Warum in alle ■ Welt macht der Orden heute noch in der Renaissancezeit des Fraupngeistes Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Israeliten:1 Warum hat er nicht gleichmässig Bri der uud Schwestern in gemeinsamer Tagung und Thätigkeit? Warum soll die Frauenwelt eutweder einen ■Staat im Staat* oder eiuen ganz indifferenten Theil bilden? Das ist es, was ich jetzt nicht mehr verstehe! Bedarf es denn besonderer brauen-, Schwester-Logen und -Vtreiniguugen? Können sich dtun nicht Brüder und Schwestern in gemeinsamen Sitzungen gegenseitig anregen und belehren? Muss denn in den Logen, wo die Frauen Interesse zeigen, alles doppelt sein ui d somit eine Unsumme von Zeit. Geist und Kraft unnütz vt rthan werden? Was in aller Welt können bei unseren Berufungen Frauen nicht hören und verstehen? Giebt es nicht g anze Gebiete, wo die Frau mehr zu Hause ist als wir, z. B, bei der Beurtheilung der Psyche der Kinder, bei ihrer Bei ufs Erziehung, bei den Mädchenberufen etc. etc., jedenfalls besser als noch so grundgescheute Männer? Können wir uns da nicht durch sie in der Debatte, oder durch Vorträge, Referate oder Commissionsberichte informieren lassen? Und wiederum, können wir nicht in vielen Dingen des Lebens die praktisch unerfahrenen Frauen belehren und anleiten? Vor allem können wir sie nicht ebenfalls mit dem sittlichen Ernst und dem Pflichteifer imprägnieren, den uusere f gewaltige Ordeusaufgabe Von jedem Mitkämpfer erfordert, da es gilt: die Verjüngung des Judenthums und die recht- , liehe und materielle Existenzsicherung seiner Bekenner V. — Was steht im Wege? Vorurtlieil, Gewohnheit und — Ritual!! In diesen Ausrufungszeichen liegt schon die Verurtheilung des Reglements, des überlebten und überflüssigen, ja schädlichen Systems! * - - Heute sendet der Orden.weibliche Apostel nach Galizien; in die Brutstätten des Mädchenhandels, heute pocht die Frau au die Pforten des ihr ebenfalls, verschlossenen Gemeindeuud Kirchen- resp. Synagogenwesens und Wird sie sich öffnen! Es ist an der Zeit, dass unser geliebter Orden, wie er, allen \ anderen Vereinen voraus, als Pfadfinder und Lichtträger ein Vorbild ist, auch der jüdischen Frauenwelt eine gebührende, vollrechtliche Stellung einräumt und ihr die Hallen unserer Tempel rückhaltslos und bis in. alle Konsequenzen erschliesst! Er würde damit ein ungeheures Gebiet dem Inditferentismus und dem Halbthun abringen, und. erst dann mit Recht von sich sagen können, dass er alle edeldenkenden Israeliten um seine Fahne und um die Güter des' Judenthüms scliaai t! — — — Wie einfach \llcs-_und warum nicht wirklich' Wie kommt es, dass diese Idee mir selbst, der,ich 5 Jahre im Logeuleben nicht ohne Eifer stehe rund sogar immer die Beschäftigung der Frauv— so .-nebenbei natürlich - Befürwortet habe, wie eine blitzartige ()neubaruug erst jetzt in die Seele drang unddort zur Erkenutniss und begeisterten l'eberzeugung ward? Wenn! ich nicht die in der Einleitung gebrauchteh Woite für mich zur Entschuldigung hätte, wahrlich ich würde mich vor mir selber schämen! Und ebenso wird es fast jedem Leser dieser-Betrachtung ergehen. Gleichgültig wird mein Appell keinen lassen, tlavon bin ich überzeugt; der Artikel wird Rede jund Gegenrede in Hülle und Fülle hervorrufen, es wird ufiese meine Idee alle Etappen einer richtigen Idee durchzumachen haben: Verwunderung. Widerspruch. Verkennen, selbst. Höhn; "dann halber Versuch, Enttäuschung, dann richtige- Anwendung und schliesslich durchschlagender Eltolg und Serbstverständlichkeit! Möge dieser Prozess zum Seg«n des <'rdeus «ich schnell vollziehen,' las ist mein innigster Wunsch. •*»**'' .,- I. :.£."'-'-.* . Dr. med. J. L e w y - Danzig. Die Installationsfeier der Basel-Loge. ':* ' '■ ••' * ■. Etwas spät komme ich dazu, über die bereits am 14. Mai er. abgehaltene Instaliationsfeierlicbkeit der Basel- Loge zu berichten. Die Gründe der Verspätung sind nebensächlich, nur sei mir erlaubt; darauf hinzuweisen, dass ich selbst ein Neuling in der Berichterstattung über Logenfeiern bin, zudem als ahnungsloser Theiinehmer, der nicht wusste, dass er nachher zum Referent erkoren sei, keinerlei schriftliche Aufzeichnungen besitze, 'sondern dass ich mich ganz auf mein nicht gerade phonögraphenhaftes Erinnerungsvermögen verlassen muss.. Aber diese Installationwird mir nicht aus dem Gedächtniss entschwinden. Sie bedeutet ein Ereigniss tür den ganzen Orden. Die erste Loge auf Schweizerboden wurde am 14. Mai eingeweiht irr einer, Stadt, die unter den Juden