Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 6 - August
- Date
- 1905-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Nachdem er die Ziele und" Aufgaben im obigen Sinn erläutert gipfelten .seine -Ausführungen dahin:, Ein System in die prak tische Fursorgethätigkeit zu bringen, eine planlose l nter stützungsmethode zu verhüten, einen zielbewussten, gemein nützigen Wirkungskreis der Logen scharf zu umgrenzen um das Augenmerk dahin zu lenken, wo es in der jüdischen Wohlfahrtspflege fehlt. Die einzelnen Aufgaben werden je einem Subcomit« zum Studium umLzu Vorschlägen überwiesen Die BBr. Albert Bloch, Maximilian Stein und Bach übernahmendie Frage der Jünglingsbezw .1 u ge n Vverei ne die S ä u g 1 i n gs p f 1 e.ge (ehelich und ausserehelichi werden die BBr. Joachim, Sau.-Rath Fi. W o 1 f f, Geh. Rath B a e r, Julius Coho bear l'eiten; die in Aussicht zu nehmende Errichtung eines M ä d c h e n h e_i m e s werden die BBr. M a r e t z k i , J u 1 C o Ii u_ und Aron Hirsch bearbeiten. Alle Subcomites a liehan den Vorsitzenden schriftlichen Bericht el statten. Nach Eingang eines Berichts wird der Vorsitzende das Gesammtcomite einberufen. Die Frauen sollen zur Mit arbeit herangezogen werden, indessen soll vor der Hand die vorbereitende Thätigkeit des socialen Comites auch ohne die bewährte Mitwirkung der Frauen erfolgen. Es wird ferner in Aussicht genommen, über die zunächst noch Dicht in den praktischen Arbeitskreis des Comites genommenen Aufgaben die .-ich als Ergebniss einer eingehenden Diskussion heraus gestellt haben. Referate uud Vorträge halten zu lassen Ii Die Wohnungsfrage in der armen Bevölkerung (Br. Lua*- M i g B ehr » . ± Rek'oin alescentenheime für Männer (Br San.-Rath W o 1f f) Die Mädchenberufe und die Töchter in der Familie Erziehung (Br. Dr. M ar e t zk i); 4. Ein Arbeitsnachweis für Bessergestellte (Br.. E Caspary); ä. "Die Fliege der Geselligkeit (Br. Julius Wagner): 0. Dir Frauen in der Wohlfahrtspflege (Br. Maximilian S t ein). ■' -; N.i-lidem die Anwesenden je nach dem Umfang ihrer Faclikenutnis.se ihre Beobachtungen über die einzelnen Berat hungsgegenstäude mitgetheilt, praktische Vorschläge für eine planmässige Durchführung gemacht und ihre vollste Zustimmung für die Art und Weise, wie nach dem Vorschlage des Br. .Joachim die Einzelarbeit des Uutercomites nach dem Muster der Toyubee-Stellenverwaltuug ausgeübt werden - . . 2eo;ri7ii haben, wurde durch das Resume des Vuisitzenden festgestellt,, da» es der Wünsch des Comites ist. alles zu Sehalfende zutiäclist den Logen allein zu überlassen uud andere ausserhalb stehende Korporationen und Private erst später in Anspruch zu nehmen. Die Frau im Orden U. O. B. B. Wenn das Einfachste immer auch das selbstverständlich Vorhandene wäre, brauchte man über die v on mir jetzt vorzubringende These nicht viel Worte zu verlieren, sie wäre eben lärgNt verwirklicht. Aber die menschliche Natur scheint data t' implicierte, das Verworrene dem Einfachen, dem Klaren zunäi ii.-t vorzuziehen und gelangt immer erst nach vielen Abwegen und Umwegen zur schlichten Wahrheit, sie gefällt »ich, wo wir auch h«tasten, zuerst in verwickelten Problemen, über, deren Notwendigkeit und Zweckmässigkeit eigentlich von vorn herein sehr starke Zweifel herrschen müssten, und ergeht sich in tausend phantastischen Systemen und Methoden — bis ihr mal gelegentlich die Schuppen vom Auge fallen uud sie sich, wie pach einem Traume, fragt: „Ja! Warum das AllesV Ist es nicht viel vernünftiger, dies Alles zu streichen und der einfachen, simplen Wahrheit die Ehre zu geben?-1 — Solches geschieht auf dem Gebiete der Politik, vor Allem in den Streitereien religiöser Art, spielt sich ab in unserem wirtschaftlichen und socialen Leben, im Gemeindewesen u. s. w. Schliesslich kommt ja die Erkenntniss und die Einführung des Wahren wohl fast immer, leider aber oft so spät, dass vielen ungezählten Generationen ihre Wohltaten vorenthalten bleiben. Ich möchte iu diesem <Raume nur die Stellung der jüdischen Frau und speciell im < »rdensleben untersuchen. Anlass dazü hat mir die im letzten Monatsbericht veröffentlichte Enquete über die Schwestern-Logen, Vereinigungen etc. gegeben und die Wahrnehmuug der verschiedensten, oft entgegengesetzten Urtheile, über Zweck und Notwendigkeit olcher Vereinigungen. Während einzelne Logen ganz entzückt über solche Einrichtungen waren oder thaten, und sich nicht genug von dem Wirken der Frauen-Logen oder -Vereinigungen versprachen, urtheilten andere, zurückhaltender, ja sogar abmähnend nach verschiedentlichen Enttäuschungen etc. Andere wieder hielten sie bei der Existenz der Gemeinde- Frauenvereine mindestens für übeitlüssig. Jedenfalls schien lie ganz*' Frage mehr künstlich aufgeworfen, als aus dem innersten Bedürfniss heraus entwickelt zu s^in. vielleicht auf die Anregung einiger (reibenden Kräfte, denen die ändern Brüder und auch die Beteiligten selbst, die Damen, nur zögernd ja widerwillig zu folgen schienen. Daher auch die nicht berühmt grossen Arbeitsgebiete, die den Schwestern zugewiesen waren, die lahmen Versuche, die halben Schritte, lie Enttäuschungen etc. etc. - "Im Allgemeinen entspricht die Beurteilung der Schwestern der Stellung, die im Leben und speziell bei uns Juden den Frauen eingeräumt oder gelassen wird. Alles Andere denn Gleichberechtigung! Die Frau ist je nach der Männer Laune etwas Höheies öder Niederes als die Männer, meist letzteres; entweder zu schade oder zu untauglich für die Tages- Beschäftigungeu und -Probleme. In der jüdischen Religion wird die Frau ganz auf das Haus verwiesen, sie zählt nicht zum Miujan und Mesumen, kann nicht dem Todten das Auleuken durch Kadisch bewahren, braucht kaum die Synagoge zu besuchen, braucht nicht zu „lernen", d. h. Thora etc. zu cenneu; ja, das höhere Studium, z. B. Talmud, ist ihr chädlich! Die Religion ignoriert sie gewissermassen und sperrt sie, besonders in den Ghettoländern, noch in ein eigenes, Frauenghetto in Bezug auf Tracht, Sitte und Anschauungen.' Und vieles davon ist uns Modernen noch haften geblieben. Whschätzen die Frau noch immer zu hoch oder zu niedrig, jedenfalls aber noch immer falsch ein. Wir verwenden lange nicht das Interesse für unsere weibliche Jugend wie für die männliche, arbeiten an der Erziehung der Frauenwelt viel weniger als bei der Männerwelt und lassen uns durch Vor-; urtheile direkt abschrecken, unsere weiblichen Glaubensgenossen zu überzeugten Mitarbeitern bei unseren idealen Bestrebungen, zu bewussten Hüteriinen unseres Glaubens zu machen! Und doch sollen sie die nächsten Generationen, d. h. die Zukunft des Judenthums, grossziehen und leiten!. Ich will nur, um die Lächerlichkeit unserer antediluvianischen