Mannheim
Compact Memory

Bericht der Großloge für Deutschland · 1905-08-01 · Nr. 6 - August · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1905
Issue
Nr. 6 - August
Date
1905-08-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/4864325-6028966-6074119--0916-4865078
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sorgsam »rjrogen ist, -ine umfassende Agitation betreiben müssen, um (Üf D»thigen Geld« aufzubringen. Die»«« Werben winl um 80 sicherer vor sieb gehen könneu. je klarer und bestimmter die Wohlfahitseinricht«4g begründet ist. die Bereitstellung dfg Mittel wird »im so. erfolgreicher sein, je unzweideutig: dir Notwendigkeit und Zweckmäßigkeit, je gesicherter die Ausführbarkeit klargestellt werden kann. Die Agitation soll ferner ' nicbt_ individuell sein, darf sich nicht auf Einzelpersonen erstrecken: mit ebensolcher Intensität na isstefl Beh<>rdeB und Vereine, herangezogen werden, und da-- kann" mir Fug ui.d HeHit geschehen, es kann ihnen mit a. -in Grind bewiesen weiden, dass sie ein grosses Jnteresse haben müssteii. dass sie ideellen un«L materiellen Vortheil haben, derartige Wohlfahrtseiuriehtuugeh zu subventionieren, da '.«olelie! Institutionen zum Wohle der Gemeinde beitragen, die wirtschaftlich-, geistie- und sittliche Lageheben und bessern. —*■ liehen wir nun zu dem speziellen Theil unserer Dar- >teUung ober, so kennen diese hier nurjri kurz-n fnirissen gezeichnet werden, die nähere Erörterung muss der' F.inzel- Wrathung vorbehalten bleiben. — Die Wohnungsverhaltnisse unserer armen jüdischen Bevölkerung urassten untersucht werden. Das isr eine Forderung, die von .Fahr zu Jahr Iringenper wird. Die Posener Loge ist uns darin mit gutem Beispiele vorangegangen. Die t'ntersQchang wird »uns manchen nützlichen Fingerzeig geben, wie mafi am besten hellen kann, 'sie wird uns üut Schäden aufmerksam machen, die sich bis etzt unserer Kenntniss entziehen, sie wird förderlieh s'eiir tür nygienjäche Massnahmen. Sagt doch einer unserer bedeutenditen Ifygienityer. Prof. ('. Frankel. ..Die starken Wurzeln ibrtf Kraft hat, ilie Tuberkulose in -<len Hänseru und W ohnungen, in engen, übervölkerten Quartieren, in denen Ifie Schwindsüchtigen weilen und ilie von ihnen gelieferten Keimnun bequeme und sicherer vor alleh feindlichen Gewalten.. mi namentlich dem Lichte, geschützte Schlupfwinkel Iuierhalb der Familien.' in ihren dürftigen und weit fiber das zulässige Maa»s hinaus besetzten Gelassen, in Arbeifsstut«B, unter Menschen., die in geschlossenen, schlecht gelüfteten und gereinigten Rannten zusamnrengehäuft leben, 'aibeiten and schlafen, bftlt-sie ihre reichste Finte, fordert siemir Vorliebe ihre Opfer." Als mögliche Abhilfe «lenke ich mir, dass ein- AuzaliJ freiwilliger oder bezahlter Krälte gewonnen werden, die periodisch die Wohnungen besichtigen, die Insassen auf Lüftung und Reinlichkeit aufmerksam machen, solches aUfli veranlassen und kontrollieren, über den Befund regelmässig eiber Ceniral-Ueberwachnngsstelle berichten, welche für Abstellung von Missständen sorgen kann. Es dürfte das auch gleichzeitig eine dauernde Erwerbs-|rieHe für viele brodlose"* Männer und Frauen sein. Selbstverständlich müssten Iii—ifvu besonders angelernt werden.«- rn unserer Gross- Elemente. die eine ikenntniss ausführen stair giebr es eine luzahl gebildeter Soli he Thätigkeitgeschickt uml.mit Sac 'könnten! — x Bei <ler Untersuchung der Wohnungen wird man auf eine grosse Anzahl alleiasiehender junger Mädchen und Frauen Bto5wj»^*die in ir gend einem Beruf thätig sind. Das; führt uns zu einer anderen Aufgabe. Sehr viele. Mädchen und Frauen, di^ als Angestellte in Geschälten. Bureaux oder Fabriken oder anderweitig ihr Brod verdienen, wohnen ohne jeden Familieiianhaug. Wie sie dort wohnen, leben, verpflegt werden, wissen wir nicht; ob sie Gelegenleit zu geistiger Fortbildung und guter Geselligkeit, haben, rissen wir'ebenfalls nicht. Wie Br. J n 1. Cohn berichtet, ist durch keine Stiftung tür Mädchen unter 15 Jahren irgendwie gesorgt, alle bestehenden Stiftungen der Gemeinde und der Stadl Berlin haben nur Frauen über 4.1 Jahren bedacht. Die damaligen Stifter haben mit dem jetzt so ausg'dehnten Frauenerwerb nicht gerechnet. Es winl die Errichtnag von Mädchen- Jiemien ins Auge gefasst werden müssen. Wn und in welcher Form wird das sociale ('omitä begutachten müssen. Auch die Kinder dürfen unserer Fürsorge nicht entbehren; Die Säuglingssterblichkeit ist in Btrlin immer noch eine gi'osse; hier soll unsere Thätigkeit durch geeignete Massnahmen einsetzen durch Belehrung, Beobaclitung, Kontrolle und Darreichung von gesundheitlich unanfechtbarer Nahrungsmittel u. s. w. Der hiesige Magistrat hat bereits Fürsorgestellen für Säuglinge eiugericutet; man wird dafür soigen müssen, dass diese Wohlfahrt von unseren jlaubensgenossen benutzt wird,' zumal diese nicht in das Gebiet der gesetzlichen Armenpflege fällt (unsere Glaubensgenossen siud sehr empfindlich) auch in , diesem Punkte i. woran! noch ganz besonders aufmerksam zu machen sein wird. Als Endziel dieser Bestrebungen wird man daran denken könmn, ein Säuglingsheim zu schaffen, da auch in jüdischen Kieisen die Mütter auswärts arbeiten müssen. Eine fernere Aufgabe wird es »ein. das Lous der unehelichen Kinder zu bessern. Es werden jährlich in Berlin 00 aussereheliche Kinder von der jüdischen Mutter geboren. Mehr und mehr bricht sich die Ansicht Bahn, dass diesen Parias der Kinder weit, bisher unendlich vernachlässigt, eine ganz besondere Aufmerksamkeit zugewendet werden, ihre Erziehung überwacht und geleitet werden muss. Die Erfahrung lehrt, dass solche Kinder vielfach dem Verbrecher thum anheimfallen. Vielmehr müsste nach der Vaterschaft geforscht werden, die Vater unnachsichtig zur Alimentation gezwungen werden. Die Gewissenlosigkeit so manches Vaters ist geradezu sträflich. Mit unseren - heutigen Anschauungen verträgt es sich schlecht, dass die Verführer ausser jeder Verbindlichkeit gelassen werden. Auf 'dem Gebiete der Gesundheitspflege ist noch viel, sehr viel zu thun. Bei der weiten und tiefgreifenden Verbreitung der Nervenkrankheiten unter unseren Glaubensgenossen wird man baldigst daran gehen müssen. Volkssanatorien für Nervenkranke einzurichten. Die Erfahrung lehrt, dass diese Kranken in Sanatorien bei längerem Aufenthalt, geeigneter Behandlung unl guter Fliege schneller genesen und mit dauernderem Erfolge. Sie lernen dort, wie sie sich halten sollen, worauf sie zu achten haben, und können die Lehren für später im Hause zu ihrem Besten verwenden. Ein.e ambulatorische Behandlung in Polikliniken kann das Alles durchaus nicht leisten, weil das häusliche Elend die Xei vengesundheit niederdrückt, jede leichte Besserung bald wegwischt, und von jeher dringen die Aerzte darauf, Nervenkranke aus der täglichen l'mgebung zu entfernen. Ich habe nicht im Sinne, Anstalten tür jüdische Geisteskranke zu empfehlen; ich sehe keine zwingende Notwendigkeit dafür. J)abei müssen wir in allererster Reihe an die Männer denken. Sie"~~sind immefji noch die vorwiegend erwerbenden Faktoren in der Familie. Sie stellen auch ein grosses Kontingent für N-rvenleiden. Neurastheniker und Nervenschwache sind in grosser Zahl unter den Männern vertreten. Diese Krankheit

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.