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Bericht der Großloge für Deutschland · 1905-06-01 · Nr. 5 - Juni · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1905
Issue
Nr. 5 - Juni
Date
1905-06-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 66 — ein Gegenstand des blinden Glaubens so lange unter demselben erhalten, bis sie endlich in den helleren Köpfen zu einem Vernunftbegrirr' reifen konnte. Dadurch wurden einem grosses Theil des Menschengeschlechts alle die traurigen Irrwege erspart* worauf der Glaube an Vielgötterei zuletzt führen muss, und die hebräische Verfassung erhielt den ausschliessenden Vorzug, dass die Religion der Weisen mit der Volksreligion nicht in direktem Widerspruch stand, wie es doch bei ien aufgeklärten Heilen der Fall war. Aus diesem Standpunkt betrachtet, muss uns die Religion der Hebräer Ha ein wichtiges universal-historisches Volk erscheinen, und alles Böse, welches man diesem Volke nachzusagen gewohnt ist, alle Bemühungen witziger- Köpfe, es zu verkleinern, weiden uns nicht hindern, gerecht gegen dasselbe zu sein. Die l'nwürdigkeit und Verworfenheit der Nation kann das erhabene Verdienst ihres-Gesetzgebeis nicht vertilgen, und " euspwenig ''eil grossen Einfloss vernichten., den diese Nation mit Recht in der Weltgeschichte behauptet. Als ein unreines und gemeines Gefäss, worin aber etwas seht Kostbares aufbewahrt worden, müssen wir sie schätzen; wir'' müssen in ihr den Kanal vei ehren, den, so unrein er auch war. die Vorsicht erwählte, uns das edelste aller Güter, die Wahrheit, zuzuführen; den sie aber aucli zerbrach, sobald er geleistet hatte, was er sollte.- Auf diese Art werden wir q-Iricli weit entfernt sein, dem hebräischen "Volke einen Werth aufzudringen; den es nie gehabt hat, und ihm ein Verdienst zu rauben, das ihm nicht streitig gemacht werden kann.'" Aus diesen Worten, —' die uns allerdings erkennen la*>en, dass auch Schiller mitten in dem Vorurtheil der damaligen Welt noch steckt, sonst jvürde er nicht von einer l'nwürdigkeit und Verworfenheit der Nation oder von einem unreinen Gefässe reden, mit dem er Israel vergleicht, ohne wenigstens die Verworfenheit oder diese I nreiuheit, wenn sie voihaudeu,.auf diejenigen zurückzuführen, die durch ihr Verhalten das „Gefass" zu einem unreinen gemacht haben. — , i aus dieseu Worten, so seltsam sie auch klingen, zumal aus dem Munde eines Schiller/ spricht die nach Gerechtigkeit lechzende Dichterseele, die das welthistorische Verdienst Israels, trotz der vermeintlichen Inreinheit, die ihm anhaften solir». vollauf zu würdigen weiss. I "ad anch ob dieses Freimut hs gebühret dem Dichter Lob, zumal wir ihn bei so Bauchem Gelehrten heute, wo ja seit Schiller wiederum 100 Jahre durch die Welt gegangen, leider vermissen müssen. Ich nenne die Treitschke. die Bockel u. s. w., die Männer, die <len modernen Antisemitismus gezüchtet, siet die geistigen Fahrer ihre« Volkes, die doch ohne Rücksicht auf die jeweilige Yolksstiömung der Welt die Wahrheit verkünden sollten, denn sie ist ja aller Wissenschaft höchstes Ziel, um den geistigen Krenzzug zu predigen gegen die Unterjochung der Minderheit, um zu kämpfen gegen h?ne finsteren Mächte des Hasse* und der Zwietracht,, die die edle Saat der Bruderliebe, der Menschlichkeit zei treten wollen. So möge denn der Geist eines Schiller — und mit diesem gerechten Waneebe soll mein Vortrag enden — wie vor hundert Jahren die Weit durchdringen, die Herzen' wiederum bezaubernd durch die Stimme der Wahrheit und der Gerechtigkeit, der Freiheit und der Brüderlichkeit, und die Welt, die gar manchmal es liebt, in eine Zickzackbewegung zu verfallen, sie rindet wieder ihre Richtung, den Weg des wahren Fortschrittes, der zur Beglückung der Menschheit fuhrt. Doch wer sehnt sich mehr nach einer solchen Wendung der Dinge als Israel, das vor hundeit Jahren seinen Freiheitstiaum verwirklicht glaubte, wählend es heut noch sein Recht, seine politische und gesellschaftliche Gleichstellung, in manchem Laude sogar dieelementarische Freiheit sich erkämpfen muss. Darum erscheinen wir heute unter den ersten, zu huldigen dem grossen Sänger und edlen Menschen. Ihm darreichend zu dem alteu Kratz der Unsterblichkeit das frische Grün der Liebe, geloben wir's in feiei lieber Stunde, im Sinne des Dichters, zu jeder Zeit hochzuhalten das Banner des Glaubens. der Freiheit, der Bruderliebe und der Menschlichkeit. Und wenn die Welt aus Liebe und Dankbarkeit ihm Denkmäler errichtet aus Erz und fcfarmorstein, so wollen wir den Dichter feiern durch unsere Thaten. Die Organisation der Logenschwestern. /tammelbericht erstattet von Dr. .7<iliu> Ii 1 n m i Heidelbergi. Im Januar 1004 versandte die F'iedrich-Loge zu Heidelberg an sämmtliche Logen ein Rundschreiben:, dessen wesentlicher Inhalt folgende Fragen bildeten: , 1. Sind bei Ihnen Vereinigungen von Logenschwestern vorhanden.' 2. Welche Zwecke verfolgen sie? Sind die Frauen der Brüder, ohne eine Vereinigung zu bilden; im Anscliluss an die Ziele der Loge in irgend einer Weise thätig? 1. (Falls 1^-5 verneint wird. Besteht bei Ihnen ein Bedürfniss zur Heranziehung der Frauen zur Logenthätigkeit, speziell der Wunsch nach einer geschlossenen Organisation? / Ausser uns gab es damals 56 Logen in unserm Distrikt; von 51 91% wurde unser Rundschreiben beantwortet zum Theil in liebenswürdiger Ausführlichkeit und;unter Uebersendung von Statuten und Jahresberichten. Wir gestatten uns in folgendem, die Resultate unseres Rundschreibens in grossen Zügen bekannt zu geben, weil wir annehmen, dass das Ergebuiss. für alle Logen von Interesse sein dürfte. Ohnedies hat uns eine grosse Zahl der Logen in ihrer Zuschrift um diesbezügliche Mitteilungen gebeten, welchem Ansinnen wir hiermit, wenn auch etwas verspätet, nachkommen. Zugleich danken wir an dieser Stelle allen verehrlichen Logen für ihre ertheilten Auskünfte. Im positiven Sinn haben sich 21 Logen geäussert; davon besitzen 15 eine geschlossene Organisation: Strassburg, Frankfurt, Magdeburg, Dresden, Mannheim, Kattowitz, Posen, Tliorn, Kempen, Coblenz, Halle, Beuthen und! die $ Berliner Logen; 6 haben nur eine (theilweise rechtj zwanglose Vereinigung: Görlitz, Gotha, Würzburg, Erfuirt, Kiotoschin, Hannover, davon planen 'die beiden letzteren eine straffere Organisation. Die geschlossenen Organisationen findpn sich unter den Namen: Frauehloge, Frauenbund, Frauenvereinigung, Schwesterubund, Schwesternverein, Schwesternloge, und sie befassen sich in ihrer Mehrheit mit der Wohlfahrtspflege in der ganzen Ausdehnung, wie es auch sonst idie allgemeinen Frauenvereine zu thun pflegen: Unterstützung ton verschämten Armen, Unterstützung und Pflege armer Wöchnerinnen und deren Kinder, Unterbringung, sittlich verwahrloster Kinder, Errichtung von israelitischen Kinderhorten, Pflege schwach begabter Kinder, Beaufsichtigung bei den \ Schulaufgaben, Ausrüstung von Ferienkolonien. Unterricht ufld Fürsorge für Schulentlasseue Kinder. Förderung jüdischer Mädchen behufs Erreichung eines Berufes, Unterstützung alleinstehender junger Mädchen durch Arbeitsnachweis und Geldhijlfe. allgemeine Vermittlung von Arbeitsgelegenheit u. s. w. u. s. w. Die mannigfaltigsten Kombinationen finden sich in den einzelnen Arbeitsprogrammen. Manche Logen | haben sich ein ausserordentlich umfangreiches Arbeitsfeld auserwählt, aber sie linden Befriedigung in ihren weitgehenden Bestrebungen und erzielen gute Resultate, andere dagegen versprechen sich

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