Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 5 - Juni
- Date
- 1905-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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den Freund, dort in Weimar, wo ein guter Engel mit dem zweiten grossen Dichtergenie, mit Goethe, ihn zusammen führte, und ein Freundschaftsbund geschlossen war, der für beide die segensreichsten Folgen hatte. Welches mächtige Band die beiden umschlungen hielt geht hervor aus Goethes Epilog zur „Glocke", aus jenem herrlichen Gedichte, in dem der Freund dem verstorbenen Freunde die Gedächtnissrede hält. (Br. Referendar Hoch schild wird nachher die Liebenswürdigkeit haben, dasselbe zum Vortrag zu bringen.) Was Wunder, wenn Schillers schönste Ballade der Freundschaft ist gewidmet! In der „Bürgschaft setzt er ihr ein Denkmal rührendster Art, in ihr die Hoch herzigkeit des Freundes besingend, der bereit, für den Freund in den Tod zu gehen. Und wer für solche Freundschaft einen Sinn, verdient er es nicht, dass Verbände, wi/ die des Bnei Briss-Oidens. tli»- wahre Freundschaft begründen wollen, seinen Namen wie den eiues Heiligen verehren? Auf echter Freundschaft beruht die Bruderliebe, jenes hohe Ideal, das wir in unserer Mitte ganz besonders an streben, die Treue des Bruders zum Bruder, die Liebe des Menschen zum Menschen. Und wahi lieh die Begeisterung eines Schiller müsste uns erfassen, wollten wir dieser hehren Empfiudung der Menschen seele gerecht werden, wollten wir sie würdigen, wie es der geniale Dichter einst, gethan. Doch besser als aus meinen Worten erfahren Sie es aus des Dichters Munde, der es ausgesprochen das Wort von ewiger Bedeutung, das ich hier nicht verschweigen, darf, wenn ich rede von Bruderliebe, jenem höchsten Prinzipe, in dem gipfelt die Religion der Propheten; „Wir wollen frei sein, wie die Väter waren,' Eher den Tod, als in der Knechtschaft leben! Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, In keiner X >th uns tiiennen und Gefahr. Wir wollen bauen auf den höchsten jGott Und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen. Sind das nicht Worte eines Propheten? Ist das nicht der Ausdruck der wahren, göttlichen Religion? Ist das-nicht die ideale Höhe, die wir ersteigen müssen, wenn der Gottesbegriff, der in unser Herz gelegt, ein solcher ist, wie Schiller ihn erfasst in seiner wahrhaft frommen, gottesinnigen Seele! Und der Dichter, der die Treue verherrlicht, ,die Freundes treue und Bruderliebe, er besang sie. auch, jene höhere Treue, die noch mehr von dem idealen Zug seines Wesens zeugt, die Treue zum Vaterland. Denn er liebt es" mit allen Fasern seiner Seele, er kennt das Band, das die Söhne eines Landes umschlingen und sie fesseln soll an)die Heimath, an den Ort, wo einst ihre Wiege stand, an die Berge und geliebten Thäler, deren Pracht und Herrlichkeit zuerst: ihr Aug' und Herz erfreut. Und auf den Schwingen der Begeisterung erhebt sich seine Seele, gedenkt er des Vaterlandes, dem in heiliger Liebe unser Heiz entgegenschlageu soll alle Zeit. Lasst uns auch hier den Dichter selber hören! „Ans Vaterland, ans theure, schliess' dicli an, Das halte fest mit. deinem ganzen Herzen. Hier sind die starken Wurzela deiner Kraft. Dort in der fremden Welt stehst du allein, Ein schwankes Rohr, das jeder Sturm zerknickt.'- Nun, voll S'olz dürfen wir es auch liier bekennen, dass zu jeder Zeit das Judenthum auch diesen Grundsätzen gehuldigt. Ich eiiunere an das bekannte Wort, tys .Jeremias seinem Volke zugerufen, als es hinauszog in die weite, unbekannte Welt : ,.Suchet zu fördern das Wohl der Stadt, in die ihr ziehet, betet für sie, denn auf ihrer Wohlfahrt beruhet die Eurige." Und unsere ganze jüdische Vergangenheit, sie ist ein Beleg für die getreue Bethätiguug dieses Wortes. Mit ihrem ganzen Herzen schlössen sich unsere Väter dem Lande an, das ihnen Schutz und Recht gewährte; ja, sie liebten es mit der ganzen Gluth ihrer Seele, selbst dann noch, wo Hass und Verleumdung sie forttrieb von der theurei Erde, die sie liebten über Alles in der Welt. Dieser Vaterlandsliebe steht würdig zur Seite das edle Verhalten unsere unglücklichen Brüder in Russland, von denen freiwillig s i viele den Kriegsschauplatz betraten, um zu sterbeij den Tod für das unnatürliche Vaterland.' das so unmenschlich an ihnei gehandelt. Das ist jüdische Vaterländsliebe. Und wenn de Dichter diese edle Tugend besungen ip seinen Liedern, das Judenthum hat sie verherrlicht, in seinen Tliateu. Darun gehört auch sie zu den Kardinaltugehden, die unser Bn<i Briss-Orden prlegen will. - •■>'.'/: Und endlich, wenn der grosse Dichter in seinem wundei ■ baren Liede von der Glocke den ,',lwHen Frieden" besing;, die .,süsse Eintracht'', ,;die heilige Ordnung, die segensreiel e Hnnmelstochter'\ die Grosses hier auf Erden schallt, so kaun auch hier das Judenthum mit freudiger Genugthuuiio; auf sehe nlte Gotteslehre hinweisen, die den Flieden als das höchl e aller Güter preist und die. das-goldene Zeitalter der Menschheit auf j-ne ferne Zukunft verlegt, wo Friede und Eintracl t die Menschen alle zum heiligen Bruderbund vereinen. Darum ertönet lieute aus unserem vollen,Munde düs grossen Meisters Ruhm und'Preis, zum Himmel steige au<h unsere Huldigung, " wo der göttliche Sänger dort in jen< n reinen Sphären seine himmlischen Lieder «ingtl Und jetzt noch ein Wort; bevor wir zum Schlüsse gehei. Wenn unsere bisherigen Ausführungen den Zweck hatten, d ie Geistesverwandtschaft nachzuweisen, die zwischen dem grosse m Dichterfürsten und dem alten prophetischen Judentlium lestanden, so erübrigt mir, jetzt noch den-Versuch zu mache n. Schiller direkt mit dem Judentlium in Verbindung zu bringe u. Lebte er doch zu einer Zeit, wo die Judenfrage für a le Länder eine brennende geworden. Es sass die Welt zu Bericht über den alten, geschmähten Stamm der Juden, und v >v ihr Forum kam die Frage über die Würdigkeit Israels, d is Aufnahme begehrte in den Bund der Völker. Und wenn ein Goethe, der Reajist, für die gerecht;u Forderungen eines unter schwerem Drucke seufzenden Stamn es nur gleichgültig geblieben, ja zur Aeusserung sich verstitg, dass Israel, weil mit seinen Anschauungen und Empfindung sn in der Minderheit stehend, einfach in der Mehrheit aufgeben soll, so regt sich bei Schiller, wenn auch er nicht, y -ie Lessing einst, öffentlich für die geschmähten Rechte ' i es unglücklichen Volkes eingetreten, doch wenigstens das Gefi lil^ der Gerechtigkeit. ■ ..• In seiner „Sendung Moses"', von der allerdings noch in diesen Tagen behauptet wurde, dass. sie den Juden al er deutschsprechendeh Länder und weit darüber hinaus re< Iit ■ weh gethan, sucht er diesem Gefühl einen Ausdruck zu v>reihen. Jedenfalls glaube ich, als ich diese Schrift des Dicht ts wiedergelesen, wenigstens in der Einleitung zu derselben, e m Stimme vernommen zu haben, die eher .'für das Judenthtm günstig lautet. In seiner Sendung Mosesv in der. sich Schiller allerdings zu einer Auffassung bekennt, die die [Wenig* en mit ihm theilen weiden, die jüdische Religion auf egyptisclen rsprung zurückzuführen, so wie Delitzsch jüngst den ba >yonischen Ursprung nachweisen wollte, sucht er die fite jüdische Religion zu der Rangstufe zu erheben, die ihr in Anbetracht der Verdienste um. die Menschenkultur gebül rt. „Zwei Religionen," sagt er;; „welche den giössteu T ieil bewohnten Erde beherrschen, das (.'•Jristeiithum und 1er slamismus, stützen sich beide auf."die Religion der Ilebrier,. und ohne diese würde es niemals weder ein Cliristenthum noch einen Koran geben. . Ja, in gewissem Sinne ist es unwiderleglich wahr, dass wir der mosaischen Religion einen grossen Tneil der Aufklärung danken, deren wir uns heutigen Tages erfrei eu./ Denn durch sie wurde eine kostbare Wahrheit, welche die sich selbst überlassene Vernunft erst nach einer ' laugsai len Entwicklung würde gefunden haben, die Lehre von lern einigen Gott, vorläufig unter; dem -Volke verbreitet und als