Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 5 - Juni
- Date
- 1905-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Zeitungsbericht anscheinend hervor, dass eine geschlossene Sitzung der Convention stattgefunden, um über ein neues Ritual des Ordens - zu berathen. Darauf wurden die inzwischen weiter eingegangenen Telegramme verlesen, darunter auch ein solches des Br. Julius Bien, der wegen wenig gefestigter Gesundheit von der Convention fernbleiben musste. Auch - ein Dank-Telegramm der Wittwe des verstorbenen Grosspräs. Br. Leo N. Levi,; zu dessen Ehren zwölf Uhr Mittags eine Erinnerungsfeier stattfand, war eingegangen. In dieser Feier wurde auch unseres Br. Consul Simon- Hannover sowie des Br. Dr. Leon Horovitz-Krakau gedacht Der Antrag, ein internationales Hcspital in Hot Springs 2U errichten, wurde dem Comite für Wohlthätigkeitsinstitute überwiesen. ' Die nächste Convention wird auf Einladung des Distrikts von Columbia im Jahre 1910 in-Washington stattfinden. In die Wahl der Beamten eintretend, lehnt der bisherige Grosspräs. Br. Simon Wolf die Wahl ab, was seitens der Convention allgemein bedauert worden, worauf Br. Adolph Kraus aus Chicago per Acclamation zum Präs. des Ordens erwählt wurde. Auf Br. Joseph B Klein aus Bridgeport fiel die Wahl als erster Vicepräsident, auf Br. Lucien L. Salomon-San Francisco die als zweiter Vicepräsident. Als Mitglieder des Executiv Comitds wurden die Brüder Jacob Fürth von Cleveland, Jacob Singer von Philadelphia, E. N: Kaiisch von Richmönd, Philipp Stein von Chicago und Joseph Hirsch von Vicksburg erwählt. Dass die Wahl des Br. Timendorfer zum Mitgliede des Execuliv-Comitcs in dem Zeitungsberichte nicht erwähnt wird, ist wohl darauf zurückzuführen, dass in den Zeitungen nur dasjenige berichtet wird, was die amerikanischen Distrikte betrifft, denn sonst wäre es kaum zu verstehen, dass unser Distrikt, einer der grössten des Ordens, auf der "Convention so völlig unbeachtet geblieben ist. ■ Höchst ausführlich, alle Details genau beschreibend, wird alsdann ein Festmahl geschildert, das für die Delegierten und deren Damen in einer der grössten Hallen New-Orleans arrangiert war. Es erfolgt das in so überschwenglicher Weise, wie wir es in Deutschland nicht gewohnt sind, vielleicht aber gerechtfertigt erscheint, wenn man sich vergegenwärtigt, dass an diesem Feste der Convention eine grosse Anzahl der hervorragendsten Persönlichkeiten der Stadt und des Staates theilger.ommen haben. Gegen 12 Uhr Mittags des darauffolgenden Tages fand die bereits erwähnte Trauerleier für Br. Leo N. Levi statt, in welcher drei der hervorragendsten Brüder des Ordens Ansprachen hielten. Zum Schluss der Feier sprachen die Anwesenden das Kaddischgebet. Eine silberne Gedenktafel, die der Wittwe des Br. Levi zugestellt werden wird, hat die Grossloge des 7. Distrikts dem Andenken des Verstorbenen gestiftet. Diese Gedenktafel, aus mattem Silber trägt in - der-Mitte das Bild des Todten, in Emaille; das Ganze, eine sinnreiche Widmung darstellend, ist von einem siebenarmigeo goldenen Leuchter überragt und macht einen höchst würdigen Eindruck. Auch bei den Wahlen der Mitglieder zum Appellationsgericht des Ordens ist nicht erwähnt, wer für unseren Distrikt gewählt worden. Der Betrag von 25C0 Dollar wurde bewilligt, um die schriftlichen Werke des verstorbenen Grosspräs. Leo N. Levi zu sammeln und zu veröffentlichen. Das Budget der Conslitutiöns-Grossloge für die nächsten 5 Jahre wird auf 94 300 Dollar' festgesetzt, wozu jedes Mitglied des Ordens einen Dollar pro Jahr beizusteuern hat. (Natürlich trägt der Deutsche Distrikt hierzu nichts bei.) Nachdem die Ausgaben der diesjährigen Convention in Höhe von 1U600 Dollar bestritten . worden. verbleibt in den Händen des Schatzmeisters ein «Bestand: von 15402 Dollar. Dem Bericht zufolge ist von der Convention ein neues Ritual angenommen worden, es . soll . ein wahres Meister werk sein. All denen, die daran mitgewirkt. haben, dass die Convention so h-errlich und widerspruchslos verlaufen, wird der Dank votiert,'besonders dem Vorsitzenden der Convention, Br. G. A; Levi,. gegen dessen Leitung keinerlei Protest erhoben worden, Was in dem Bericht als etwas Besonderes betont wird/ •'• Mit einem Kebet des Br. Rabbiner Anspacher schloss die diesjährige Convention in;.höchst würdiger Weise. - . .. .. Schiller und das Judenthum. Vortag gehalten, in der; ^lirfijgeir-J.i \ufi »lirrialiliHier',UrV l>"i-, S».4J.t ' i M Wenn auf den Bergeu die Feuerzeichen aufilammen, der weiten Welt zu verkünden,, dass vor .hundert Jahren ein Feuer ist erloschen, das gar mächtig der "Welt vorangeleuchtet, der Geist eines Friedrich Schiller* dessen Wiiken und Walteu so tiefgehende Spuren in unserem Volksleben .zurückgelassen, ilass die Etinnerung an seine Ehrentage auch iu Aeouen nicht wird untergehen, wenn sich erhebend au des Dichters Muse, das Vaterland dem grossen Sohne darbringt des Herzens innigste Huldiguug. da erachten aach wir es als eine Ehrenpflicht onserfa: jungen Loge, in'frommem Gedenken mitzufeiern den Fürsten im Reiche des Idealen. Sollte ja ursprünglich unsere' Lothringen-Loge seinen Namen tragen, und wahrlich kein würdigerer dürfte sich finden, der begeisternder wirke als der des Lieblingsdichters der deutscheu Nation. Doch die Liebe fcur Heimath, die ja von keiuem trefflicher besungen als von Schiller selber, sie Hess uns ihr den Vorrang einräumen, auf dass ihr Name wie der des grossen Meisters uns anrege zu allem Guten, Edlen und Schönen. Liebe Brüder.! Gar mancher unter" uns dürfte es auffallend finden, dass wir heute Abend zu einer besonderen Schillerfeier uns hier zusammengefunden, wo doch morgenall' die Verehrer des grossen Dichtergenies, ohue Unterschied des Bekenntnisses, ja ich darf wohl get-rost hinzufügen, ohne Unterschied der Nationalitat, — denn die Schöpfungen des Geistes und am allerwenigsten die eines'Schiller sie werden durch keine Grenzen eingeengt wo sie alle hochherzigen Sinnes zusammentreten, zu Hechten :einen., neuen, unverwelklichen Kranz um die Stirne-des unvergessl'ichen Dichterfürsten. Welchen Anlass mag ■ wohL das Judenthum, welche Yeranlassung mag unsere junge Loge haben, den Liebling des deutschen Volkes noch . besonders feiern zu wollen? Dies" im Einzelnen hier auszuführen, soll * im Folgenden der Gegenstand meiner Betrachtungen sein. Liebe Brüder! Das Judentimm :mit'seinem hohen und heiligen Idealismus, den alle Unbilden, der Zeiten, alles Elend und Verfolgung, alle Leiden und Qualen ihm nicht zu raubea> im Stande, darf den Tag nicht gleichgültig.vorübergehen lassen, wo es gilt zu feiern den . grössten £deäjrsten,- dessen Muse uns zeigen wollte den Weg zum sittlichen -Ideal. Denn sowie das Judenthum iu seinen vieltaüsendjälrrigen Kämpfen und Ringen als das höchste Ziel dasjenige verfolgte, die Menschheit zu gewinuen für die allerhöchsten;Ideen, -für Gott und Freiheit, für Bruderliebe und Menschlichkeit, So" .durchweht die Dichtung Schillers derselbe ideale .&ug, der uns hinweg von dem Irdischen, voii dem Niedrigen, von dein Gemeinen zu erheben sucht hinauf zu dem'Göttlichen,., zu. dem Sittlichen, zu dem