Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Date
- 1905-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Andere, gegen die Allgemeinheit. Die Pflichtet fülluug gegen sich selbst besteht daiin, unablässig an der eigenen Vervollkftiimnung zu arbeiten, das eigene Geniüth zu veitiefen, den Cbarakter zu stälilen und den Geist zu heben. Bei jeder Handlung müssen wir uns tragen, ob wir auch das Rechte tliui!. bis wir diejenige sittliche Höhe erreicht haben, .welche rs uns unmöglich macht, unrecht zu handeln. Die Pflichten gegen die Allgemeinheit ausfuhrlich zu zu behandeln, würde einen zu breiten Raum einnehmen: ich beschränke mich daher auf die wesentlichsten Punkte. In erster Linie hat jeder Mensch die Pflicht, den Ponten, weichet) er einnimmt, voll und canz aufzufüllen. Sind die Verdier sie der GroweB für die Ewigkeit, so will die Gegenwart auch zu ihrem Rechte kommen, es wäre daher irrig anzunehmen, das* nur der Künstler oder der Mann der Wissenschaft der Allgemeinheit nützt, auch der Kleiuste muss seine ganze Kraft zum Wohl des Ganzen einsetzen. -Ist es nicht jedem Menschen vergönnt, in grossem Kreise zu wirken, so. kann doch ein Jeder in kleinem Kreise-Gutes schaffen. Ich habe dabei hauptsächlich die Familie im Auge. Hier bietet sich einem Jeden ein weites Feld segensreicher Rethätigung und zwar vorwiegend in Bezug auf die Erziehung der Kinder.. Auf diesem Gebiet wird viel gesündigt, insofern als die Eltern, der Individualität der Kinder noch immer nicht genügend" Rechnung tragen. Mit der schablonenhaften Erziehung müsste aufgeräumt werden und -die individuelle an deren Stelle treten. Die Fähigkeiten der einzelnen Kinder ■ waren mehr zu beachten und zu fördern, die Gesamniterziehungmehr den Charaktereigenschaften anzupassen. Dann werden sich auch starke Persönlichkeiten bilden. Bei diesen ergeben si h allerdings nicht selten Konflikte mit ihren Pflichten gegen /die Allgemeinheit, deren Lösung nicht immer leicht. ftUt: dieselbe muss bei dem edlen Menschen stets zu Gunsten der Allgemeinheit ausfallen.-- Einen derartigen Konflikt und seine Lösung zeigt uns Schiller in unvergleichlich schöner Weise in seinem .,Kampf mit dem Drachen", Weiterhin verweise ich auf die Nächstenliebe. Bisher ttfUtigte sieh'dieselbe nur in vorbeugendem Sinne, d. h. sie suchte durch. rechtzeitiges Eingreifen den materiellen und moralischen Xutergang Xuthleidender zu veihindern. Eifreulicherweise •mehren sich in letzter Zeit auch die Bestrebungen Gefallene wieder. aufzurichten und . wieder zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft zu machen. Auf diesem Gebiet eiüftnet sich dem edlen Menschen eine segensreiche Perspektive. Er darf nicht blind verurtheilen, sondern muss, wie Tolstoi in seiner Auferstehung, suchen, die Motive, welche den Fall verursacht haben, kennen und verstehen zu lernen. - Habe ich nun einige Beispiele angeführt, wie sich der edle Mensch bethätigen soll, so lege ich den strengsten Massstab an die Anforderungen in Bezug auf seine Pflichten.. Er soll nicht nur das leisten, was von ihm verlangt wird, sondern all das, was er irgend zu leisten im Stande ist. Wer seine Pflichten so hoch auffasst und erfüllt, der ist ein edler Mensch. Er steht so hoch über den Normalmenschen dass wir dtti- Wert edel ,(Adel im höchsten Sinne) nur auf ganz wenige anwenden dürfen, denn .es hiesse sonst seine Bedeutung herabwürdigen, ebenso wie Orden oder andere Auszeichnungen'an Wetth verlieren. weDn sie zu häufig verliehen werden. - i— Können wir daher nur wenig Menschen als wahrhaft edel bezeichnen, so müssen wir doch Alle bestrebt sein, diesem Ziel möglichst nahe zu kommen. Montefiore-Loge In Berlin. Unser' Präsident, Br. Dr. Eschelbacher. hat bei Autrit seines Amtes nachstehenden » , 1 Aufruf:an die Biüder erlassen, der gewiss auch weitere Kreise interessieren dürfte: ,. Nachdem der hochw. Grosspräs, am 4 d. M> . die neugewählten Beamten in ihr Amt eingeführt hat, wende ich mich in-, ihrem Namen an alle unsere Brüder, mit dejr Bitte um die Bethätigung ihres vollen Interesses für unsere Loge, um den regelmässigen Besuch ihrer Sitzungen und die rege Theilnahme an ihren Arbeiten. , \ \ '-;J>. Der Orden Bnei Briss darf sich einer stets wachsenden Bedeutung und einer immer weiter sich ausbreitenden Anerkennung seiner Ziele und seiner Leistungen rühmen. Von Jahr zu Jahr steigt die Zahl seiner Niederlassungen, wie die der Mitglieder der einzelnen Lojen. Immer mehr bricht sich die Eikenntniss Bahn, dass in ihnen in glücklichster Weise der Buden geschaften worden ist, auf dem die Gebildeten der verschiedensten Berufskreise der jüdischen Gesellschaft sich vereinigen können zur Pflege aller derjenigen Empfindungen und Bestrebungen, die aus ihrer Gebart und ihrem Glauben sich ergeben,, wie zur Förderung der höchsten und idealsten Güter der Menschheit. Hier sollen die scharfen Gegensätze, die vielfach im Leben uns entgegentreten, gemildert werden, hier sollen die Angehörigen der verschiedenen religiösen und politischen Parteirichtungen einander kennen und verstehen, achten und lieben lernen. Hier soll das uns allen Gemeinsame in seinem Wesen und in seinem Werthe erkannt, der Muth zu seinem Bekenntnisse gestählt, das liebevolle Verständuiss für die Leiden und die Bedürfnisse unserer Glaubensgenossen erschlossen, hier sollen die Mittel, ihnen zu helfen, berathea" und dasjenige, was in unser n Kräften steht, auch gethan werden. Mit Stolz dürfen die Logen auf hervorragende Leistungen, als Zeugnisse ihrer Wirksamkeit hinweisen, wie die von ihnen angeregte Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen, die Errichtung von--Stätten für Arbeitsnachweis, die Gründung von Toynbeehallen und andere Einrichtungen für die im engeren 3 Kreise sich geltend machenden Bedürfnisse. Und ebenso stehen sie in vorderster Reihe bei den Hilfsactionen für unsere uothleidenden Brüder in Russland und Galizien. In ihrem Werthe nicht minder hoch zu schätzen sind die Belehrungen über weite Gebiete des Judenthums, über schwebende Ereignisse und wichtige Fragen der Gegenwart, die sie ihren Mitgliedern bieten, die Anregungen zu weiteren Arbeiten und zu edlem Thun, die sie geben, die Saaten des Guten, die sie ausstreuen und die sodann auf den verschiedensten Gebieten sich fruchtbar zeigen. Allen diesen Bestrebungen hat die Montefiore-Loge seit ihrer Gründung mit Eifer und Hingebung zu dienen gesucht. Sie kann mit Befriedigung auf ihre Vergangenheit zurückblicken. Sie erwartet von der Arbeitslust und der regen Bethätigung aller ihrer Mitglieder eine weitere gedeihliche Entwickeln flg. In jeder unserer Sitzungen soll neben der sorgsamen Erledigung der laufenden Geschäfte und der inneren Angelegenheiten der Loge ein Referat über actuelle Fragen des