Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Article
- Beilage zu Nr. 4
- Date
- 1905-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
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** ■ Sollte der Gedanke, dass jedes Individuum Produkt aus "Keim plus Umgebung, die Endsumme aus inneren und äusseren Einflüssen.« ist, nicht auch für die jüdische Lebewesen Geltung liaben? Soll die Züchtung des Schaclierthums und die einseitige Geistesentwickelung eines so wichtigen Theiles der . Bevölkerung immer weiter tortgesetzt werden.' Will der Staat wirklich die grosse Masse jüdischer Intelligenz und Kapitals der Partei in die Hände treiben, die ihren Anhängern Gleichheit verspricht- Soll die Gerechtigkeit weiter ihr Antlitz verhüllen? Fiir uns Naturforscher giebt es. wie Swoboda sagt, nur eine Erlösung : das ist die Erlösung von „den Religionen". Diese Lösung würde natürlich auch etwas zur Lösung des Judenproblems beitragen. — Sri 4ange aber die Judenfrage nicht eine absolut religiöse ist, solange sie theilweise eine anthropologische und sociale Wirthschaftsfrage bleiben wird, solange die Geburt dem Judenknaben sozusagen fcehon subjektiv und objektiv seine Stellung zuweist, das KainzeicheO ihm aufprägt, wird sie auch immer offene Frage bleiben. .Viele werden den praktischen Ausweg der Taufe^ 'Mischehe und Kindererziehung im (."hristenthum linden. Was soll aber mit denen geschehen, die aus L'eberzeugung < dies nicht können oder bei den Gegenströmungen Zurückweisung linden r Dass sie um einen verlorenen Posten kämpfen, ist klar. Unabsehbar aber ist es, wie lange sie ihn noch werden halten •können. Soll ihnen der. Staat zu Hülfe eilen, indem er seine Beamten u. s. w. anweist, sich der Juden anzunehmen und sie für gesellschaftlich und ' menschlich für gleichberechtigt zu erklären? Also gerade das Gegentheil zu thun von dem, was bisher allgemein üblich war.- < )der soll er der natürlichen Kntwickelung nicht in die Speichen greifen und ruhig zusehen und abwarten, wie allmählich das stärkere Prinzip siegt und die natürliche Selektion stattfindet? Gewiss erfordert die reine Vernunft : Nicht aufzuhalten, was nicht aufzuhalten ist. Aber demgegenüber ist es ein Postulat der praktischen" Vernunft, dem Staate Elemente nutzbar zu machen, die mit ihren Zwecken sicher wachsen werden. — Viele Brüder, die die Güte hatten, diese Ausführungen bis zu Ende zu lesen, werden sie mit dem Mephistofeles-Wort aus der Hand legen : „Ein grosser Aufwand schmählich ist ve'rthan." i.Was sollen alle diese theoretischen Erörterungen, diese so oft schon ausgesprochenen Gedanken? Tragen sie zur Lösung der Judenfrage auch nur einen Deut bei? Zu welchem Endergebniss kommt denn eigentlich der Verfasser? - Verlangt er die "Taufe oder will er Stärkung und- Regenerierung des Judenthums?•• ] * ■ ' '■ ■ : '\ '->"' ■■. Zu" welchem Endergebniss: •' ... Null,' kurz wiederholt: Die völlige Lösung «ler Judenfrage.ist durch die berühmte Assimilationnicht möglich; eine solche Assimilierung könnte immer nur eine halbe, psychische'- sein. Zur völligen Adoption ist die Mischehe Vorbedingung und die Erzeugung eines Mischtypus erforderlich. , Dieser Satz ist unanfechtbar. Wer danach lechzt; dass seine Nachkommen völlig assimilierte Staatsbürger werden, muss diesen Weg beschreiten. ■' * ' . * * tJ ' ',»■_ " ■ * ■ ,,Anathema über den Logenbruder, der so etwas denkt. Anathema doppelt über.'den, der es ausspricht. Hat unser < >rden nicht vor allem die Aufgabe, das Judenthum zu stärken.; Bezweckt er also nicht gerade das Gegentheil * Wie Icänn Jemand mit solchen Gedanken überhaupt Bruder, bleiben?!" ■..'•,*_. 1 .■' > Nun, gerade in dem Hirneeines- Bruders müssen solche Gedanken sich entwickeln. Der heutige Durchschnittsjude ist im. Airgemeinen weiter nichts als ein Mensch, der \oi< jüdischen Eltern stammt und bisweilen an hohen 1'eiertagen beim Gotte Abrahams seine Kart«* abgiebt. aus conventioneilen Rücksichten. Dein Glauben andie Unfehlbarkeit religiöser Dogmen haben dfe Naturwissenschaften einen heftigen Stoss versetz^/ trotzdem schleppt sich das Verharren in. dogmatischen bezw. rituellen Erbthorheiten fast .wie ein weltgeschichtliches Gesetz fort. Dass-aber'„Jude sein*', in unseren Tagen etwas Anderes bedeutet,-als bloss Religion im Sinne der Bibel zu üben'; das erkennt man am. deutlichsten im Orden. Iii» erscheint dem Sehenden die Welt nicht stumm, da offenbart sich ein ungeahntes sociales und ethisches Arbeitsgebiet. Der „jüdische" Horizont erweitert" sich, das A«ge lernt grosse Complcxeii'ibjcrsehen und bleibt nicht mehr an dogmatischen Einzelheiten haften. Dem Ordensbruder geht 'der Begriff auf: „jüdische Rasse", und dieser Begriff krystaUisiert sich immer mehr. Ob er will oder nicht .—.über die Erkenntnis«, seiner Zugehörigkeit zu dieser Rasse hilft ihm nichts fort. Er versteht nun, dass die Blutgeschichte seines' Stammes ihre-Hauptursache in der ängstlichen Reinhaltung, des