Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 4 - Mai
- Article
- Beilage zu Nr. 4
- Date
- 1905-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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: ihren;m dem. Status seiner jüdischen Unter- ' Jjianen besessen, so'wäre sein edler, erlaucfiter " (/eist sicher zum' Verzeihen geneigt gewesen uncl hätte auch Iiier bessernd eingegriffen. SO' blieb d|es dem fortschreitenden Humanitätsged.ink'en überlassen. — I )ic -französische Revolution' brach aus. . Die allgemeinen Menschenrechte wfirdcn auch den Juden zugesprochen und damit . besann ihre eigentliche Kmancipation. der schon etliche besser gebildete Gtaöbeiwgfeftossten, wie Mendelssohn, I lerz etc. ausserordentlich vorge-. arbeitet hatten. t Ks wäre ein Wunder, wenn der jahrtausendelange llass. die seit l'rgenerationen bestehende Verachtung sich sofort gewandelt hätte. Schneller wäre es vielleicht gegangen, leichter wäre es vielleicht gewesen, wenn der physische Unterschied, die. äussere Typusdifferenzierung nicht bestanden hätte. , Hic niger est" galt auch gew isscrm.issen für dieses Verhältnisse Der deutsche Ihirgcr musste erst sein ästhetisches, durch Rasseinstinete bedingtes Vorurtheil abwprfen lernen. Auf Seite der Juden war die neue Rolle ebenfalls eine ungewohnte. Ks war gcwisserniaassen ein neues Kleid, 'in das sie erst hineinwachsen mussten. I >a galt es zunächst die zahllosen religiösen Vorurtheile, die Absönderungsgelüste; die allerdings verständlich waren,, abzulegen: es galt die Stirn offen zu zeigen und nicht immer furchtsam zusammenzuschrecken. Die Separation, die " durch die Speisegesetze sich ergab, rmisste fallen, das selbstverständliche gegenseitige Kintreten für einander nachlassen. Ks war die letzte ihnen ge. butcne Gelegenheit ihre Religion weiter zu bilden. Die folgenden Zeitverhältnisse, dieBewegungen •«-sui Heginn und im Verlaufe'des IM/Jahrhunderts. die*die Blicke, der Zeitgenossen nur auf grosse alle Staatsbürger glcichmassig interessierende '-Begebenheiten richteten, boten eine nicht ungünstige ('onstellation. Wie jede irgendwie bedeutende Kntwickclungsumwälzung im Leben der . t. . ■# . ■ Völker auf zwei Momente zurückzuführen ist: jahrzehntelanges, stilles Keimen und Auslösung durch die Gewalt grosser Zeitereignisse, so lag auch hier die Möglichkeit dazu vor. Kin allgemeiner Humanitätsrausch setzte mit der französischen Revolution ein: der einmal entfachte Brand schwelte in der Volksseele .weiter. Die grossen Zeitereignisse waren die grossen Kriege, .die alle Söhne Deutschlands Schulter an Schulter gemeinsamen Feinden, gegenüber stellten, die das Genieinsarnkeitsgefühl stärkten. An den Bc- -y ' » i •* * ' , tVeiungskriegcn, an den \'olkse'rl\clnnl^cn' der Jahre 1848/49, an den Kinigungskricgcn der Neuzeit nehmen auch die jüdischen 'Mitbürger Jlieil.;;. ,•/.;"•:.? >' Die ersten Jahre des neuen. Reichos": die-Erinnerung an die gemeinsam bestandenen Gefahren, die allgemeine Begeisterung ebneten 'den Boden immer mehr. Die. gemeinsarpen . Leiden hatten zahlreiche* Freundschaften gestiftet. . Das Pendel der Axsirhüirung schwang immer höher aufwärts. Aber auf Jeden Aufschwung folgt ein Abscbwung, auf fette Jahre folgen ,stets. .magere.y Im Hochgefühl des Erreichten, /stolz:'auf die gewaltigen Siege, berauscht von seiner .physischen und moralischen Kraft, erhob sich in dem deutschen Sieger das Nationalbewußtsein -• zu ungeahnter 1 lohe. 1 )ie Zeiten der 1,'nbcdeutendh.eit w»Ven vor- , über. Kr begann sich zu fühlen, er erinnerte sich bei jeder passenden und nicht passenden Gclegenheit seiner Vergangenheit — und "der Gesehichte der Urahnen! Der „teritsche-; Gedanke fasstc immer mehr Füss, Teutsch wurde 'lallmählich das Losungswort. Teutsche Vereine,•''teiitsche Zirkel entstanden. Die Besonderheit, des , germanischen Blutes wurde in erster'Linie betont, die Reinheit desselben mit Stolz verkündet. -.Natürlich vwir für einen Juden in solchen Kreisen kein Platz: So heiss auch seine Bemühungen waren. dorl;sich /u. betheiligen —■ es war unlogisch. U'\ Wahrheit war er eben kein Vollblut-Germane. Seinschwer-und bitter erkämpftes Deut.sclithutrrwar nur ein theil.weise s, ein p s y c Ii .i s-r he s, geistiges, kein p h y st sc h e s, , Wohl hatte, er .-und' seine .letzten Vorfahren für die Khre des .'deutschen •Volkes sein Leben wie [die Anderen - eingesetzt, wohl verdankte-er deutschen Schulau seine Bildung — er blieb doch in *den Augen.; der ■■■Arier der Jude, der fremde■ Orientale, l'n'd gleichgültig ist; es des Menge, ob sich ein Jude gern assimilieren will' oder nicht. Sie sieht nur den fertigen -Typus vor sich und hat nicht aus der •Geschichte gelernt zu . v erstehen und einzusehen.'' Ja, ist denn der heutige Jude überhaupt noch. Jude im alten Sinne.- Ist er. nicht ein .Anderer geworden: Hat auch er nichts' gelernt .und nichts vergessen? ... . Nun, das jetzige Judenthum ist himmelweit vom früheren verschieden und doch conservafiv in vieler Beziehung geblieben.. .Wegen der mannigfachen Gruppen is.t überhaupt' eine efn-