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Bericht der Großloge für Deutschland · 1905-01-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1905
Issue
Nr. 4 - Mai
Article
Beilage zu Nr. 4
Date
1905-01-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Prozenten. ,Und weil (las Zinsnehmen für aündhalt und unmoralisch gehalten' wurde,^ so waren damit dieluden als pfWilegirte Wucherer gebrandmarkt und ahnlich angesehen wie der Henker, den man auch nicht. entbehren konnte, der aber * Q f gesellschaftlich geächtet war. Städte, rürsten, Bischöfe brauchten Geld : eine reinliche Scheidung 'der Staatsnothvvendigkeiten untl persönlichen Bedürfnisse des Herrschers kannte man nicht, vernünftige Besteuerung; ebenfalls nicht. Da Miel) ilenn nichts übrig, als den einzigen vorhandenen I'umpcnschwcngel Reissig zu handhaben : man pumpte bei den Juden und überliess es diesen, u.'hcr sie das Geld auftreiben konnten. Einzelne Fürsten stellten auch luden als .Münz- und Rentenreeeptören an. Cnaiaf diese fiel dann der ganze IL-s der ausgesogenen Bevölkerung. Liebe ,'fectgt auch wie die -luden von dem immer "mehr erstarßenden Bürgerthum aus einer Position nach di r anderen hinausgedrängt wurden. I m .da- Jahr l.r><)0 hatten Wie den Grosshandel, den Auslartdshandel, die Fmaiyoj>erationen mit den Staaten gänzlich verloren und sahen sich auf gewisse .Zweige des Kleinhandels und die Geldleihe an Privatpersonen beschrankt. Mit dem Niedergänge ihrer Macht s.mk auch ihr Ansehen immer mehr. L'nd aus I la>s wurde allmählich- Verachtung. Der"umherfliehende, heinfathlose Jude, der nur nach der augenblicklich herrschenden Volk--' Stimmung irgendwo u.'hnen blieben durfte; der durch seinen Typus-,' durch »eine Judcntlecken, durch -eine Tracht weithin mit dem Kainzeichen behaltet war. w urde zum Spott iler Eingesessenen, ein verachtetes Zerrbild Der Pöbel, hoch und niedrig, w urde »ein Herr. Welle dem,, der keine ■eigene Scholle hat.' Die Folge war. dasei sich des rechtlosen K-.iinnujrkncchtc» zitternde Furcht "bemächtigte, ilass. scjii Muth, sein'Selbstvertrauen nach und nach schwand. Sein-I.eben war keinen Moment sicher. Durch die Verfolgungen, «las unruhige t'mherziehen. die unregelmässige Ernährungsweise, durch den l m-tand, dass sie das Schwert mit der Elle vertauscht hatten, dass sie an Kriegen nicht \r " meYtr theilnehmen dürften,degenerierten allmählich die ehemaligen Maccabäcr. .Der früher so kräftige Stamm wurde körperlich schlapp, die beständige Furcht machte ihr ganzes Auftreten zitternd und zaghaft. I >.izu kam. dass ihnen das Zusammengehörigkeitsgefühl nicht wie den Volksmassen änderer Stimme Kraft verlieh. Denn in geschlossenen Sc haaren konnten sie ja nicht auftreten. Es bildete sieh der sogenannte Ghettotypus aus: Blasse, bleiche Gesichtsfarbe, schwache Uru.»t, furchtsam .melaneholiche Gesichtszüge. AuCh psychisch trat eine Dcgcncriemng ein. Namentlich der'geistige. Horizont wurde eingeschränkt.'. Die Beschäftigung mit ihrer Thora wurde ihnen nach und nach das eiiizig Erlaubte, i ■ die einzige ZerstrcüuJig, ja zur absoluten Pflicht. Sie zogen sich in ihre Stuben zurück, denn draussen tönte ihnen doch überall der Ruf: ..zurück-' entgegen. Ihre Natur wurde allmählich eine contcmplativc. In sich gekehrt gingen _sic nur noch den Gedanken ihrer Weisen nach, lebten geistig nur noch in langst entlegenen Zeiten und wurden immer fanatischer und starrgläul>iger, je wilder ■ der andere Fanatismus ihr Haus bestürmte. War ihnen früher ihr Glaube, die Beschäftigung mit .der Lehre nur Schutz und Schinnhut gegeiuiber allem Schlechtem gewesen, der ihr Haupt vor manchem Bosen, schützte, so rutschte ihnen.' wie. Franzos einmal sagt, dieser Hut allmählich über das Gesicht und sie verloren die treie Aussicht, den Zusammenhang mit «ler Well. Der Iii/t rutschte freilich nicht von selbst. J. •.. Gütige Mithülfe der Andern beförderte das Kutschen. i l nd die Entfremdung wurde immer vollständiger, die Differenzierung immer gewaltsamer, . ' . . die Anpassung an die hcrrseltende Rasse immer unmöglicher. Was für.' die Vorfahren eine Kleinigkeit jAiwesen wäre, wurde Iiir die Nachkommen unausfllörbar. Die l aufe gerieth bei der ,,VcrstocKtheit derer Juden" in den Geruch,-«loch blos Scheint, uile zu sein: Heirath, selbst der geschlechtliche Verkehr zwischen beiden Rassen bei Todesstrafe verboten. Die Inzucht mit allen ihren Nachteilen wurde immer mehr gefordert, die jüdische Rasse immer' mehr eine Rasse zweiten Grades. — Sä vergingen allmählich die Jahrhunderte in dieser Entwicklung. ' freilich hörten allmählich die totlichen Verfolgungen auf, Mit der zunehmenden - kulturellen Hebung der Völker minderte sich allmählich auch der Hunger nach Semitenblut. Man duldete die unglücklichen, mit dem Bannlluclilj der Geschichte behafteten Fremd- F linge neben sich: hielt sie aber durch die um glaublichsten (iesetze in einer schmachvollen Abhängigkeit. Selbst ein sohoch stehender Herrscher, wie Friedrich der Grosse, war ihr Gegner, wenn er auch theoretisch jedennach seiner FacOn selig werden liess. Hätte er das Verständnis, für die soziale- Mitschuld seiner Vor-

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