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Bericht der Großloge für Deutschland · 1905-01-01 · Nr. 4 - Mai · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1905
Issue
Nr. 4 - Mai
Article
Beilage zu Nr. 4
Date
1905-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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wandern wollen sie-auch nicht. Sic' hängen mit ß ■ " heisser Liehe an dem Boden, der ihnen endlich Vaterland geworden ist. der geweiht ist - <hirch die Gebeine ihrer Vorfahren: haben ihre Väter und Grossväter-doch Schulter an Schulter mit den Anderen für ihn gekämpft. Es"J'ist ein Vaterland:, da* nur gezwungen ohne Liebe seine Pflichten diesen Kindern gegenüber erfüllt und nur das1 unbedingt Notwendige für siethut. Es ist cirf Sttefvaterland. Ist die? ein Zustand, der der kulturellen. Stellung des deutschen Volkes würdig ist? Erfordert nicht die Gerechtigkeit, dass man offen und ehrlich die Frage untersucht : Kine. Losung durch Revolutio.fi, durch Katastrophen ist ein Unding. Hin Kultur- und Rechtsstaat würde sofort diesen Namen verlieren. Ich erinnere mich einmal einen schonen Gedanken ■gelesen zu traben. ..Jede Revolution ist wieSaturn: sie verzehrt ihre eigenen Kinder!'' Der Gegensatz von Resolution r-t Evolution. W sich nicht plötzlich ändert oder plötzlich geändert wird, muss sieh allmählich entwickeln. I 'er moderne Gebildete _hat gelernt alles Bestehende unjter diesem de-, "sichtspunkte zu. betrachten. Auf allen Gebieten,* hat man die Vererbung- und ArijKfesuiigstheorie zu Grüntle zu lege.u. a Auch bei der Judenfrage! Gehen wir von der Basis au.-,, dass du- Juden eine andere R.isse sind, (ohne hier die Rassenfrage speziell zu en'irtern also ein fremder Bestandtheil 'für den •übrigen deutschen Körper. Ein Fremdkörper muss sich entweder assimilieren ' oder er wird ausgegossen, Und so ergiebt sich 'das Problem, das schon unzählige Male erörte'rt I wurde: '..hat, sich die jüdische -Rasse angepasst? Ist es wünsebenswerth. dass sie sich anpasst? Soll ihr die Assimilation erleichtert werden? |a, hat sich denn die Rasse überhauptl rein «halten? Ist nicht seit der Emancipation. "besonders seit dem wirtschaftlichen Aufschwung eine ganz andere Generation erstanden"' Erhalten resp. weiter ausgebildet hat sich vor allem der Typus. L'nd dieserist noch immer oder vielmehr jetzt bereits so charakteristisch, dass der Jude von seinen christlichen Mitbürgern schon per distance sich abhebt, ein Umstand, der die Ursache des sog. ästhetischen Antisemitismus, des Antisemitismus per visum ist. - t Diesen prinzipiellen feinden des Juden darf sich der .moderne Gebildete nicht zugesellen. Jene nehmen den Juden als ein fertiges < )bjekt —^ er aber hat aus der Descendenzlehrc gelernt, dass immer Alles in Fluss ist, daSs das Individuum nicht hur schiebt: sondern auch geschoben wird,, dass /um Modellieren nicht nur Wachs, sondernauch ein Kneter gehört, kurz, dass man studieren muss, wie ein Individuum ..geworden" ist. , l'nd dass man bei jedem Vorwurfe, der gegen ein Individuum erhoben wird, fragen muss, ob nicht ein Theil der Schuld in äusseren Umständen zu suchen sei, dass alles kriminelle nicht nur vom juristischen, sondern auch vom anthropologischen und sozialen Standpunkte zii betrachten ist. Es ist dies die moderne Idee von der sozialen .Mitschuld am Verbrechen. - . ..Die < >ntögenie ist ein Abbild der Phylogenie. Die beschichte des Einzelindividuums ist die Geschichte desStammes.'- Wenn wir fliesen berühmten Satz etwas frei auf-rfas vorliegende Problem anwenden, so ergiebt sich klar, unter welchem Winkel wir unsere Betrachtungen zu richten haben. Aus welchem Stoff ist der einzelne Jude gewesen und wozu wurde er. d. h. wie hat er sich weiter entwickelt und wie ist er weiter von aussen beeinflusst worden?. Und dann: Wie war der ganze Stamm und wozu wurde er durch innere u n d ä u s s e r e ^inllüsse? I )ie descriptive Geschichtsschreibung muss heutzutage, wie Harden einmal sagt, der psycho- ' logischen Platz machen. Eine zusammenhängende psychologische Geschichtsschreibung über Juda fehlt bis diUo. Als socialer Factor tritt die Juden frage in die Weltgeschichte'''ein mit der Zerstörung des Tempels und dei1 Vertreibung der Juden aus ihrem eigenen Lande, d. h. mit dem Augenblicke, da die Juden unter die anderen Völker gemischt wurden. Eine. Kritik, die irgend An-' sprach anl" Wissenschaftlichkeit macht, hat hier einzusetzen. Die Juden zu dieser Zeit müssen als Ausgangspunkt' genommen und ihre weiteren inneren und äusseren activen und passiven Wandlungen verfolgt werden. Bis dahin waren die Juden ein Volk für sich, wie andere Völker auch. Sie hatten ihre besonderen Eigenthümlichkeiten, die hauptsächlich mit ihrer Religion zusammenhingen. Ob diese nach unserem „heutigen" Sinne sind, ist gleichgült|g. Ihr Ein und Alles war ihr Glaube, der ihnen natürlich als alleinig seeligmachender galt. Dass ihr Glaube nicht der schlechteste war, beweist — 20 — ■J

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