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Bericht der Großloge für Deutschland · 1905-04-01 · Nr. 3 - April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1905
Issue
Nr. 3 - April
Date
1905-04-01
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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— 36 — persönliche Betheiligung am Logenwesen, das nur verlieft und veredelt werden kann, wenn derselbe hohe Schwurg der Begeisterung, der bei Festlichkeiten hervortritt, auch in der gewissenhaften Mitbetheiligung an der Arbeit, zum sichtbaren Ausdruck gelangt. Diese Mitarbeit sollte sich auch darin zeigen, dass bei den Vorträgen unsere Brüder den vornehmen Ehrgeiz beweisen wollten, dass sie auch aufrichtig bestrebt sind, ihr Wissen und ihre Bildung zu bereichern. Leider kann auch in dieser Hinsicht vielen Brüdern ein Vorwurf nicht erspart bleiben. Es soll hier gar nicht die Behauptung, dass gerade die Bildungsbedürftigsten die Bildungsgelegenheiten am conscquentest»n meiden, auf ihre Richtigkeit untersucht werden. Man kann sich aber solchen Betrachtungen doch nur schwer entschlagen, wenn man an Vortragsabenden wahrnimmt, wie gerirjg doch eigentlich die Betheiligung an solchen Bildungsgelegenhelten ist Aber das wird alles wieder anders und besser werden, wenn ein neuer frischer Odem unsere Logen belebt, die Brüder sich erst wieder daran gewohnt haben, im Besuch der Logen eine einfache Pflicht zu erkennen. Wem das Eine oder Andere in unseren Logen missfällt, der kapn, was seiner Ansicht nach verbesserungsbedürftig ist, wirklich nur verbessern helfen, indem er eben in die Loge kommt und für seine Reformpläne selber eintritt, statt sich in seinen Schmollwinkel zurückzuziehen. Wenn Reformen, die einen wirklichen Fortschritt involvieren, vorgeschlagen werden so werden sie, dessen sind wir sicher, auch in der Loge und Grossloge erwogen und anerkannt werden. Denn in der ständigen Verjüngung gewinnen wir auch an Einfluss und arbeiten zugleich unserem Nachwuchs vor. Diesen Nachwuchs uns zu sichern, giebt uns wiederum die mehrerwähnte literarische Arbeit Br. Maretzkis über die Mischehen einen beachtenswerthen Wink, nämlich die Heranziehung junger Leute zu unseren geselligen und geistigen .Darbietungen. Freilich könnten hierbei die Frauen ganz ausserordentlich erfolgreich mitwirken, indem auch sie sich persönlich mitbetheiligen. Es lag ja ursprünglich in den Intentionen der meisten Loger, die Frauen für unsere Bestrebungen zu gewinnen und zur Mitarbeit in eigenem Rahmen heranzuziehen. Ja, wenn alle Frauen fär unser Loger.- wesen zu gewinnen wären, wie viele schon darin wirken, dann hätten wir wahrscheinlich auch weniger Ursache, über das Fernbleiben so vieler Brüder zu klagen. Wie leicht wäre es vielen Frauen, ihre Männer an den Logenabend zu erinnern und ihn dahin zu begleiten. Manche Gattin wäre dann auch der Sorge enthoben, dass der Gemahl an eine falsche Thüre, statt in die Loge gerathe, und im Cafe oder am Stammtisch, gute Vorsätze fürs nächste Mal fasse Wenn nun auch die Familienangehörigen solchermaassen sich in den Logenräumen zusammenfinden würden, so könnten sie bei der Erstattung von Referaten, nach Schluss der Sitzung zugegen sein. Und damit kämen wir auf einen andern Artikel der Logenzeitung zurück, der, im Verein mit unseren bisherigen Darlegungen, zu einer naheliegenden Combination führt. Die Referate sind, nach unseren bisherigen Wahrnehmungen, das Stiefkind in unseren Logensitzungen. Um wie vieles anregender und anziehender könnte man die Logenabende gestalten, wenn man die technischen Geschäfte etwas mehr kürzen und dafür Refarate erstatten hörte. Hier wäre ein nützlicher Boden für neue Aufgaben, eine Arena für geistige Tourniere, bei denen alle Brüder und deren Angehörige nur profilieren konnten. Solche Referate sollten dem Comite für die geistigen Interessen, zur Besprechung durch hierlür erbötige Brüder, überwiesen werden. Sie sollten eine ständige Institution sein. — etwa.Punkt 12 der Geschäftsordnung nach Schlusr der inneren Logenlhätigkeit. Hingegen müsste der Vorschlag, für solche Referate b e - zahlte Referenten anzustellen, als dem Geiste unseres Ordens widersprechend, kurzer Hand abgewiesen werden. Unsere Logen würden durch Anstellung eines bezahlten Referenten sich nur ein geistiges Armuthszeugnis ausstellen und gleichzeitig das Odium auf sich laden, dass für rein geistige Leistungen, bei denen an den kritischen Blick und das logische Denken höheren Anforderungen entsprochen werden muss, die_geeigneten Persönlichkeiten fehlen. Selbst wenn im Anfang auch Lücken bemerkheh würden, so sollte dies dennoch die Brüder nicht abhalten^ ihre Kräfte hier zu erproben, und zu stählen. Auchtsoljche Neuerungen, — wenn sie solche sind — müssen in unseren Logen Eingang finden, wie überhaupt jedes Streben nach sozialer, ethischer und geistiger Vervollkommnung. Das wäre auch Idealismus, wohl wertb, erstrebt zu werden, denn: Rastlos vorwärts musst du streben, Nie ermüdet stille stehn. — — In die Tiefe musst du steigen, Soll sich dir das Wesen zeigen .... Nur die Fülle führt zur Klarheit Und im Abgrund wohnt die Wahrheit. (Schiller.) lusta Kationen neuer Logen. Raphael Kosch Loge LX1V 690, Lissa. , Ii.' — >■ Am 19. März, genau 23 Jahre nach Begründung der Deutschen Reichs-Loge Nr. I, wurde in Lissa die 64, deutsche Loge, unter dem Namen Raphael Kosch-Loge, mit 37 Petenten feierlich installiert. Br. Grosspräsident Timendorfer fahrte in seiner Ansprache den Petenten, unter Zugrundelegung eines Lebensbildes ihres berühmten Landsmannes und Glaubensgenossen Raphael Kosch, der sich 'als ein mustergültiger Ben Briss bewährt hat, die hohen Zwecke und idealen Bestrebungen unseres Bruderbundes vor Augen, und mit gespannter Aufmerksamkeit folgte ihm sein Auditorium, um am Schlüsse in begeisterter Weise die freudige Bereitwilligkeit, uaserm Orden beizutreten, zum Ausdruck zu bringen. — Br. Vicepräsident Wisloch, der die weite Reise von Frankfurt a. M. nicht gescheut hatte, um der Feier beizuwohnen, führte die Petenten nach dem Ritual ein, alsdann hielt nach vollzogener Beamtenwahl Br. Expr. Schleyer-Posen eine Ansprache an die neu gewählten Beamten, die durch den w. GrossprjLsidenten feierlichst verpflichtet wurden. 22 Delegierte überbrachten

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