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Bericht der Großloge für Deutschland · 1905-04-01 · Nr. 3 - April · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1905
Issue
Nr. 3 - April
Date
1905-04-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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moderne Convertitenthum, gegen die würdelose Schleicherei ins christliche Lager, durch die Mischehe, das Jfudenlhum vor dem Aussterben und Aufgehen in andere Völker retten kann. Alle wohlgesinnten, ehrenfesten Männer, denen ihr Judenthum nicht feil ist, ob sie in religiöser Richtung nun auf die strengste Orthodoxie eingeschworen sind oder in neologester Form sich als Juden fühlen und alle zwischen beiden Formen stehenden Schattierungen, sie alle werden Schulter an Schulter. Mann neben Mann, den unverrückbaren Standpunkt festhalten müssen, dass nicht so sehr der äussere wie der innere Feind energisch bekämpft werden muss umsoenergischer als der Geist der Zersetzung, der die Grundfesten des Judenthums erschüttert, uns kämpfunfähignachaussenmacht. Allen unseren wackeren Mitkämpfern, die sich berufen und bereit fühlen, für jüdische Ehre und Ethik zu streiten, muss es klar sein, dass unser Arbeitsgebiet ein gar grosses ist. Es setzt in der Familie und mit der Erziehung unserer Kinder ein. es liegt in der Gemeinde, im öffentlichen Leben. Aber nicht alle sind Kampfesraturen, obgleich eine feindlich gesinnte Umgebung, die Lieblosigkeit aller Gesellschattskreise. Hass und Vorurteil gegen uns. jeden zum Kämpfer hätte machen müssen. Diese kampfes ungewohnten Elemente, denen die Natur versagt ha( sich mit. dem starken Gegner zu Stessen, könnten uns wohl hilfreich zur Seite stehen, indem sie an unseren Bestrebungen in anderer Weise thtilnehmen. Dazu bietet ihnen Haus und Familie die vornehmste S t*a 11 f. In welcher Weise das geschehen kann, hat Br. Maretzki in seiner schönen Arbeit über Mischehen in diesen Blä'.tern dargelegt. Das sind tiefgründige Wahrheiter, goldene Worte* aus einem ehrlicher, treuen Judenherzer. die sich Jeder von uns einprägen- - und darnach handeln sollte. Was ßr. Maretzki den Logen dabei ans Herz legt, hat dir Schreiber dieser Z-ilen. schon vor Jahren, leider nur zu ofC~vergeblich vorgeschlagen. Mügen doch diesmal seine Mahnungen auf fruchtbareren Boden fallen, besonders was die jüdische Jugend betrifft. Unsere Regenerierung muss mit der Jugend beginnen: sie müssen wir zuerst gewinnen und für die Ehre des Ji-denthums empfänglich machen. Man kann sich hier ohne Vorbehalt den Ansschauungen des ßr. Maretzki anschliessen, wenn man auch in einigen Punkten anderer Meinung sein kann. In unserem Orden, der ein neutraler Boden für alle Anschauungen ist, sofern sie nur nicht antijüdisch sind, wo wir alle Ideale zu verwirklichen bestrebt sind, muss das jüdische Bewusstsein weiter entwickelt und weiter veredelt werden. Unser Orden, den wir als eine aus prophetischem Geist hervorgegangene Schöpfung gepriesen haben, hat die besten Männer der Judenheit gegenwärt:g in .»ich zu vereinigen verstanden. In ihm sind die kräftigsten und arbeitswilligsten Elemente des Judenthums gesammelt"; Männer aller Berufe und Stände in allen Nüancen geisliger Fähigkeiten und sittlichen Wollens. Dass sie alle vom besten Willen beseelt sind, sich in den Dienst der erhabensten Aufgaben der Kultur zu stellen, beweist ja eben, dass sie unserem Orden beitreten. Dadurch beweisen sie, dass sie von dem echten jüdischen Idealismus durchglüht sind, der allein grosse und weitgesteckte Ziele erreichbar macht. Die hohe Bedeutung des Bnei Beriss durchdringt immer weitere jüdische Kreise und führt ihm von Jahr zu Jahr immer mehr Mitglieder zu. Solchermassen i«tt heute der B. B. in Deutschland erstarkt, dass er einen der mächtigsten Faktoren des heutigen Judenthums repräsentiert und ans mit freudiger Zuversicht erfüllt. Umsomehr aber müssen wir auch bestrebt sein, diesen Orden auf eine geistige Höhe emporzuheben, die ihn zum Machtfaktor im Judenthum gestaltet und befähigt, zurjf* Vorbild aller jüdischen Bestrebungen zu werden; ein Arbeitsfeld für alle hohen Menschheitsaufgaben; aber in wirklicher, ernster Beihäiigung. wo die That, der Geist und der sittliche Ernst alles, die tönende Phrase aber nichts gilt. Das wäre jüdischer Idealismus. Aber sehen wir uns auch einmal innerhalb unserer Logen mit prüfendem Blicke um. Wie sieht es heute in unseren Logen aus? Welches Bild bietet sich in den regelmässigen Sitzungen unserem Auge dar? Gott sei's geklagt! Von der Gesammtzahl der Logenbrüder betheiligt sich kr.app ein Viertel an unseren Arbeiten, ja, oft kaum ein Fünftel. In Zahlen ausgedrückt ■ i , . * * ,#; i heisst dies, -dass von hundert Brüdern funfundsiebzig und sogar achtzig den Logensitzungen durchwegs fernbleiben. Das sieht allerdings nicht nach Idealzuständen aus und wirkt stark ernüchternd auf unsere hohe Meinung vom Idealismus unserer Brüder. Ist das also die Rückwirkung aller jener eindrucksvollen Installierungsfeste, mit ihren schwungvollen Ansprachen, den stets stark betonten Zielen, an denen die Xeuaufgenommenen mitarbeiten sollen, wie sie feierlich gelobt haben? Oder sollen die alljährlichen Stiftungsfeste, auf die unseres Bedüukens, doch etwas zu viel Sorge verwendet wird, die Höchstleistung der Jahresarbeit involvieren? Wenn solche Feste einzig und-tallein die Vollzähligkeit der Logenbrüder bewirken, dann freilich hätten wir noch keine zahlreichen Etappeh auf dem Wege ..Israeliten in dem Werke der Förderung der höchsten Interessen der Menschheit zu vereinigen" etc., hinter unp, und das Resultat unserer bisherigen Arbeit wäre gerade nicht sehr imponierend. Doch genügt es nicht, solche einem fortschrittlichen Geist wenig entsprechenden Erscheinungen zu registrieren. Vielmehr müssen wir uns fragen, wer und was wohl schuld ist, dass unser Logenleben offensichtlich schon stagniert, lange bevor es noch einen so hohen Standpunkt erreicht hat, als nach den reichen Mitteln seiner geistigen Kräfte vorausgesetzt werden dürfte. Zwei Grundübel sind, abgesehen von lokalen Verhältnissen, daran Schu'd: erstens, dass viele Brüder vor ihrer Aufnahme denn doch nicht hinreichend mit dem Ordenswesen und seinen Endzielen vertraut gemacht werden und deshalb leicht dem Irr'hum verfallen, dass die Loge nur ein exklusiver Verein, wie Dutzende anderer sei. Zweitens sind die Logenabende und Logenarbeiten, leider selten von dem idealen Zug durchweht, der neue Anregungen mit nach Hause giebt und die bereits von den Anstrengungen der Tagespflichten ermüdeten Geister erfrischt und zur Mitbethätigung anspornt. Es ist keine seltene and auch keine unberechtigte Klage, dass in vielen Sitzungen viele

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