Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 3 - April
- Date
- 1905-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Und beule? An Stelle all der sinnigen auf das Gemüth tief einwirkenden Bräuche Ist nichts Besseres getreten, jedenfalls nichts Veredelnderes. Ein leeres Nichts im Hause. — damit kann man in den Herzen der Kinder keine Ideale einpflanzen. Und böte man ihnen tausend Vergnügungen und Zerstreuungen, wenn nichts davon in den Spalt des Gemütbes iällt, von wo es Wurzeln schlägt, alle gebotenen Amüsements werden verblassen und nichts im Herzen hinterlassen als Oede. Es war und ist auch heute noch ein verhängnisvoller Irrthum, dass man die Pflege religiöser Gefühle als mit der rationellen, modernen Erziehung für unvereinbar hält; man verwechselt die Objekte; vergisst, dass die Gemüthspflege, die Vertiefung des Gefühlslebens nicht mit Verstandessatzungen angebahnt wird, mehr noch aber, dass die Zeit der Kindheit vorwiegend mit der Gemüthspflege ausgefüllt werden muss, die Entwicklung der Verstandeskräfte aber nicht den Jahren vorausgreifen und auf Kosten des Gemüthslebens geschehen darf. Kein Pädagoge wird bestreiten können, dass man Kinder mit abstrakten Begriffsbildern nicht zu erziehen vermag. Die kindliche Phanthasie muss sich an Gesehenem, Gehörtem, kurz, an Erlebtem festhalten können, um im Gemüthsleben die gehabten Eindrücke festzuhaften; das kindliche Gedächtnis bedarf der Erinnerungsbilder, diel je edler und inhaltsvoller sie sind, um so nachhaltiger fortleben werden. ■ Es liegt nun allerdings nicht im Rahmen dieser Erörterung, uns in pädagogische Betrachtungen zu vertiefen. Man kann indessen bei der Frage, warum unsere jüngere Generation in immer wachsenden Zahlen sich vom Judenthum abwendet, nicht bei dieser trostlosen Erscheinung stehen bleiben, ohne nach der Ursache zu forschen. Die Wurzeln dieses Uebels, das ein „Untergangsjudenthum" hervorbringt, liegen unbedingt in der Erziehung, richtiger Nichterziehung der jüdischen Kinder. Wenn das Kind nichts im Hause vom Judenthum kennen lernt, was ihm seine unveräusserliche Zugehörigkeit zum Judenthum sichtbar und fühlbar macht, woher soll seine Anhänglichkeit denn kommen? Was man Dicht kennt, das liebt man auch nicht, und was man nicht hebt, vertheidigt man nicht. Und nicht etwa, weil sie es verachten, sondern weil sie es nicht kennen — das führt immer grössere Zahlen jüdischer junger Leute ins christliche Lager; und eben darum, weil sie weder als Juden erzogen, noch den hohen sittlichen Werth jüdischer Traditionen kennen gelernt haben, verkaufen sie Ehre und „Glaube" (?) für das Linsengericht eines Amtes. Im Elternhaus ein schwer definirbares, eigentlich nur negatives Judenthum, meist nur durch jadische Umgangskreise gekennzeichnet, lassen sich in solchen Verhältnissen in einem unklaren Milieu eben keine überzeugungstreue Juden erziehen, für die es doch noch höhere Ideale giebt, als die Ergatterung einer Position durch die Taufe. Ist das nicht der direkte Weg ins Nirwana? . Was Wunder, dass hinter uns wie ein Totfeind eine Generation aufwächst, die alles vergessen machen, alles zerstören will, was uns hundert vorausgegangene Geschlechter mit ihrem Blut und Leben als heiligstes Erbe hinterlassen habenI Das ist aber gerade die Frucht unwürdiger Selbstver. leugnung der höchsten idealsten Güter vor den eigenen Kindern. Das ist der Fluch einer grob materialistischen Lebensauffassung und Erziehung, die nur auf Nützlichkeitszwecken gerichtet ist, nur an die Verstandeskräfte appelliert und für das Gemüthsleben keine Gaben zu verschenken hat. Erwerben, Besitzen, Geniessen ist der Dreibund alles Strebens, und um diese „zum Ausleben der Persönlichkeit'' nöthigen Mittel zu beschaffen, werden Treubruch und Verrath am Heiligsten begangen und die Gesinnungslosigkeit Zweck zum Mittel. Doch jede Schuld rächt sich auf Erden und der Fluch der bösen That äussert sich in immer mehr zunehmenden Taufen, durch die wir täglich beschimpft und gedemüthigt werden. Und so erwachsen uns aus eigenem Lager und eigenem Blute unsere schlimmsten Feinde: Jadentäuflinge und Mischehen. Von jeher sind Judentäuflinge und aus Mischehen hervorgegangene Sprossen unsere schlimmsten Feinde gewesen und unzählige Martyrien' sind von Judentäuflingen über unsere Stammesgenossen herau[beschworen worden. Sie waren stets unsere gefährlichsten Feinde und werden es auch in Zukunft bleiben. Was sie heute aber tausendmal gefährlicher macht wie früher, -ist die Thatsache, dass sie nicht mehr wie sonst aus jüdischen Kreisen eliminier; werden. Im Gegentheil, sobald diese jüdischen Apostaten merken, dass man in christlichen Kreisen, wo man die Absicht merkt und verstimmt wird, nicht nur sich gar nicht um sie reisst, sondern sogar hur ungern empfängt — was die charaktervollen Täuflinge -selbstredend gar nicht als Beleidigung empfinden — kehren sie in jüdische Kreise zurück, als sei gar nichts vorgefallen. Und leider giebt es, Dank der moralischen Begriffsverwirrung nicht wenige jüdische Kreise — zu unserer Schmach und Schande müssen wir es eingestehen — in denen mau solche Schädlinge der Moral mit offenen Armen empfängt!' . Freilich richten sich solche Kreise selber und man kann ohne Commentar über sie hinweg zur Tagesordnung übergehen. Aber gerade darin, dass solche Judentäuflinge in jüdischen Kreisen geduldet werden, liegt ihre Gefährlichkeit. Der Treubruch und die Gesinnungslosigkeit werden sanktioniert und wirken vergiftend auf Rechtsbegriffe und Charakter, wo früher eine reinliche Scheidung dagegen ein Vorbeugungsmittel war. „J'appelle. le chat un chat*. „Ich nenne die Katze eine Katze". .Man muss vor Allem den Muth einer Ueberzeügung haben", sagt Humboldt und unsere Ueberzeügung müssen wir verfechten und deshalb haben wir die Pflicht zu reden und für das gefährdete Judenthum da einzutreten, wo man es heimlich unterminiert, die Aufmerksamkeit und den Kampfesmuth der Getreuen auf den äusseren Feind lenkt, um den inneren sein sittliches Vernichtungswerk vollenden zu lassen. Die äusseren Bedrängnisse haben noch nie unsere Daseinsfundamente erschüttern können; aus solchen Bedrängnissen ist das Judenthum nur immer stärker und geläuterter hervorgegangen. Seien wir also ehrlich zu einander und gestehen wir uns doch ein, dass nur eine starke Frontstellung gegen das