Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 3 - April
- Article
- Beilage zu Nr. 3
- Date
- 1905-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
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— 28 — unsere Frauen ein wichtiges Gebiet der sozialen Fürsorge die Annenkranken- und Armenwöchnerinnenpflege mit Eifer aufgegriffen und mit einem für den Aufang geradezu glän zend zu nennenden Erfolg in die Wege geleitet. Und auch ein dritter bei Giündung der Frauenvereinigung ins Ange gefasster Zweck ist erreicht: gut gewählte Vorträge suchen unsere Frauen mit Begeisterung für das Judentum, mit Ver ständnis für seine Aufgaben in unserer Zeit und mit Erkenntnis der Notwendigkeit der Theilnahme der Frau an ihrer Erledigung zu erfüllen. Eine glänzende Frucht, die diese Bemühungen soeben gezeitigt haben, ist der gelungene Wrsucli der Frauen-Vereinigung, die schulentwachsene weibliche Jugend in einer Jugendgruppe zu vereinigen und für dieselbe Vortragscyklen über jüdische Geschichte, jüdische Litteratur, über häusliche Krankenpflege und Hygiene sowie über Frauenpflichten zu veranstalten. Ueber alle Erwartung hinaus drängen sich \ jüdische junge , Mädchen, auch aus Kreisen, die der Frauenvereinigung nicht angehören, zur Theilnahme a 1 diesen Vorträgen, und die Zahl der Bewei betinnen hat bereits die Ziffer 2iK> überschritten. Das die versteht sich Frauen-Vereinigung uns auch dazu geholfen hat, unsere Geselligkeit zu heben und zu verschönern, nach der Art unserer Frauen von selbst, und ich möchte deshalb au dieser Stelle nur kurz auf das heillich veilaufene Puiimfest am 6. März 1904, zu dem sie uns eingeladen, und.auf das Chanucka-Kiuderfest vom 4. Dezlr. 1901. das unter ihrer Mitwirkung sich so gcliöB gestaltet, hinweisen. Ausser diesen beiden festlichen Veranstaltungen sind an Festen zu verzeichnen das Stiftungsfest vom 10. Januar, welches durch einen herrlichen Vortrag unseres Br. Kabiner Dr. Seligmaun vor ottener Loge über das Tl enm: ..Das Problem der jüdischen Kultur^ eingeleitet wurde, an den sieh ein Festmahl mit Ball anschloss; ein gemeinschaftliches Abendessen mit unseren Damen am 2. Februar 1!»04, bei welchem unser leider so jung dahingeschiedener Bruder Regierungsbaumeister Martin Löwenhain einen Vortrag über das Thema: ,,Der Kampf ums Licht und die Beleuchtung als Kunst" hielt und endlich zwei Bi udermahle am 18. Mai und 10.' Novbr. 1904 im An- >. liluss au die feierliche Einführung von Brüdern in unsere Logo, Mit Bedauern aber ist za konstatieren, dass die Hieiluahme der Brüder, namentlich an den grösseren Festlichkeiten, nicht so gross ist, wie das unter Aufwand von SO viel Eifer und Mühe und mit soviel Freudigkeit arbeitende GeseUigkeitskoaite' zu erwarten berechtigt ist. Ohne auf die Gründe dieser geringen Betheiligung, die manche Brüder iu den. zu hohen Kosten, die die Feste dem Einzelnen verui.>adien. rinden und die demnächst zu einer Beratung des Beamtenrats, gemacht werden, näher einzugehen, möchte ich hier nur der Hoffnung Ausdruck geben, dass im nächsten Jahr die Mühe und der Eifer der Brüder unseres Geselligkeitkomites durch einen möglichst zahlreichen Besuch der Feste belohnt werde. ' Ueb-r die Ait, wie unsere Ausschüsse im vergangenen Jahre gearbeitet haben. ^Tbin ich in der erfreulichen Lage, nur Günstiges berichten zu können. Lassen Sie mich mit dem Hausverwaltungsausschuss beginnen: Die Lokalitäten der Loge waren in der Zeit vom 1. Januar bis 31* Dezbr. 1904 an 129 Tagen vermietet gegen 117 Tage im Jahre 1903. Verschiedene Vereine, die unsere Räume im vorigen Jahre ermieteten, sind uns treu geblieben. Ausserdem fanden verschiedene Conzerte und Aufführungen, Bälle und Hochzeiten in unseren Räumen statt. Die Einnahmen werden, wie das Comite berichtet, in diesem Jahr die gleiche Höhe wie im Vorjahre erreichen. Da unser Rechnungsjahr von April zu April länft, kann erst im April 1905 der genaue Abschluss erfolgen. Indessen stellt das Comite auch für dieses Rechnungsjahr einen guten Jahra^.. abschluss in sichere Aussicht. Dass wir im vergangenen Jahre die seitens der Brüder behufs Herstellung des Logenbaues gegebene Darlehen . mit 3% verzinst und' auf das Kapital eine Summe von M. 3000 — abgezahlt haben, ist den Brüdern Allen noch in angenehmer Erinnerung, ebenso wie Sie wissen, dass von den Darlehnsobligationen M. 1000 — durch Schenkung von Brüdern oder deren Hinterbliebenen an uns zurückgelangt sind. l user Unterstützungsfond hat im vergangenem Jahre M. 8020 au Unterstützungen verausgabt und zwar M. 2805 an Studieustipendien nnd den Rest an Gaben zur Stütze schwankender oder zur AViedererlanguug verlorener Existenzen, sowie für gemeinnützige Vereine und Anstalten. Im Jahre 1903 betrug die Summe der Unterstützungen M. 0360.40, im Jahre 1902 M. 7527 — im Jahre 1901 M. 7.570.50. Die Geschenke der Brüder an den Unterstützungsfond betrugen in diesem Jahre M. 5499.55, im Jahre 1903 M. 5281 — im Jahta 1902 3941 -4 int Jahre 1901 M. 3505. Mit dem An Wachsen des Logenfonds in diesem Jahre ist naturgemäss auch die Statutengemässe l eberweisung aus dem Logenfond au den Unterstützungsfond gewachsen, welche in diesem Jahre 3090 M. betrug. Wenn man die Zahlen, die in den vergangenen Jahren, für l'nterstützungen verausgabt wurden, miteinander^^ gleicht, so ergiebt sich ein zunächst unangenehm in die Augen springender Rückgang für das verflossene Jahr. Aber diese unangenehme Empfmdnng schlägt bald in das Gegentheil um, wenn man die Aufklärung dieses Faktums hört. Die Aufklärung aber ist folgende: Nicht etwa hat sich die Zahl der sich in. Jhrer Not an uns Wendenden verringert,, auch ist nicht etwa der Durchschuittsbetrag der einzelnen Gaben kleiner geworden; im Gegentheil, die Zahl der Bittsteller und die Durchschnittshöhe der Gaben hat eher zugenommen. Aber wir geniessen in unserm Unterstützongsausschuss den Vorzug, dass einzelne Mitglieder desselben sich auch in der Verwaltung anderer hiesiger Wohlthätigkeitsinstitute befinden, deren Thätigkeit sich theilweise im selben Rahmen bewegt wie die/unseres Unterstützungsausschusses. Die glückliche Folge dieses Umstandes ist nun die, dass für einen entsprechenden Fall diese Mitglieder auch die anderen Wohlthätigkeitsinstitute mit Erfolg heranziehen, wodurch unser Zuschuss zu dem für den einzelnen Fall erforderlichen Beitrag sich verringert, der verlangte Beitrag im Ganzen! aber dennoch erreicht, ja vielleicht noch erhöht wird. In diesem Zusammenwirkenunseres Unterstützungsiusschusses mit anderen Wohlthätigkeitsinstituten liegt der Anfang zu einer Zentralisation der Wohlthätigkeit, die leider heute noch zum grössten Theil ein frommer Wunsch ist, und es ist