Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 3 - April
- Article
- Beilage zu Nr. 3
- Date
- 1905-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 8)
- Language
- German
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Chor aohub von dumpf gutturalen Stimmen, als wäi'e jode Brust eine Kerkerzelle, aus ■ leren Tiefe sie sich rangen, am «lern Gott der;Bundeslade in Elend und Gefangenschaft zu lobsingen, ihn im festen Gh üben anzurufen, voll der Gowisshoit einstiger Erlösung aus endlos "langer Sklaverei, einstiger Wiederkehr in ihr Königreich vor den Blicken der entsetzten Nationen, mit einem Triumph voll unvergleichlicher Pracht'. Beim Aussprechen der hebräischen Worte glaubte man dunkle Blumen sich von ihren Stengeln erbeben und ihre klingenden Kelchblätterin die Lüfte verstreuen zu sehen.'" Sowie Sulzer nach seiner Sturm- und Drangneriode aufs glücklichste in sieh vereinigte den echt jüdischen Verständnisvollen Chasan mit dein iuodern empfindenden und schaffenden Tondicliter. so war es ihm auch erst-jetzt gehingen, einen t-Sottestlrehsi in seiner musikalischen ÄHsgestattung zu reorganisieren. bei dem die Anhänger der überlieferten. "altjudiVoheh Form «ich heimisch fühlten, der aber anelj die Vertreter der lundernen. fortschrittlichen Richtung vollauf befriedigte, ja mit Begeisterung erfüllte. Der.mit Sehnsucht von friedliebenden Glaubensgenossen erwartete Boden war linnmehr gewonnen, auf dem die ' <lku verschiedensten Richtungen Zugehörigen zu gemeinsamem Gebete sich vereinigen' konnten. Mit Windeseile verbreitete sich diese .segensreiche Errungenschaft durch fast ganz Europa und. Amerika. Fast in rilen Gemeinden wurde der Wiener Gott-esdiensj zum Muster und Yoybild genommen und sein SYhopter mit ■ allen nur erdenklichen Ehreuhezeugiuigcn förmlich überschüttet, von denen nur genannt seien veraclHedene Ordensauszeich- , Bungen und die Ernennung zum Ehrenbürger von Wien anlässlich Seines 70. Geburtstages. Seine hohe Mcisteftsehäfl betliütigte Sulzer aber nicht nur auf seinem Spezialgebiete, dem Synagogen-Gejsange.. auch im Vortrag-weltlicher Lieder wurde er als Meister anerkannt: und bemerkenswert Ii hierfür ist die sinnige Huldigung. .die ihm anlässJich seines 40jährigen 'Arntsjubiläunis von Wiener,' Künstlern dargebracht wurde. _'.<•, - Die berühmt« Hofbürgsehauspiolerin Amalie Heizinger deklamierte bei dieser Gelegenheit aus einem von Mosenthal gedichteten Epilog: „Wergabwie er Franz Schuberts Weisen wieder? Der nur durch ihn so deutuugsvoll erklang: Kurliitriu kciri Max Colin tbili A. M. Den.,Morgengruss'sanger zum Säugling nieder, .,Wohin" rief er dem Jüngling bang, Der Braut sang er ..Rastlose Liebe" Lieder, Den Greis einlullend.,(sang er ,.Schwanensang". Des Freund es Grab selbst schmückten seine Töne Dort sang er leis ..den Wanderer die T^hräne". So ward unser Held geeint wie ein Fürst von seiner Gemeinde geliebt wie ein Vater, und als Nestor des Voibeterstandes schied er nach ~>iy jähriger Amtstliiitigke.it aus seinem .durch ihn zu Weltruhm gelangten Wirkungskreise. .Nach weiteren neun Jahren am \ü\ Januar 1800 sehloss sich für immer der liederreiche Mund, der wie kein anderer jauchzen und weinen machen konnte, hörte auf das grosse, emplindurigstiefo Herz zu schlagen, verstummte die übermächtig wirkende Stimme, von der_Pivdiger JelliiiDk am offeneil Grabe sagte: -Sie war das Echo einer inneren Stimme, eines Seelensanges, einer Hcrzons- 'melodie seiner eigenartigen Persönlichkeit. DenW Solomon- Sulzer hatte eine lebhafte, dichterische Phantasie, erfüllt und genährt mit den prachtvollen Hilden) der 'Propheten, den farbenreichen GeJnälden des biblischen Altertliinns. den Sagen und liegenden des Mittelalters, den Hoffnungen des israelitischen Volkes. Was er sang, das sah er vor sich in lebendigen. Gestalten, das umschwebte seinen Geist. Er vergass seine Umgebung. Zeit und Raum und seine dichterische Phantasie versetzteihn in eine andere, alte Zeit". Musste auch, was irdisch an -diesem G rossen in Israel war, dem ewigen Naturgesetze gehorchend, von hinnen gehen, sein (ieist wird fortleben, wird befrachtend wirken, so lange in jüdischen Gotteshäusern noch jüdischer, Sang ertönt, so lange wir Epigonen die Lehre beherzigen, die uns. das Leben und Streben Salomoq Sulzers lehrt, und die ich in die .Worte zusammenfassen mjehte: -Folget dem Zeitgeist, machet Euch die Errungenschaften der modernen musikalischen Entwicklung zu Nuf^e, vergesset aber darüber nie die liebevolle Pflege, die sorgsame Wahrung des traditionellen Synagogen- -Gcsanges; denn nur dann wird ein jüdischer Gottesdienst seinen ethischen Zweck, seine heilige Mission erfüllen, wenn der jüdische Charakter deutlich erkennbar ihm aufgeprägt bleibt, wenn er durchweht ist von jüdischem <Teisr. beseelt Weiht allcizeit von wahrhaft jüdischem .Empfinden, ttrodac), Merlin .y\V , Ui Herst r. Ts.