Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 3 - April
- Article
- Beilage zu Nr. 3
- Date
- 1905-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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Diese Bewunderung galt aber in erster Reihe der gewaltigen künstlerischen Persönlich keit Sulzers, der seiner phänomenalen Stimme einem umfangreichen; überaaa sympathischen Bariton, Tone zu entlocken verstand, <lie. dbni Grunde eines gläwbigei|i Herzen strömend, < 1 ie verschiedensten mütsstimmungon in den Hei bervorzurofen' und festzuhalte i vermochten 1 / Trotz der unerhört grossen Erfolge, wie sie noch keinem jüdischen Kantor Wiiicii und wohl auch für alle ms hefvor- Gcfühle und Gezen seiner Hörer bisher beschieden Zukunft nie mehr beschieden sein werden, voll sieht sich langsam aber stetig eine Wandlung in <ien fachmännischen Anschauungen unsros gottbegnadeten, genialen Künstlers, Diese Wandlung 1 ritt uns sinn- und augenfällig entgegen, wenn wir die beiden Bände de:- Sulzeix hen Moiiumentalvrcrkos Schir Znou. gottcs'dienstliche Gesänge der Israeliten, ^inj.t einander vergleichen. Den Inhalt des ersten Bandes, erschienen -Wien lSJO, hätte mit wenige: 1 Ausnahmen auc(i ein tiiclitiger Musiker irgend eines andern Bc- ^P'" 1 ' ' ■ - 1 kenntmsses geschrieben haben können. Tliatsachlich ist ein nicht unbeträchtlicher Theil dieses Werkes christlicher Feder enttlossen. Wir linden darin Chöre, und Solls von, Drexlcr, Seyfricd. Volkert, Würfel. Haslinger, ja sogar einen misnior schir lyom haschabbosjvon Franz S(diubert. Die reiche Anerkennung, die weife Verbreitung des Werkes im Iniinjd Auslände konnten den Herausgeber jedoch darüber ..nicht, täuschen, dass eine Weiterentwicklung .des Synagogen- Gesanges in derselben Dichtung gleichbedeutend wäre mit einer allmählichen Verdrängung alen Gesangstypiis. eben künstlerischen des althergebrachten qyhagoi . Wohl konnten die zahlre Anlegungen, die Sulzer von Lehrern, und Freunden in Wien empfing, seinen so übi:raijs,einpfäng]i< lien Geist beeinflussen und lebhaft beschäftigen', sie Vermochten aber nicht, ihn ganz von dem Wege abirren zu lassen, der allein zu dem Ziele führte, das seine Seele erfüllte, zu einer geläuterten Wiederherstellung, zu einer musikalisch, und ästhetisch unanfechtbaren Wiedergeburt des traditionellen Synagogen-Gcianges. Ausgestattet mit dem Rüstzeug eines vollendeten Musikers, mit -einem hochentwickelten Kunstverstand, mit ästhetischem Feingefühl. 4 j. leitete ihn seine Begeistern ig fürs Judeiithum. seine Liebe zu 'seinem Volke wieder zurück in die arg verwahrlosten Gärten der jüdischen - '—.11 Kunst. Mit der Gewissenhaftigkeit-' eines liingebungsvollen.. trouen Gärtners, dam die semer Pflege anvertrauten Pflanzen wie die eigenen Kinder ans Herz gewachsen sind. ' mit liebevollem, aber durchdringend scharfem'köi-perlic-lien und seelischen Blick entdeckte er unttSr'wuchernden Banken, unter wildem, wüstem- Gestrüpp Blüten von wundersam •leuchtender Pracht, deren berauschender Diift in iiiiverwüsH'c'her Kraft dein glücklichen, poetischen Sc.ha.tzgt'äber entgegenströmte. •* '■'•X Dies*- wundersam .prächtigen Sangesbli'rthen in ihrer Reinheit und 'Keuschheit aus dem-'Garten jüdischer Kunst! das ist aus de». Tiefen'. d4f echten, jüdischen Herzens hervorgeholt, und. 'zu' einem sc himmelnden Strahlenkranz' vereinigt, im zweiten Bande des Schir Zijon der Nachwelt überliefert zu haben, das ist und ..bleibt . ein ewig unvergängliches Verdienst SalömimSnb.ers. Diese' Kulnncstha't konnte nur von' einem jüdischen goniaJen Cbasan vollbracht werden: dehn, kein noch so grosses Genie eines anderen Bekenntnisses hätte diesen zweiten Band mit :-sci'nor ausgeprägt jüdischen Physiognomie^ scliivibcn können. , Wpld aber verspürten auch Andelsgläubige den Hauch eines geheimnissvollon. Zaubers, wenn sie diesen charakteristischen, altjfidischyir Mch» dien 'lauschen durften und kein, Geringerer .als- Franz Liszt kleidet seine in der -Svitagögo empfangenen Eindrücke in folgende lebhaft empfundenen Worte: * - ...Wirhaben ein einziges Mal Gelegenheit gehabt, eine Ahnung von dem zü; empfinden, was eine jüdische Kunst werden konnte', weiin,. die Israeliten alle ltensität des -in ihnen lebenden .Gefühls in Form ihres - eigenen « Geistes kundgäben. Wir lernten in Wien, dem Kantor Sulzer kennen. Die zum Verhüllen .des innersten Lebens gebräuchliche Maske ist bei ."dieser Ki'uistlerorgaiiisation nicht st) urirliirclulringlich wie sonst und lässt auf Augenblicke das wirkliche Gepräge seiner Seele durchleuchten,/ w'jo «B 'die geheimen Reden väterlicher Belehrung ihr aufgedrückt haben. '!" . bin ihn zu hören, gingen wir zuirSyiingoge, deren musikalischer Leiter und Vorsänger er war. Selten haben wir -eine so ' überwältigende Erschütterung aller Sdtejn der Gottesverehrung und des menschlichen Mitgefühle erlebt, als. an diesem Abend, wo beim Schein der den Plafond gleich Sternen iibersäeten Kerzen;ein seltsamer!•-:...