Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 3 - April
- Article
- Beilage zu Nr. 3
- Date
- 1905-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Lippmann, machte mit diesem zwei .Fahr») •hindurch sogenannte Kunstreisen bis ins südliche Frankreich hinein, widmete sieh das dritte Jahr in Karlsruhe musiktheoretischen Studien und trat im Jahre .18211 das Amt eines Vorbeters in seiner Vaterstadt an mit einem Gehalt von 100 Gulden jährlich. 'Offenbar, um l>ei dieser horrenden Jabresgsge die Gefahr allzu üppigen Wohllebens von dem jugendlichen Cantor fernzuhalten, hatte er ' auch noch für eleu Unterhalt der musikalischen Hilfskräfte, bestehend aus einem Bassisten und einem Sopranisten. aus eigener Tasche zu sorgen. . Doch reichliche Zuschüsse 'aus der wohlgefüllten elterlichen Kasse verecheaebten jede materielle Sorge und enrföglichteii dem tbaten* frohen. kunstbegeisterten Jüngling die hingebungsvolle Priese der idealen Seite seines Berufes. Die bedeutendste That in dieseretrsten Kpoche seiner AmtswirksaHdvt it gipfelte in der Schaffung eines ständigen, wohlgeschulten vierstimmigen Sjynagegenchores. 'eine »Einrichtung, olme die r wiruns heutigen Tag£s einen geregelten Gottesdienst kaum 'denken können, die aber als 'ständige Kiuri« htunir erst von Stdzer ins Leben gerufen worden ist. Auch'die noch fehlende Chorliteratur niusste Sich der begabte .Kiröstjunger selber s'cliaffen .und seh,,n iiier trug er 'die ersten Bausteine zusammen zu jenem grandiosen Werke, dem SehirZijon. das seinem Verfasser died"nsterbli<hkeif sichetn wird. solange noch .syuagogale Musik in jüdischen Gotteshäusern, erklingt. Der Huf dieses Weihevollen Gottesdienstes and >eines Schöpfer.- drang bald über die Grenzen von Hobeneins hinaus, sein Ruhm* verbreitete sieh "durch die ganze österreichische Monarchie " - - *. .und als in Wien, der neue Tempel seiner -Vollendung entgegenging, wurde dorthin wenige Monate vor der Einweihung Stdzer als-Cautor und musikalischer Leiter berufen. Hatte auch die Lehrundi.Wanderjahre bereits hinter sich, hatte t^r in seinem bisherigen Wirkungskreise sich auch als talentvoller Compomst bethätigt, so besass er doch Selbstkritik gentig, um einzusehen, dass "seine" Schöpfungen noch nicht individuell, noch nicht ausgereift genug waren, um Zuhörer derjenigen Stadt vollauf zu befriedigen, in welcher ein Beethoven noch leb.te, in welcher ein Schubert' noch in der Vollkraft seines Schaffens stand. Man betraute deshalb mit der Oompositioii der Gesäuge zur Einweihung, die am 9. April 1826 in feierlicher Weise vor sich ging, nicht Sulzer. sondern den in Wien wirkenden Kapellmeister Drechsler. Diese Selbstkritik, diese Erkennt niss der eigenen Unzulänglichkeit, weit davon entfernt, den in seiner bisherigen Gemeinde zu hohem Ansehen gelangten, verhätschelten Liebling zu enttäuschen oder zu entmuthigen, ward im Gegenteil für ihn die gewaltigste Triebfeder zu weiteren ernsten Studien auf musikalischem Gebiete, zumeist unter der bewährten Leitung des Kapellmeister Ritter v. Seyfried. der seinerseits noch den l'ntei l ieht Mozarts genossen hatte. Der , Eintluss dieses bedeutenden Componiston und Lehrers auf Sulzers Schäften in den 'ersten Jahren seiner Wiener Akntst»hätigkeit war grösser, als es für die Entwicklung des charakteristisch jüdischen Synagogen-«"ircsanges wünschenswert!» und förderlich gewesen) ist. l'eberhaupt tritt uns Sulzer in dieser Zeit r ■ i ' noch als Tastender und Suchender entgegen, der nach.' einem neijen S\ bagogengesaiigsstil "ringt. Mit der bisherigen.Vortragsari sollte uml ,musste gebrochen werden. Es ging nicht mehr an. wie das so Brauch üi den Synagogen war. ganze Gebetstheilc in wilder Hast berunlerzujagen. um dannbeigewissen Ghuizstellen endlos zu^verweileii und die, fragwürdigsten Kunststücke zum Besten zu geben. MitUitjsen Missbräuchen räumte Sulzer gründlich auf. Im Gegensatz zum sogenannten p< >lnischenfcsch u f er das den t sehe Rezitativ d.h. einen pathetischen Sprechgesang dessen Melodie auf hochdramatischer Grundlage aufgebaut, genau dem Wortshin folgt lind für diesen die treffendste, musikalische Illustration zu lindeu sucht. Diese neue Vortragsweise, in der das alte Chasonus, das altüberlieferte Sagen nur noch sehr leicht und leise, nur noch gewissermassen stilisiert anklingt, deren Signatur religiöses Pathos, einfache Erhabenheit, fromme Innigkeit und sinngemässe Declamatiqn bildet, diese moderne Vortragsweise in Verbindung mit einem ausgezeichnet geschulten, aus Knaben- und Männerstimmen zusammengesetzten Chor, sie enthusiasmierten geradezu die Wiener Gemeinde. Und nicht nur die eigenen Glaubensgenossen', auch Andersgläubige, höchste und allerhöchste Herrschaften, Gelehrte und Künstler, besuchten zu wiederholten Malen den Gottesdienst und gaben ihrer Bewunderung, ihrer Begeistern!)"; unverholen lebhaften Ausdruck. — 16 —