Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 3 - April
- Article
- Beilage zu Nr. 3
- Date
- 1905-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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Jacob Jacobsohn war der Erste, der zu Anfang ■los vorigen Jahrhunderts enien so gearteten Refonhgottesdienst in Seesen Behuf und' leitete. Im Jahre 1*15 verlebte er diese seine Wirksamkeit auf reformator.isehem Gebiete nach 'Berlin. Zunächst Iiielt er in seinem eigenen Hause die Andachten ab. zwei Jahre spater aber verlegte er sie in einen grossen Saal, der ihm vom Vater Meyerbeers für diesen Zweck zu* Verfügung gestellt worden war. An Stelle der alt überlieferten jüdischen . t- ' . Rezitations- und Sing »eisen wurde der der christlichen Kirche ureigene Choral eingefühlt: die hebräische Sprache, jenes alle Juden auf dem Erdenrund einigende Band, wurde bis auf wenige Re.-te aus dem Gotteshause verbannt: . die Predigt, zum ersten .Male in reiner deutscher Sprache gehalten. Bildete den Hauptbestandteil. den Mittelpunkt eines jeden Gottesdienstes, beidessen Veranstaltung auf musterhafte Ordnung. auf Ruhe und wohlanständiges Benehmen mit lobenswert her Strenge geachtet wurde Der Historiker Jost schreibt unter anderem über diesen neuen Gottesdienst als Augen- und '> Ohrenzeuge: - .Aber in der Begeisterung, weh he diese neue Form erzeugte und in der Freude, über den Beifall, den christliche Gelehrte und Staatsmänner, die man einlud, zu erkennen gaben,- bemerkte man nicht, wie sehr dieser Pomp sicli. in Aeusserliehkeiten verlor. Der confessiönelle Charakter ging, trotz der alten Formen, in dem « verständlicheren Theih?, den deutschen Gesängen,' die zum Theil von Christen verf'asst waren, verloren und, die Reden hatten in der ersten Zeit nicht einmal .confessiönelle Färbung, geschweige Inhalt oder Weihe zur Erhebung des Gemüthes:L . So standen sich zwei Extreme schroff gegenüber. Auf der einen' Seite der althergebrachte Gottesdienst mit seinen ästhetischen Mängeln, seinen formalen Auswüchsen, die den gebildeten Juden abstiessen und fernhielten, auf der anderen, Seite ein Gottesdienst, der Für [wahrhaft jüdisch empfindende Elemente unannehmbar war. weil dessen Begründer in blinder Assimilation*- und Nacbahmungfsiicht, unter Prei^gebniig des der Erhaltung würdigen, charakteristischen jüdischen Kerns, das Kind mit - dem Bade ausgeschüttet hatten. 4 stellend»' Hager spaltete, — Hamburg und zeitweise auch Leipzig waren dein Beispiele Berlins durch Einführung des neuen Gottesdienstes gefolgt - hatte eine gütige Vorsehung bereits zwei Männer hervorgebracht, die berufen sein sollten, die gähnende Kluft zu übelbrücken, und diese Männer waren: Isak Nbah Mannheimer und Salomen Sulzer. Mannheimer, der berühmte Kanzelredner. der selbstlose, uneigennützige Seelsorger, der talentvolle, Organisator, hatte sich bereits in Kopenhagen, seiner Vaterstadt, in Hamburg. Berlin und Leipzig als Prediger, der neuen Richtung befhätigr. als er im Jahre 1S"21 zum Führer der Wiener Cultus-Geiueiiule berufen wurde. Dort alier war gerade Mannheimer derjenige, dersich dem -Wunsche, einer Anzahl massgebender und hervorragender Mitglieder, auch in Wien den neuen l'iiltus -.nach dem Berlin- Hamburger Muster einzuführen, mit allen Kräften entgegenstellte. Er. hatte (dien in Folge seiner bisherigen amtlicheiS Thätigkeit die grosse Gefahr erkannt, die dem Gesamnitjudentuin durch'eine immer tfefergeliende Spaltung drohte, und so wurde er niclit müde, innner und immer wieder mit ganz besonderem'Nachdruck zu betonen, das* die neuen Institutionell' nicht nur für einen Theil der Gemeinde, Solu lern .für die ganz e G e in e i ll d e bestimmtsein sollen. Diese Ans.hauung tritt mit allen Deutlichkeit hervor in den Leitsätzen^ die von] Mannheimer der'jneüen Organisation zu Grunde gelegt wurden. „Def Gottesdienst soll 1. ohne alle Abänderung abgehalten/Werden nach allen bestehenden Formen. Regeln und Vorschriften, insofern sie eine gesetzliche Autotorität'für sich haben, däss aber i '1. die äussere Ausstattung des Gotteshauses, .[ I das Verhalten der Betenden i'm i Gotteshause, der Vortrag der überkommenen Formeln von allein Störenden, und Unwürdigen .gereinigt und jedes I\f\ttel. zur Wiederbelebungder Judenheit in zwei sich uuv sfgehende Riss, der die lersöfinlich gee-eHüber- And&chl und -/les religiösen, Sinnes, zur Aneiferung im GiuLeii, zti- Befestigung der Bande der Eintracly und uer Anhänglichkeit auf's Sorgfältigste( in Anwendung gebracht werden splleW' Die Hauptschwierjgkeit bestand nun darin, dieses Gerippe, diese Form mit lebendigem, tünetadein Inhalt zu erfüllen, einem Inhalt, gleicherweise zufniedensteilend den conservativen wie den fortschrittlich gesinnten Juden. Denn.