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Bericht der Großloge für Deutschland · 1905-02-01 · Nr. 2 - Februar · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1905
Issue
Nr. 2 - Februar
Date
1905-02-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
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b) dem sogenannten .Grünen Buch', enthaltend Eintragungen über Einahnun und Ausgaben 'der Synagoge, beginnend 1563 und fortgesetzt bis 1804. Verzeichnet auch die Todeslälle in Zusammenhang mit Notizen über bezahlte Beerdigungskosten, folüit bis 296, worauf noch etwa 100 unfoliirte Blätter folgen. Vermulhlich in späterer Zeit aus einigen Büchern zusammengebunden. c) einigen Steuerbüchern; 1. für d. J. 1679, 2. lür d. J. 1684 und;{. für die Zeit von 1705 bis 182«.», diese jedoch lückenhaft. *\ d) einer grössern Anzahl von Judenordnungen aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert. e) einer grösseren Anzahl von Akten betr. Verkehr der Juden mit den Behörden und, untereinander, zum Teil aus dem 17., hauptsächlich aus dem 18. Jahrhundert. f) den von Berliner beschriebenen 3 Memoibüchern. Umfangreichere Bestände als in Worms habe ich zu meiner Ueberractung in Darmstadt gefunden. Auch hier ist die Rettung der Archivalien der Umsicht eines Vorstandsmitglieds, des ersten Vorstehers Herrn Adolf Simon, zu verdanken, der die vernachlässigten Akten erat im Jahr 1903 entdeckt und dieselben in einer extra hierzu an das Gemeindehaus angebauten Stube untergebracht bat. Sie stehen dort in Regalen, an drei Wänden, sind sehr sauber in Fascikel zusammengebunden. Von den reichen Beständen, dieser Sammlung hebe ich hervor: circa 300 Bände Gemeinderechnungen mit Belegen, sämmtlich gebunden, chronologisch aufgestellt von 1776 bis heute. Eine detailierte Aufzählung der Archivbestände der verschiedenen von mir besuchten Orte wird der ausführliche Bericht enthalten, der in Kurzem im Druck erscheinen wird. Als besonders bemerkenswert möchte ich jedoch nennen die Archivalien, der Kultusgemeinde in Für.h, des Rabbinats in Fürth, der Gemeinde in Frankfurt a. M. und des Konsistoriums des Unteren Et^ss in Sirassburg. Erwähnt-muss aber auch werden, dass im Gegensatz hierzu, Speyer keine älteren Akten besitzt als aus dem ersten Viertel des vergangenen Jahrhunderts. Die Fürther Archiyalien übertreffen an Vollständigkeit diejenigen von Worms, stammen aber zum Theil erst aus dem 18. und zum geringen aus dem 17. Jahrhundert. Die Frankfurter Archivalien sinÄtielleicht die bestgeordneten, vielleicht auch die interessantesten von Allen, die ich gesehen habe. Die Akten des Konsistoriums des Unteren Elsass in Strassburg beginnen zwar — wie nicht anders zu erwarten — erst mit dem Jahre 1800, sind aber sehr reichhaltig und meines Erachtens sehr interessant. Was das Alter der erhaltenen Dokumente anbelangt, so sind allerdings die Leichensteine die ältesten. Bemerken will ich hierbei, dass das römisch-germanische Museum in Mainz mir die Ueberlassung von circa 150 Bürstenabzügen von den ältesten Mainzer Leichensteinen von den Jahren 1080—1430 an das Allgemeine Archiv der Juden Deutschlands in Aussicht gestellt' hat. Für das 13. und 14. Jahrhundert ist das Nürnberger Memorluch — von den von mir gesehenen — das einzige Denkmal, das aus den Stürmen der Zeit gerettet worden ist. Aus dem 15. Jahrhundert habe ich nur zwei Schulgülten aus Fiankfurt a. M. zu nennen. Das 16. Jahrhundert ist gleichfalls .nur sehr spärlich vertreten, desgleichen noch die *rste; Hälfte des 17. Jahrhunderts. Reichlicher fliessen ""die Quellen erst_ seit der Mitte des 17. Jahrhunderts. Von dieser Zeit, ab ist immerhin — allerdings nicht an allen Orten— das Material reichlich genug vorhanden, um das Interesse des Forschers lür lange Zeit in Anspruch zu nehmen. So lange dieses Material an einzelnen Orten zerstreut bleibt, kann es für die historische Forschung nicht fruchtbar gemacht werden. Welche Fülle von Stoff wird es aber abgeben-, wenn es an einem Orte gesammelt und geordnet daliegen wird! — Folgender Briefwechsel der Frankfurt- L oge mit Br. D.r. Cohen in.Marb urg wird gewiss das lebhafteste Interesse bei alleu unseren Brüdern fiu len. - " " A b sc h r i f t! Frankfurt "a M, den .5. Dezember 1904. Herin Geheimen. Regierungsrat Professor Dr. Hermann Cohen in Marburg. Hochzuverehrenäer Herr Geheimrat,wertgeschätztef Bruder! Gestatten Sie uns,- Ihnen im Namen der Brüder der. Frankfurt-Loge unsere innigsten Glückwünsche darzubringen, atdässlich der Vollendung des II. Teiles Ihres Systems der Philosophie, der Ethik des fernen Willens. Gerade das Erscheinen dieses Bandes ist uns ein willkommener Anlass, um ihnen zu sagen, mit welcher aufrichtigen Genugthuung wir es stets empfunden haben, 'dass wir Sie, hochverehrter Bruder, den unseren nennen dürfen. Schwebt ja über diesem Buche gleichsam die Weihe Ihres. Leben?, Ihrer vorbildlich ethischen Persönlichkeit. Wir danken Ihnen aus tiefstem Herzen, dass Sie wie früher in Rede ünd Schrift bei jeder sich Ihnen bietenden Gelegenheit so auch dieses Mal eingetreten sind für die Ehre unserer Gemeinschaft .und die weltgeschichtliche Sendung unseres Glaubens.- Wir' wissen, Sie konnten davon nicht schweigen in der Ethik. Die Eigenart unserer Religion,, wie sie die grossen Männer unserer Geschichte in allem Wechsel der Zeiten begriffen haben,. legte Ihnen die sittliche Verpflichtung auf, hier Ausdtuck zu verleihen Ihrem jüdischen Bekenntniss und zugleich der Entrüstung über die ethische Kränkung, die wir nicht minder als Deutsche denn als Juden ünd darum, als Menschen erfahren. Schon, indem Sie eine Ethik zu schreiben unternähmet', thaten Sie einen Dienst auch dem Judenthume. 3 So begrüssen wir denn in Ihrem Werke einen Bundesgenossen für Bestrebungen des, Ordens Bnei-Briss. Möge Ihr Werk, das bei .den Erleuchtetsten aller Nationen weit über die Grenzen Deutschlands Gehör findet, an seinem gewichtigen Theile beitragen zur Förderung Wahrer Vaterlandsliebe und zugleich zur - Veredlung und Verbrüderung der Völker und Stämme! Möge* es aber auch vor allem in den Kreisen unserer Glaubensgemeinde nach Gebühr gewürdigt werden. Aus dem einheitlichen,' festgefügten Gusse methodischer Forschung schmiedet es für den Kampf, den wir nach unserer

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