Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Date
- 1905-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdisches Erbarmen mit menschlichen und judischen Fehlern mitwalten! Sie bedürfen nicht nur unserer Hilfe, sondern auch unserer Liebe, ohne welche jede Hilfe ihren sittlichen Werth einbüsst. Res sacra miser! Sie werden nun fragen: was ist der Kernpunkt dieses Referates? Ich habe Ihnen nur Negativbilder gezeigt. Ich habe nur dargethan, dass es ungemein schwierig ist, immer neue jüdische Auswanderermassen nach den Vereinigten Staaten zu dirigieren und dass nicht die Aussondern die Einwanderung, für uns eine Quelle von Sorgen werden wird. Sie haben vielleicht aus meinen Schilderungen entnommen, dass es eigentlich keine wirkliche Hilfe bedeutet, wenn aus -osteuropäischen, amerikanische Proletarier werden und es schliesslich gleich ist. ob dil Leute in Russland und Galizien oder inTAmerika dem Hum^r uberantwortet werden. Aber ein Unterschied ist es dennoch: Die Möglichkeit sich emporzuarbeiten, die Gewissheit der persönlichen Sicherheit und Freiheit auferlegen uns die Priicht, soviel in unseren Kräften steht, unsere täglich von Gefahren und Misshandlungen bedrohten Stammesgenossen, in ungleich bessere Verhältnisse überzuführen. Zugleich müssen die Möglichkeiten hierzu auf das Gewissenhafteste erwogen, andere Einwanderungskanäle, als die bereits verstopften, ausfindig gemacht werden. Ich habe früher darauf liiugewieseu, dass Texas, Neumexiko u. a. Staaten, 'einer gesunden Einwanderung gerne ihre Pforten üflueu und dort, wie in den Territorien noch viele, viele Millionen Menschen Unterkunft finden könnten. Erst vor einigen Wochen sind mir Briefe vom A< kerbauministei' in Washington, aus Xew-York u. a. Oiten, ebenso Zeitungsberichte zugegangen, aus denen hervoigeht, dass m;in eine Absperrung Amerikas lür osteuropäische Einwandern noch nicht zu fürchten hat, vorausgesetzt, dass" diesseits des Ozeans richtige und tüchtige Arbeit, unter L e i t u n g e r f a Ii r e n e r , mit den Verhältnissen vertrauter Männer geleistet wird. | Faire sans dire! Stille, diskrete Arbeit, »hne publizistische Indiskretion, was ich nicht dringend genug anraten kann, . ■ So stehen wir heute dem jüdischen Aus waudei ungsproblem gegenüber. Die. düstere Hamletfrage: to.be or not to b'e, — that is the iiuestion, — Sein oder Nichtsein, ist auch heute, im §X>. Jahrhundert für die Mehiheit Israels noch nicht beantwortet. , - Die „Judenfrage' besteht auch heute noch. Völker und Zeiten haben sie geschaffen und bis auf diesen Tag erhalten. Wie immer aber man diese Frage zu lösen versuchen mag, ob als Rissen-, als soziale oder religiöse Frage, für uns bleibt Ziel und Richtung, dass die Judenfrage nur gelöst werdefi kann, auf den^ festen Boden des Judenthums und nicht an ders und niemals anders. Die Judenfrage ist eine Menschheitsfrage und das kittet uns zusammen mit Allen, die sich als Juden fühlen und bekennen. Das ist unser fester Glaube und unser Ideal, für das wir, die Judassöhne des 20." Jahrhunderts, eintreten werden, wie unsere Vorfahren gethan. Und diese Ueberzeugung, dieses Ideal verlangt, dass wir alle unsere Kräfte für die Befreiung unserer unglücklichen, zu Boden getretenen Bruder, aus den Banden einer schmählichen Tyrannei erlösen, indem wir ihnen eine Heimstätte bereiten helfen auf dem freien Boden jenes grossen freien Landes, das freie Bürger, aber keine Sklaven wünscht. Dann hoffen wir, wird Israels Wanderstab zum festen Pflock am eignen Zelt auf eignes Erdreich und der sehnsüchtige Ruf unseres Br. Gustav Tuch: Die Erde für Juda — und Juda für die Menschheit, endlich zur Wahrheit werden. Aus dem Bureau der Grossloge. Der Beschluss des General-C mites, den Beitrag zum Neuen Centrai-Fonds um Mk. 3.— pro Mitglied zu erhöhen, hat einige Logen nicht angenehm berührt. Wir können das verstehen, denn wohl die meisten Logen haben sich Aufgaben gestellt, deren Erfüllung eine weitere finanzielle Belastung nicht gut zulassen. Wenn wir das ohne weiteres zugeben, so nimmt es uns anderseits Wunder, dass seitens der Logen nur zu oft an die Grosslpjje Anforderungen gestellt werden, zu deren Erfüllung der Grossloge keine Mittel zur Verfügung stehen. Neben den Logen wird noch häufiger von einzelner» Brüdern der Weg eingeschlagen, Einzelpersonen Empfehlungsschreiben an die Grossloge zu ertheilen,'worin die mannigfachsten Wünsche, hauptsächlich die Gewährung von Unterstützungen geäussert werden, gerade so als ob. der Grossloge ungezählte Mi'tel zur Verfügung stehen, und es blos von dem guten Willen der maassgebeuden Faktoren abhängt, den empfohlenen Persönlichkeiten im vollen Umfange zur Verfügung zu stehen. Nichts ist be<iuem£r, als einen Bittenden abiufertigen durch Empfehlung an andere, aber da es doch allgemein bekannt ist, dass die der Grossloge zur Verfügung stehenden kleinen Fonds ganz bestimmten Zwecken' zu dienen haben, und den Empfohlenen somit von der Grossloge nicht geholfen werden kann, ist es ein Unrecht von den Brüdern, wenn sie, statt selbst etwas zu thun, eiufach Empfehlungsschreiben an die Grossloge ertheilen. Wenn das hier so ausführlich behandelt wird, so geschieht es, weil in letzter Zeit die Grossloge in immer gesteigertem Maasse mit Empfehlungen behelligt wird, und wird mit diesen Ausführungen bezweckt, die Brüder dringend zu ersuchen, für die Folge doch von einem derartigen Vor-I gehen abzusehen, denn, wie schon betont, der Grossloge fehlen die Mittel, um all derartigen ' Wünschen nachkommen zu können. Es ist wirklich keine angenehme Aufgabe für die Grossloge, den Bittstellern immer wieder einen abschlägigen Bescheid erteilen zu müssen. .1 Hieran anknüpfend bitten wir wiederholt, wenn schon eine Empfehlung an die Grossloge in ausserordentlich dringenden Fällen ertheilt werden muss, die betreffenden Persönlichkeiten nicht unserm Präsidenten zuzuführen, sondern an unser Büreau Wilhelmstr. 118 zu verweisen, woselbst, was wir gleichfalls wiederholen, die Petenten mindestens ebensoschnell abgefertigt werden, als wenn sie zu unserm Prlsidenten gehen. Die Brüder und Logen wollen sich freundlichst vergegenwärtigen, dass unser Präsident überaus in Anspruch genommen ist und dass es nicht zur Erhöhung der Arbeitsfreudigkeit des Br. Tiinendorfer beitragen kann, wenn bei