Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Article
- Beilage zu Nr. 2
- Date
- 1905-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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komroenschaft ausUbdri, bei «Ion Juden entweder fast ganz fehlen, oder verhältnismässig seltener sind. Geben wir nun eine genaue Analysoder Mischehen in Bezug auf Bildung und sociale .Stellungder Ehcschlicsscndcn. Dabei stütz ich mich auf eigene Wahrnehmung und einige sicher ermittelte Kalle. In den 46 Mischehen I atteii ' 19 Paare gleiche Schulbildung genossen und /war in II jüd.-chr. und 8. ehr.-jüd. Kheli. Ungleiche liildung war in 27'-Fällen zu konstatieren, derart, dass 2l mal die Frau eine weit tiefere Bildungsstufe einnahm als der Mann; nur in* 2 l iillc-n überragte die jüd. Frau den Mann. In Bezu » auf sociale Stellung der Fheleute war das Bild ein, nahezu gleiches; in 21 Rhen war die sociale Stellung eine gleiche, in 25 Fällen bestan I ein Missverhältniss zu Ungunsten <ler I ran. A Jrzte.j Architekten, bessere Kaiilleutc heiratheten sehr' tief unter ihrem eigenen Stande. In 2 l allen überragt die hoher gestellte Frau ihren Mann. Zwei Fälle waren besonders interessant.- weil die Ehen in krankhaftem Geisteszustand geschl isscn werden, sie fielen durch den ungeheuren Ko itrast der Verlobten auf; in einem Falle (landete es sich um Paralyse, im zweiten um Schwachs nn.!. Wie verhalten sich die Mischehen in Bezug auf Verträglichkeit und Innigkeit des Zusan menleben»? Da möchte ich zunächst über IMi Mischehen, die ich in ihrem Verlaufe beobachtet habe, berichten, dass von 25 jüd. ehr. Ehen 22 Familien in gutem und 3 in schlechtem Ehezustand kbten, von 11 chr.jjüd,. Ehen, führten 7 eine gute und 4 eine schiedte Ehe. idh kann also sagen, dass meine eigenen Beobachtungen ein günstiges Verhältniss der Eheführung ergeben; wo es nicht der Fall war, wir da^ gegenseitige Verhalten ein sehr trauriges. Einen'Einblick in das eheliche Zusan imcnleben von Mischehen gewährt die Prüfung de Ehe Scheidungen. "In Ungarn fanden von ,1898 bis 1901 durchschnittlich jährlich 1769 christliche Ehescheidungen und 186 jüd. statt d. h. die jüdische Ehescheidungen machten 9,51 % aller Ehescheidungen aus, während die Juden nur 4 42 0 0 der ungarischen Gesammtbevölkerung ausmachten; über die Mischehen1 ist mir darüber nichts bekannt geworden. In Berlin wurden 189p-j-1899 jährlich 21 Mischehen geschieden, 1,34%'aIler-Uischehen, und zwaf etwas mehr, wenn der Mann rhristlich war, während bei jährlichen aO rein jüdische Ehescheidungen nur 0,375 % aller jüdischen Eheschliessungen vorkamen. Dieses Ergebnis» kann man in allen Jahrgängen des statistischen Jahrbuchs von Berlin verfolgen. Es werden1, denufaeIi jüdische Ehen etwas weniger geschieden als evangelische. Die Scheidungen bei Mischehen I zwischen Juden und Christen sind auffallend häufig; bei den Juden zeigt die ("ombination "mit Ev.jn gelischen schon eine beträchtliche Steigerung, noch mehr mit Katholischen, am höchsten mit Dissidenten. L'eberhaupt scheint, es, alswenn von den Mischehen in Berlin schon .die .Zwölfte geschieden wird, während es im allgemeinen bei der 14. der Fall ist. Die Wahrnehmung, dass die Mischehen eine höhere Scheidungsziffer aufweisen als die gleichartigen Ehen-, "ist. auch "in der Scheidungsstatistik anderer Staaten nachgewiesen) Seit dem Jahre 1900 sind 'die Ehescheidungen im allgemeinen und somit stich in Mischehen zurückgegangen, weil nach dein 11000*11 Gesetz die Ehescheidungenerschwert sind. Es. ist verständlich, dass die Mischehen häufiger geschieden werdien. weil doch Zerwürfnisse in -Folge der Konfession nicht ausbleiben.'" Die gleiche Konfession bedingt gleiche Erziehung, gleiche I.ebensgewohnheit.cn ' uij'd gleiche'- Anschauungen über Sitten und Gebräuche und deren Anwendung. Das Zusammenleben in getrennter Konfession bietet grossere keibungslläclxcn, jind wenn auch de] religiöse Konflikt zurückgedrängt wird, sind es doch die socialen und gesellschaftlichen Unterschiede, welche mehr scheiden als die Dogmen der Religion, über welche die üv Mischehe lebenden Ehepaare sich leichter hinwegsetzen. Dieses wird noch deutlicher illustriert, * ' . ' '• - - * * "* £ ■ wenn wir die hauptsächlichsten Scheidungsgriinde betrachten, wie Tabelle IV zeigt:. Von je 100 Scheidungen in. Berlin während der Jahre 1895—99 sind veranlasst?1}"'- Zwirtcli: Zwi-rh.- hr ehr.- tn jii.l.- Durch:. jtt.l. clirirfll. .....1. clirisll. Eh.-, EImw Mi-h-' Mi-.h- J , Rillten Jkiu-j. - 'ehtmelu'n Ehebruch des Mannas 18,58; iä;58 . {&>..: 11,3 „ - der Frau 4,74 11.90 ■". 6,e- 11,3 ,. beider Ehegatten;i,5ü 5:155 .4,a 3,8 bösw. Verlassen d. Mannes 13,04 9,41 8,0; M „ „ d. Frau 5,93 t!.-'G 4,0 -3,8 Misshandlung d. d. Mann 5,s;> 6,00 " ' „ „ d. Frau 0,39 p.30 2,0 _ beide Ehegatten 1,19 Q,19% . — : gegenseitig. Einwilligung; 30,04 ■2»,S6 48.0 " 5-.',9 Wieviel Zeit verflossen, dass nach geschlossener Mischehe die Scheidung eingetreten, darüber fehlen die Angaben. Aber man ersieht unschwer, •) Dr. Kuppin: S. 2\fi. : \ v-".