Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1905
- Issue
- Nr. 2 - Februar
- Article
- Beilage zu Nr. 2
- Date
- 1905-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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bitrgcr israicl. 'lamilienblatt ein bcachtenswcrthcr Artikel über Mischehen v«n unserem Br. S te i nha'rdt. 3er allgemeine Gesichtspunkte brachte. Ausführlicher' auf -diesen Gegenstand ist Dr. Arth. Kuppin in seinem Werke: ..Die Juden der Gegenwart1' -eingegangen, in welchem er, ein ganzes Kapitel den Mischehen widmet. Viele Angaben .und Zahlen habe ich seinem Buche entnommen, doch will es mir scheinen, als ob die Sache riiclU'erschöpfend genug dargestellt ist. Die Mischehe ist ein Kapitel, das .unsere vollste ■ Aufmerksamkeit erheischt. Historisch sei he merkt, dass Esra, um den Stamm rein zu erhalten, die Ehe mit Xitfhfjurlen aufs strengste verboten hat. Aber ebenso wurde christlicherscits mehrfach durch i <noiI Beschlüsse ilie Khe mit Juden rerboten. Auch in Holland, wo die Juden nicht 'so schwer bcdrnngr wurde:), hat man Mischehen fürnull und nichtig erklärt.' mit Verbannung und hohen Geldbussen bestraft". Wenn auch in der. ersten Zeit des Mittelalters Mischehen vorgekommen sein, mögen, so wurde das Verbot der Khe mit Juden wiederholt erlassen und mit schwereil Strafen aufrecht erhalten. Als dann die Juden spater in Ghetti eingesperrt wurden, die Missachtimg der Juden allgemein geworden war, Nörten die Mischehen von selbst gänzlich auf. l'ml noch heut zu l äge bestehen die Verbote der Elien zwischen Christen und Juden als Staatsgesetze i.n Spanien, "Portugal, Kussland imd in fast allen Ländern der griechisch - katholischen Kirche. Auch in Oesterreich ist sie verboten, i rsser wenn einer der beiden \'erlobten aus ihrer Kirche zu den Konfessionslosen übergetreten. In Deutschland ist sie seit Erlass dos Civilstandgcsctzes von 1875 m>"«glivh geworden, ebenso c-t die Mischehe in l'ngarn seit 1.N95 ges:,ittet. w iie -sie bereits \seit längerer. Zeit in andern Staaten besteht. Die christliche "Kirche Sträubt sieb auch, jetzt noch, eine Mischehe religiös zu weichen: sie betrachtet noch immer diese als Keligiopsfrevel. Bekannt ist. dass Napoleon I dem Sy*nhedr,ion die Frage vorlegte, ob 'ein Jude eine ("hristin "der umgekehrt heirathen dürfe.' Die. Rabbiner w aren mit allen Kräften' dagegen, mussten aber /lern Druck nachgeben,- um die"< ■ -1 "* « * «- Emancipattort nicht m Irage zu stellen. - Von mancher, uns wohlwollender Seite K. v. Hartmans siebt man die Khe" zwischen Juden und Christen nicht ungern, weil man in der Misch- ' ehe ein geeignetes Mittel zur aitmähligcn Aufsaugung der luden und die beste Lösung der Judenfrage erblickt. So sind in China <lie Juden, welche in früheren Jahrhunderten daselbst zahl reich waren, durch die Mischehen mjt ('hineisen bis auf wenige Theile verschwunden. In Oesterreich sind in den Jahren 18% bis 1900 jährlich 5923 rein jüd. "Ehen geschlossen worden und 130 Mischehen :70 cbr.-jüd. und CO jüd.-ehr/, also ntir 2"/„ der jüd. Ehen. Die meisten Mischehen sind in Wien, häufig 'in Triest und dem Küstenlande, während sie in Gali/icn und der Bukowina gar nicht vorkommen. - In Ungarn sind in derselben Zeit <!0S4 reift jüd. Ehen geschlossen und 250 christl.-jüd. und l'J8 jüd.-ehr, Mischehen, also 6.03 0 0 aller jüd. Ehen. Jeder 35. jüd. Mann heirathet eine ( hristin, jedes 34. jüd. Mädchen einen Christen, Die meisten Mischehen liefert Budapest, 171)''jährlich, so dass bei 1195 rein jüd. Ehen jeder 1'5. Jude eine ("hristin. jede 14- Jüdin einen Christen ehelicht: die Zahlen sind in den folgenden Wiren gestiegen | 1902 203 Mischehen). In /Italien ist die Mischehe sehr häufig: die reicheren-« Karrt Uten verheirathen ihre Kinder an Christen. Ebenso verbreitet sind die Mischehen in Schweden, Dänemark, Australien und Frankreich; invliiUterem Luide, führen Männer aus der höchsten Aristokratie sehr reiche jüdische Mädchen heim. Auch in England haben sich jüdische 'Madchen aus den social hochstellenden Schichten dtf'r Gesellschalt mit Männern aus hohen aristokratischen Kreisen vermählt. In Kopenhagen« sind von 1880 -1903 358 rein . jüd. Ehen und 234 Mischehen geschlossen worden, sodass diese 39.5 % aller Ehen betragen: sie /eigen eine Tendenz zur Zunahme, denn in den 12 Jahren 1880 1*91 machen sie 35%, "in den Jahren 1892 -1903 schon 43,6 °f, .aller Elten aus. Im Deutschen Reich sind {hc Zahlen der Mischehen 1901 und 190:.' wie folgt: 1901 1*878" 3 IC 842 1!»02 3925 .rein jüd. Ehen '2'.'5 ehr.-jüd. EIkmi . 331 jüd.-ehr. In Prcusscn sind) in den Jahren 1870 —1900, f)08<J0 rein jüd., 3817 ehr.-jüd. nhd 3987 jüd.-chr. Ehen geschlossen w< rden. Die Zahlen haben .seit dem Bestehen der l 1875—79 289, 189. vilehe stetig zugenommen : —99 433 Mischehen. Auf Berlin entfällt der grosstc Theil : 1875—79=101, 1895 99 201, 189* —1902 bei 607 rein jüd. Ehen, 212 Mischehen, jeder 6. Mann und jede Ü. Fra*i heirathet Christen. In Preussen ist .die /