Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 9 - Dezember
- Article
- Beilage zu Nr. 9
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
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Ich habe absichtlich bei der Jugenderziehung nger. verweilt, weil in der lugendbildu'ng .der Cininil für die künftige Zeit' liegt, weil in der Meiw-Ifenknospe. <lie Gott den .Kitern in den >ch'" 'ss gelegt, alle Keime zum Guten und Bosen enthalten sind. . . D;»s sind tlic geistigen Waffen, mit denen wir ^ogen die Nervosität und nervöse •Veranlagung | kämpfen haben. Nun mögen andere Mittel, i Hilfsmittel von mehr praktischer Bedeutung besprochen werden. ' Da sind in erster Reihe k■-rperliche Bewegungen.' Turnen; -Rudern, Retten, K.idf.iliren. , Eislauf, Schw immen, Fechten sollten .'sich .■bei uns mehr'einbürgern. Das sind Dingel die auch Erwachsene mit \ ortheil treiben können. ::ü die schon wankende Nervengesimdhcit ZU U-stigen. Diese Leibesübungen können allerdings nur ausserhalb des Hauses getrieben, werden. .Aber auch im Hause kann, man sich reicht Gelegenheit zu gymnastischen Lieblingen «erschaffen, wofür es Zahlreiche Apparate giebt. I )as ist leicht /u bewerkstelligen. Gegenüber clen geistigen Anstrengungen ist körperliche Muskelarbeit in und ausser dem I lause ein erfolgreiches Gegengewicht Ks ist daher lebhaft zu begrüssetf. dass Turnvereine -ich .unter der jüdischen lugend ge-. bildet haben, mehr und mehr aii Zahl zunehmen. Das sollten auch altere Herren thun. auch Mädchen und Frauen sollten sich nicht aussentiessen Besonders zü empfehlen sind grössere Spaziergange und Wanderungen in der Umgegend. Dazu .bedarf es keiner besonderen \'orbildung. es beil.uf keines grossen .Apparates, sie sind .leicht zu bewerkstelligen. Ausgedehnte' I' usswanderungen erleichtern den Stoffwechsei des Korpers, erfrischen, den Geisti erholen das Gemiith. bringen den Mensc|ien in innige Beziehung zur Natur, schürten, den Sinn für die Schönheit und Erhabenheit der Natur. Der Aufenthalt in freier Natur beruhigt'. <lic Nerven in gesundem Zustande, mehr noch wenn sie erregt sind, lenkt die .Aufmerksamkeit von seinen eigenen Ich ab. Ks ist nicht immer nVithig, besonders schöneLandschuftenaufzusuchen, Manche mögen wobt-aus Mangel an solchen die Wanderungen unterlassen, jede Gegend ist hierzu geeignet. Aber diese Lust am Wandern vermisse ich noch sclir bei uns. auf meinen Wanderungen in der Umgegend von Herlin begegne ich wenig Judeft. Das ist bedauerlich. Jede Familie sollte •sich angelegen sein| lasserrf an Sonn,- und Feiertagen mit Frau und Kindern Stunden lang sich /u ergehen: Auchl.in den Logen sollten sich' die Brüder zusammentlfun. gemeinsame Ausflüge zu machen. Ich linde, dass diese Art Bewegung sehr vernachlässigt (wird, und es ist schade darum. Für die Erhaltung und Kräftigung gesunder Nerven sind Wanderungen ein nicht hoch .• genug' zu , ' i - * - - - ■ t schätzender Vortheil, u«d. mit vollem Nachdruck betone ich, dass diese Art voy Wanderungen in den Logen mehr als bisher beachtet und gepflegt werden sollte, f reilich wäre es um vieles besser bestellt, wenn die Juden sich mehr dem Landleben widmen konnten, aber das wird wohl noch'langeein frommer Wunsch bleiben.. Das -Hindrängen nach den grossen Stallten, einew irtjrschaftlich nothwendig gewordene Erscheinung 7-int socialen l.eben der Juden, kann der Arz.t mir-beklagen,, denn sowohl die Arbeit wie die'Erholung-tragen ein unruhig hastendes Gepräge.. . v I He Arbeiter haben begrenzte '.Arbeitszeit, irfir die I landelsw elt kennt keine ^Grenze ihrer I hätigkeit; bis in die sinkende' Nacht wird gearbeitet, mit Aufbietung ■ aller Kräfte muss geschallt werden.1 Die Kaufmannsw;elt. <les Grosshandels sollte allen Ernste»! darauf bedacht sein, nach englischer Gepflogenheit die- .Vrbeitszeit so einzutheilen. dass die Herren von f> .L:hr ab sich i4»rer Familie, ihrer Erholung, ihrer Gesundheit widmen können. Was das grosse handeltreibende England leisten kann, sollte bei uns auch möglich sein.. Es sollte in der That eine grosse. Agitation in ganz Deutschland eingeleitet werden,'-um einen früheren Geschäftssthmss herbeizuführen. Man hat das nordische Klima beschuldigt, dass es Ijing .anhaltende und anstrengende Arbeitbedinge, aber in Schweden, * Norwegen und . Dänemark herrscht gleichfalls früher Geschäftsschluss.. Wo ein ernster Wille ist. da ist' auch ein gangbarer Weg. Das würde auch auf unsere Erholungen und Vergnügungen den günstig.-jten- Einlluss , ■ausüben. '-. - - ■ — ' l ud nun sehen wir uns einmal .unsere geselligen Vergnügungen bei rechtem' Lichte an;' Ich verkenne durchaus nicht denhohen Werth -' f ' *''••' der Geselligkeit lür unser sociales Leben, ich beklage den. der die (ieselligkeit .-meidet. -Sie erfreut und hebt den- Menschen, aus der'Alltags Sphäre empor, sie ist ein vorzügliches Bildungselement, sie i/iscipliniert den'Geist und glättet die ' I 0- L mgaugsformen, der Frohsinn und t die ungezwungene Heiterkeit trägt viel fiir ifie Frische des Nervensystems bei. Nach dem .heilsamen Spruche: varietas delectat, sollten die gesellten Veranstaltungen sich nicht häufen. •; sich nicht in kurzen Abständen Aviederhojej*. sonst-'stumpft man ab, wird unempfänglich für ih'e Heize der. Ge sclligkeit, reagirt. man nur. auf immer stärkere Reizmittel. \ber w ie liegc:n , nun . die - Dinge : „l'ngezählte Nächte Opfern wir unsucn Vergnügungen und zweifelhaften Erholungen. Lud — 7;i