Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 9 - Dezember
- Article
- Beilage zu Nr. 9
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
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Stimmung sind ganz cigcnthümlich <lic constanten und sichtbaren Merkmale der Nervosität, die leichte Erregbarkeit des Genniths ist die nie versiegende Ouclle, aus der Nervenleiden ihren Ursprung nehmen." Man muss schon früh gerüstet sein gegen Schicksalsschwre. die das Lehen des Menschen nicht verschonen. Man muss die Widerstandskräfte der Seele wecken und ausbilden, die Affecte zügeln, die trüben aufrichten, die überschäumenden in ruhiges Falirw asser lenken. ...Man darf nicht dulden, dasa seelischer Schmer/. Groll", Verbitterung in allen Spielarten derselben bei dem .».- :\ f . Kinde sich einnisten, man halte.'* sie an. wenn solche XerveriverstimroungQn auftreten, sich stets auszusprechen, denn mit, der Aussprache ist die Macht der Affekte gebrochen." Wenn Ehern ihren Kindern gestatten, bei den kleinsten Anlassen zu schreien, aufzubrausen, sich puterrotlvzu färben, die Kleider zu zerreissen. Sachen zu beschädigen. s<> heisst das. sie schlecht auf den Kampf gegen die Affekte vorzubereiten, sie direkt der Nervosität zu überliefern. Man achte-auch bei Zeiten auf solche Kinder, die den Xerv<isen spielen, suche dies bei dem ersten Versuch zu' unterdrücken,'' Alle solche.Reizbarkeiten und Uebcrsch\vänglichkoiten des Gefühls, '«•eiche.durch unverständige Behandlung gezüchtet werden, lasse man nicht durchgehen, statt dessen erziehe man sie zur Kuhe. Geduld, Beherrschung, Gehorsam,, Genügsamkeit. Bescheidenheit. Man versäume keine Gelegenheit, den Blick der Kinder nach unten, d. h. auf solche zu richten, welche in Weniger guten Verhältnisse)* als. sie selbst leben, sie zur Zufriedenheit. Fügsamkeit,• zur Dankbarkeit gegen Goti und difcMcnschen anzuhalten.' Mehr als alle Theorie und Erziehirngskunst leistet das Beispiel. ..l eider und Laster der Fitem, die sich fast imnier schlecht verbergen lassen. Und tUe die Kinder schnell auffassen, sind von unheilvoller Bedeutung für die sittliche und damit auch für die gesundheitliche Eritwickelung der Kinder.. Wieviel Unglück die Trunksucht'' eines Vaters, ilie Zerfahrenheit einer Mutter" anzurichten vermag, bedarf keines Beweises. Der eheliche Unfriede, ja schon das glücklose Zusammenleben in 'der Ehe fordert die, Entstehung der Nervosität bei der Kindern." Der ungünstige Eintlüss der Ehescheidung ist ohne Weiteres verständlich, llierindiegt aber zugleich für uns Eltern die ernste Mahnung, unser Leben so.zu gestalten. : dass die Kinder in uns das beste Beispiel vor Augen haben. „Wer ein wachsames Auge auf sich hat, findet nicht nurseine eigenen zweifelhaften Eigenschaften, sondern auch 'seine offenbaren Schwächen und Eehler ^ar nicht selten bei seinen Kindern wieder.-' Wahrlich! wer Andere erziehen will, fange bei sich an! . Nicht unerwähnt machte ich die Gefahren lassen, welche eine weichliche, schlaffe, überzärtliche Erziehung dem kindlichen Nervensystem bringt. „Man hat | als Arzt sehr oft Gelegenheit zu bpobachten, welchen unheilbaren Schallen einsichtslose Eltern durch das überströmende Muass ihrer sichtlichen Liebe ihren Kindern an Leib und Seele zufügen. M«n sieht nur, zu häutig, wie Kinder, die auf solchem Boden aufwachsen, denen die Eltern joden Wunsch erfüllen, jeder ihrer Launen nachgebend, siemit Zärtlichkeit und Fürsorge überschüttend, früh nervenkrank werden, und wie denen selten, oft ' I i überhaupt nicht zu helfen ist. weil das Leiden in ihrer Natur zu fest Wurzel gefasst hat." .Unsere ältere Generation ist stralV und eonse<|uent, aber" deshalb keineswegs lieblos oder rigbrös erzogen worden: das bildet einen festen* harakter. das bringt Sclbstbew usstsein gegen die. Stürme des Lebens Was die Vergnügungen der Kinder betrifft, bedarf es ebenfalls eines ernsten Wortes, da viel in dieser Beziehung gesündigt wird. ..Es wird den Kindern >zu viel uifd zu früh gebpten. besonders in den Grossstädten. Und wie rächt sich «loch früher oder später dieses Vorgreifen! Leicht übersättigt w.enlen die—jungen Leute blasiert. Wenn man.^loch den Kindern ihre Kindlichkeit, das köstlichste Gut, das sie besitzen s<> lange w möglich lassen wollte! Es ist ein Frevel an der Natur, ein Kaub an Menschenrecht und Menschenglück, wenn der -Mensch in den Jahren der Kindheit angehalten wird, sich wie ein Erwachsener zu geberdeiv zu denken und zu fühlen. Das muss sich strafen und-nicht zum wenigster! am Nervensystem, Kindergesellschaften ind Kmderb.ille sind thöriclrte+^rfii.idungen der Neueit, sie thun der Kindlichkeit Eintrag, wecken Anschauungen. Gewohnheiten. Ansprüche, die diesem Alter nicht zukommen.^; Qass die Lektüre der Kinder überwacht werden muss. ist eine längst anerkannte Forderung, so dass ich mich blies näheren Eingehens überhoben halte. Auch i?t es feststehend, dass die einseitige Beschäftigung mit der Musik zu Nervenüberreizung führt. Keiles wegs soll die musikalische Begabung oder das Lesen "von guten .Büchern unterdrückt werden, nur 'mit Maasson muss es betrieben, die Yer »nlagung nicht überspannt, die Anforderungen nicht übertrieben, der, Geist nicht überbürdet werden. „Alles was den Character bildet, was den Willen fest und stark macht dient auch zur Erhaltilng der Nervengcsundheit. Die Pflege der Einfachheit und der Bedürfnisslosigkeit dieser ebenfalls zu Gute." kommt — 72 —