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Bericht der Großloge für Deutschland · 1904-01-01 · Nr. 9 - Dezember · p. [Seite]

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Journal
Bericht der Großloge für Deutschland
Volume
1904
Issue
Nr. 9 - Dezember
Article
Beilage zu Nr. 9
Date
1904-01-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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die Gattin in ihren Mann Alles sah, nur in der Sorge für die Ihrigen aufging, wo die -Kinder liebe- und ehrfurchtsvoll zu den Kitern emporblickten, ist Unwiederbringlich dahin. Die moderne Zeit mit dem nivellierenden Einfluss. mit den gebieterisch fordernden Krauenrechten, mit dem frühzeitig erwachten und genährten Sclbständigkeitsgcfiihl der Kinder hat gewiss viel Ciutes gezeitigt, hat aber auch eine Unruhe in die Familie gebracht, eine Unzufriedenheit aller Mitglieder grossgezogen, ein Auseinandergehen der Geschwister in Anschauung und Anhänglichkeit •I 7j'.••• '■ :; hervorgerufen, qine Begehrlichkeit schon in frühester Jugend Igewefkt, die nach und nach .zur Untergrabung des Familienzusammenhaltes, zur \nlhebung desVorwandtschaftsgefühls führen muss. Namentlich in don besseren, social hochstehenden Kreisen sind die^c unseligen Zustände eingerissen. Dafür spricht der vielfach angetroffene l'nfrjede in der Familie, die, immer mehr zunehmenden Mischehen und Ehescheidungen. Die f^axheft der Sitten, namentlich in geschlechtlicher Beziehung sind bei uns in ungemessener Breite eingezogen. Hier ist diel Mahnung zur Einkehr und Umkehr, gebieterische Pflicht. . Wir müssen zurück zür Einfachheit, I Genügsamkeit, Zufriedenheit mit menschlichem Lose, zurück zum harmonischen Akkord im Lehender1 Familie, fort mit dem' Verwirrenden Begriff des l.'ebermenschenthüms, der unsere Jugend ergriffen hat, fort mit dein entnervenden Trieb sich auszuleben. <ler leider das Idol der Jugend geworden ist, die Ueber- Spannung der Gefühle, das Uebcrtreibcn der Empfindungen muss aulhören. An Stelle schwärmerischer Selbstbetrachtung und hehlen Geistreichthums muss schlichte, natürliche Auffassung, an Stelle unfruchtbarer Gcnuithsbewegung und Verzweiflung freie BethätigUng des W illen-, an Stelle des fein ausgeklügelten Egoismus ist werkthätiges Erbarmen und hülfreiehe Menschenliebe, an Stelle des Sichselbstübcrschätzens und Selbstüberhebung muss Selbstzucht und Bescheidenheit treten. Die Ausbildung und Vertiefung des Gcmüthslcbens muss ernstlich angestrebt werden. — Der zum freien Denken, zum' kräftigen Wollen herangereiften Frau und Mutter liegt die hohe, unabweisliche Pflicht ob, die Gesundung unseres Vosksstammes zu übernehmen, zu leiten und durchzuführen. Schon sehen wir gute Ansätze und Anfänge, und ich habe zu unseren Frauen das Vertrauen, dass sie Wandel in Anschauungen und Sitten schaffen werden. W ir müssen wieder hineinsteigen in den hehren, menschlich idealen Schacht des Familiensinnes und wahrer echter Erziehung. Ja, in der Erziehung der Kinder, in der Veredlung unserer selbst liegt die Zukunft der Gesundheit unseres Volkes, l iier1 i ist vor allem das Augenmerk auf das nachkommende Geschlecht, auf die körperliche und geistige Pflege der Kinder und der heranwachsenden Jugend zu richten. Ich'Übergehe alle privaten und öffcnllichcn Wohrfalrftsbestrebungen für Kinder, weil ich fee.r dieser ganzen Betrachtung von' der -Familie ausgehe. Die folgenden Anregungen ,habenbei weitem mehr Bezug auf westeuropäische Zustände. Die überaus häufige Nervosität bei . den osteuropäischen Juden hat zwar mehr in".der 'unendlich traurigen sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Lage ihre Ursache, doch haben die Erziehungs- Grundsätze, von denen ich sprechen werde, mutatis mutatldis auch für diese (ilaubcsgenossen. ihre Gültigkeit. — Schon beim Säugling soll die Tliätigkeit für die. Xervengesuudheit einsetzen. ■ Es kann nicht unsere Aufgabe sein, ins Einzelne.gchCnde "Maassregeln und Vorschriften zu geben, das ist "Sache der betreifenden Disciplinen; hier kann es sich nur um die Richtung handeln, in der. sich die Erziehung der Kinder bewegen soll.' „Neben passender Ernährung und Körperpflege,' wozu in allererste Reihe die gänzliche Abhaltung von alkoholischen Getränke bis über das Pubertätsalter hinaus gehört, dürfte als allgemein anerkannt gelten, dass die Abhärtung des Körpers und die Stählung der K'-rperkraft zu den wirksamsten Schutzmitteln desselben im Kampfe gegen die der Gesundheit feindlichen' Mächte gehört, /lind besonders für das Nervensystems eine starke Schutzwehr bildet. .Eine fernere - Aufgabe der Erziehung ist es, den jungen Körper..an Muskelth.rligkeit, an Kraftentfaltung Zu gewöhnen. Das Interesse und die Begeisterung für alle körperlichen Uebungen, 'die stark, gewandt, rüstig, energisch, muthig.und widerstandsfähig' machen, "in ihnen ' zu wecken Und zu erhalten, selbstverständlich ohne jede^Uebertreibung." ..Nicht minder wichtig ist es, Korper und Geist schon in der Frühzkit gegen körperliche, und seelische Schmerzenabzuhärten. Dadurch kann grosses l'nheil für später vermieden werden, wenn Gemüths- und Empfindungsnerveir von Jugend an gewohnt werden,; nicht bei "dem leisesten Schmerz, bei der geringsten Trübung in heftige Ausbrüche zu geratlien. Die, seelischen Kräfte und Eigenschaften müssen zur .Beherrschung der Affekte methodisch ausgebildet werden. Starke Gemüthsaflekte rufen sehr häutig Nervenleiden hervor, häufige und starke Schwankungen der bei diesem Theil meiner Ausführungen folge ich; der Arbeit von Professor Oppenheim: pe r v e n fr« i d en1 und Erzieh u n g.. Viele Siit/e habe icli wegen der schönen Gedanken und prägnanten Ahscliauupgsweise wörtlich aufgenommen. '• - .-

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