Bericht der Großloge für Deutschland
- Journal
- Bericht der Großloge für Deutschland
- Volume
- 1904
- Issue
- Nr. 9 - Dezember
- Article
- Beilage zu Nr. 9
- Date
- 1904-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
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Grossstädten, Und die vorzugsweise das Gehirn iii Anspruch nehmenden Berufe der Juden auf die Dauer dem Nervensystem zufügen, ist der Ruf „Hinaus aufs Land" durchaus-angebracht Betrieb von Landwirtschaft und Gärtnerei. Berufe, welche die Juden noch viel zu wenig ergreifen, sowie die Beschäftigung mit Gartenbau könnenim Interesse der Nervenin giene nur dringend empfohlen werden. War doch der Jude in Palästina vorzugsweise ein Ackerbauer, und ist mir auch nicht zweifelhaft, dass wenn sich erst Juden bei uns in grosserer Anzahl entschliessen würden, ihre Kinder diesem Berufe zuzuführen, Erfolge und Befriedigung nicht ausbleiben würden. Denn trotz des Geschreies der Agrarier nährt die Landwirtschaft immer noch ihren Mann, und bei der Betriebsamkeit,' Sparsamkeit und Umsicht der Juden, .welche sie alle Vorteile ausnützen, alle Fortsehnte der Neuzeit sich aneignen lässt,.Würden sie es hier ohne Frage zu Wohlstand bringen. , Jedenfalls verdient die Kolonisirung der'Juden auch von-diesem Gesichtspunkte aus nlir begünstigt zu werden.•■ Dabei ist es nicht nötig. ' Palästina als das alleinige Ziel mit religiöser Umbrämung und speciliseh nationaler Färbung ins Auge zu fassen. Auf heimischem Boden kann durchlandwirtschaftlichen "und gärtnerischen Be trieb die erwünschte, und ersehnte Wiedergeburt des Judentums erstrebt und erreicht werden. Der Jude stellt grösseie Ansprüche an das Leben, macht grössere Aufwendungen für den. Lebensbedarf. Da er seine Kräfte in anderen Beraten als «lern Handel nür zum. geringen Theil ausfüllen kann, sucht er in dem Frwerb'von Reichtümern ein Gegengewicht, sucht er in dem Reichtum das hauptsächliche Mittel, seinen Lebens . inhalt zu erhöhen, sich eine Unabhängigkeit zu sichern. Zudem sind die Bedürfnisse des Einzelnen, die Ansprüche an Lebetisgenuss in allen Kreisen gewachsen, ein unerhörter Luxus hat sich auf. Bevölkerungsschichten ausgebreitet, die früher davon ganz unberührt waren. Daher hat die Un- Zufriedenheit und Begehrlichkeit überall zu genommen. Durch den enorm entwickelten Verkehr haben die Verhältnisse im Handel und Wandel sich total verändert Alles geht in Hast und Aufregung vor sich; tagsüber angestrengte Arbeit, nachts" keine rechte Ruhe,, selbst die ErholUngs. reisen werden zu Strapazen für das Nervensystem. In möglichst kurzer Zeit viel erreichen, erwerben, Geld machen ist immer mehr zur Losung in beiden Wehen geworden.' Dieses Streben, es" schnell zu etwas zu bringen, beschränkt sich keineswegs auf den Kaufmannsstand, das sieht man in allen Berufen, sie rennen und wagen d;u>' < Glück zu erjagen. Und wenn nun mancher das ersehnte Ziel erreicht hat, ist sein Nervensystem bereits so erschöpft, dass er nicht mehr gemessen' kann, was er erreicht hat" Daher so viele, , die mit ihren Beruf unzufrieden sind, mit ihrer ganzen Lebensstellung, Die Kinder werden in höhere Berufe getrieben, ganz gleich ob sie Anlage dazu und materielle Hülfsmittel haben.' Sie müssen unter »Entbehrungen sich durchschlagen. Und das bezahlen die Kinder meist mit dem Verlust der Nervenkraft. Nun. das Streben nach Reichthum, nach Wohlleben mit seiner nervenzerrüttenden Hast urid Hetzen müsste eingeschränkt "werden, müsste der Einsicht weichen, dass in dem Besitz und Anhäufung von Reichtümern nicht das alleinige zufriedenstellende Glück liegte dass es noch viel, wertvollere, bcseeligende Güter giebt, das ist gesunder Körper und gesünder Sinn. Wir müssen alle Kraft anwenden, alle Leiden schaft und Gen isssucht aus unserem Leben zu verbannen. Genügsamkeit im Lebensgenuss, Zufriedenheit im Innern führen ungleich besser und lebenswahrer zum Glück und Frieden. — Wo anders können diese Grundsätze besser betätigt werden als in der . F a m i I i c . die den besten Halt und Schutz gewährt gegen die nervenangreifenden Einflüsse unserer Zeit. Für das rastlos arbeitende, Familicnhaupt istim Schosse der Familie der stille Hafen im stürmischen Meere des Berufes und des öffentlichen Lebens. , Von der Liebe der Gattin und Kinder getragen, durchdrungen von dein Bewusstsein, in ihnen treue Gefährten zu besitzen, findet er immer wieder Freudigkeit, den Kampf ums Dasein aufzunehmen, da sind die, Anker für das Gleichgewicht seiner Nerven. Die Familie ist der idealste Herd für die sittliche, ästhetische -Entwicklung der Frata und Kinder. Wo ein guter Geist voll idealen Sinnes. Ruhe und Gleichmässigkeit. Frohsinn und Heiterkeit herrscht, wo alles Hässliche, Uebertriebene. Minderwertige verpönt ist, wo ein reines Gefühlsleben alle Mitglieder durchdringt, woruhige, stetige Arbeit als notwendig jmd anregend empfunden wird, wirken solche Triebfedern läuternd und veredelnd auf den' inneren Zusammenhang der Familie. Wohl rühmt man uns. die Innigkeit des Familienlebens, die,Tiefe des Familiensinnes nach. Aber ist sie noch die starke Säule in unserem Volke:' Besteht noch die Sittenreinheit der Ehe in vollem Umfange: Fast will es scheinen, als "1» che überhand nehmenden Nervenleiden den Zusammenhalt der Familie lockern. Das frühere patriarchalische Familienverhältniss.' wo der sich nur bei den Seinigen glücklich fühlte, wo — 70 — Mann